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Trading

Warum man kleine Positionen handeln sollte

Es gibt einige Vorstellungen über Trading, die in der Praxis nicht haltbar sind. Eine davon ist der Glaube, dass erfolgreiche Händler riesige Positionen haben. Mit verantwortlich für diesen Mythos sind sicherlich die Medien, für die extreme Gewinne auch stets beste Schlagzeilen darstellen. In Wahrheit sind gerade im kurzfristigen Trading große Positionen aber besonders riskant, wie professionelle Händler in Interviews immer wieder bestätigten.

Bei vielen Privatanlegern kommt noch das Bedürfnis hinzu, möglichst groß zu traden, um „schnell reich zu werden“. Allerdings ist das genau die falsche Perspektive, nämlich die der Gier. Kein guter Ausgangspunkt, um an der Börse erfolgreich zu werden. Viel besser ist die Perspektive des Risikos. Wer zuerst an das Risiko und dann an die Rendite denkt, hat langfristig deutlich bessere Karten. Doch es gibt noch weitere Gründe, warum der Handel mit kleinen Positionen wirklich sinnvoll ist.

Es sind mehr Trades gleichzeitig möglich

Wenn jeder Trade klein ist, können insgesamt entsprechend mehr Positionen gehalten werden, bis das Handelskapital ausgelastet ist. Natürlich sind mehr Positionen nicht immer besser, da auch höhere Kosten anfallen. Die Trades sollten also sorgfältig ausgewählt und die Positionen untereinander möglichst gering korreliert sein. Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann eine höhere Anzahl an Positionen für eine kontinuierliche Entwicklung sorgen. Zudem steigen die Chancen, auch mal einen sehr großen prozentualen Gewinn zu erwischen.

Es sind (fast) keine Emotionen im Spiel

Je größer die Positionen sind, desto stärker wird der emotionale Einfluss auf das Trading, während objektives und rationales Verhalten in den Hintergrund rücken. Das ist ein großes Problem, da so regelmäßig entscheidende Fehler passieren. Natürlich sollten die Positionen auch nicht so klein sein, dass es völlig egal ist, was aus dem Trade wird - aber zumindest ausreichend klein, sodass der Ausgang eines einzelnen Trades keine besondere Rolle mehr spielt.

Positionen lassen sich problemlos über Nacht halten

Manche Trader können abends nicht einschlafen, weil sie ständig an ihre offenen Positionen denken müssen. Wenn das der Fall ist, dann sind ganz einfach die Positionen und damit die Risiken zu groß. Der Trader läuft also Gefahr, emotional zu handeln und Fehler zu machen. Bei kleineren Positionen ist es dagegen viel einfacher, Trades über Nacht zu halten und den Setups den nötigen Spielraum zu geben, sich entsprechend des Handelsplans zu entfalten.

Scheinbar waghalsige Einstiege umsetzen

Mit kleinen Positionen ist es möglich, auch waghalsige Manöver durchzuführen und etwa dann Long einzusteigen, wenn der Kurs gerade durch eine wichtige Unterstützung bricht. Nach klassischer technischer Analyse ist das zwar ein klares Verkaufssignal, das sich aber ebenso als Fehlsignal entpuppen kann und der Einstiegskurs dann plötzlich nahezu optimal ausfällt. Nicht selten erweisen sich solche brisanten Setups später als hervorragende Trades, die aber mit großen Positionen unverantwortlich riskant sind.

Es kann (kurzzeitig) ohne Stopp gehandelt werden

Dies ist ein kontroverses Thema, denn oft wird im Trading empfohlen, niemals ohne Stopp zu handeln. Aus gutem Grund, denn schon oft wurden große Positionen ohne Stopp genau deshalb zum absoluten Desaster für Händler. Allerdings kann es zumindest beim Einstieg in eine Position sinnvoll sein, zunächst keinen Stopp zu setzen und den Markt erst seine genaue Handelsspanne finden zu lassen. Natürlich nur dann, wenn man ganz genau weiß, was man tut und es im eigenen Regelwerk entsprechend so vorgesehen ist. Und vor allem nur dann, wenn die Position klein genug ist, sodass das Risiko für das Handelskonto vertretbar bleibt.

Es ist leichter, gute Trades länger zu halten

Wenn ein Trade ins Plus läuft, dann ist das erst die halbe Miete. Denn der Händler muss auch in der Lage sein, den Buchgewinn lange genug (aus)halten zu können, um tatsächlich eine attraktive Rendite zu erzielen. Genau das gelingt aber vielen Tradern nicht, da sie ihre Gewinne lieber schnell sichern möchten (Dispositionseffekt). Klein zu traden erleichtert es dem Händler, im Gewinnfall nicht so schnell an den Ausstieg zu denken, da es sich am Anfang einfach noch nicht lohnt. Der scheinbare Nachteil, nur langsam nennenswerte Gewinne zu erzielen, lässt sich also dadurch ausgleichen, dass Gewinn-Trades im Durchschnitt länger gehalten werden.

Fazit

Große Positionen sind ein tolle Sache für die Medien. Jeder kennt die Geschichte von George Soros, wie er gegen die Bank of England wettete und rund eine Milliarde Dollar verdiente. Für alle anderen gilt dagegen die Risiko-Perspektive als wichtigstes Argument für das Handeln mit kleinen Positionen. Aber wie dieser Artikel gezeigt hat, gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile, die den Handel mit kleinen Positionen wirklich attraktiv machen.

In unserer Tradingreihe ist zuletzt erschienen: Warum die Kurse schnell fallen und langsam steigen
Weiter geht es mit dem Thema: Zeithorizont und Erfolgswahrscheinlichkeit


 

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