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Zinsstrukturkurve wie 2007 – endet die Hausse 2019 endgültig?

Die US-Wirtschaft zeigt Schwächesignale und Anleger flüchten in Staatsanleihen. Das führt zu sinkenden Renditen und einer US-Zinsstrukturkurve wie vor der letzten Finanzkrise - 2019 dürfte volatil werden.

Nun auch der Dezember: Nach einem turbulenten Oktober und November hatten sich Anleger auf einen häufig aus Börsensicht positiven Dezember gefreut. Doch die Enttäuschung ist auch im letzten Monat des Jahres groß. In den USA erleben Anleger einen der schwächsten Dezembermonate überhaupt mit Verlusten von derzeit mehr als zehn Prozent. Dafür gibt es mehrere Gründe: Der Handelsstreit zwischen China und den USA schwelt weiter und die Unsicherheit dürfte bis zum Ende des Zoll-Moratoriums Ende Februar anhalten. Hinzu kommt eine US-Notenbank, die auf ihrer jüngsten Ratssitzung zum einen die Leitzinsen erneut angehoben hat, zum anderen zwei weitere Leitzinsanhebungen für 2019 in Aussicht gestellt hat, auch wenn es zuvor noch drei waren. Das ist deutlich mehr als der Markt angenommen hat, der maximal von einer Leitzinserhöhung im kommenden Jahr ausgegangen war. Denn die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA stimmen nicht positiv. So ist etwa der Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie auf ein 13-Monats-Tief gesunken. Die Konjunkturschwäche im Rest der Welt scheint zusehends auf die US-Wirtschaft überzuschwappen. Auch die US-Notenbank hat ihre Erwartungen für das Wirtschaftswachstum in den USA reduziert und geht nun für 2019 statt 2,5 Prozent nur noch von 2,3 Prozent aus.



Skeptische Fondsmanager


Konjunktursorgen spiegeln sich aufgrund der aktuellen Entwicklung aber auch unter Fondsmanagern wider, wie die jüngst im Dezember durchgeführte Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter mehr als 240 globalen Fondsmanagern zeigt: 53 Prozent der Befragten erwarten in den nächsten 12 Monaten eine schwächere Weltwirtschaft, im November waren es noch 44 Prozent. Außerdem gab es die stärkste Monatsrotation in den Anleihesektor hinein, seit die Befragung im Jahre 2001 begann. Der schwächere Wirtschaftsausblick dürfte zu dieser Bewegung geführt haben, da Anleihen in einem sich eintrübenden Konjunkturumfeld gefragt sind. Das hat gleichzeitig dazu geführt, dass die Renditen, vor allem die der langlaufenden Anleihen, rund um den Globus wieder deutlich gefallen sind.


Quelle: Reuters

Die Angst vor einer möglicherweise bevorstehenden Rezession steigt. Begründet wird diese Befürchtung mit einer sich abflachenden Zinsstrukturkurve in den USA, die bald sogar invers werden könnte. Im Dezember ist der Renditeaufschlag für zehnjährige US-Staatsanleihen gegenüber zweijährigen auf zehn Basispunkte (0,1 Prozentpunkte) gefallen - das ist das niedrigste Niveau seit August 2007. Bei einer inversen Zinsstruktur würden die Renditen für zweijährige Anleihen höher sein werden als jene für zehnjährige. Diese Entwicklung schürt die Angst vor einer weiteren Konjunkturabschwächung  in den USA, denn vor den vergangenen neun Rezessionen in den USA war die Zinsstrukturkurve immer invers.



Kühlt die Konjunktur weiter ab?


Eine Rezession der US-Wirtschaft, der immer noch größten Volkswirtschaft der Welt, würde sich zu Beginn vor allem auf exportabhängige Länder wie China oder Deutschland und später dann über Sekundäreffekte wiederum auf die Weltwirtschaft insgesamt negativ auswirken. Dabei haben viele Länder bereits im vergangenen Quartal die Schwäche der globalen Wirtschaft zu spüren bekommen, weshalb die Wirtschaftsleistung Deutschlands ebenso gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist, wie jene Japans, der Schweiz, Schwedens oder Italiens. Gleichzeitig sind die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie etlicher Länder auf die niedrigsten Niveaus seit 20 bis 30 Monaten gesunken, weshalb sich eine weitere Abkühlung der Konjunktur in den jeweiligen Staaten abzeichnet.


Quelle: Reuters

Es besteht daher die Gefahr, dass die Weltwirtschaft im kommenden Jahr in eine Rezession abgleitet. In diesem Szenario wären die Gewinnschätzungen für den S&P 500® oder den DAX®, die ein Plus von jeweils rund zehn Prozent vorhersehen, reine Makulatur. 2019 dürfte am Aktienmarkt diesseits und jenseits des Atlantiks daher ein volatiles Anlagejahr werden.

 

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