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Trading

Warum die Kurse schnell fallen und langsam steigen

Anleger, die sich schon eine Weile mit der Börse beschäftigen, haben das sicher schon beobachtet: Stück für Stück steigen die Kurse einer Aktie oder eines Index über längere Zeit an. Manchmal scheinbar in Zeitlupe. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Dann kommt es plötzlich zu einer Bewegung nach unten. Und die fällt oft viel schneller und heftiger aus als der vorherige Kursanstieg. Innerhalb kürzester Zeit wird eine Kursspanne abverkauft, für die es beim Anstieg eine deutlich längere Zeit brauchte.

Dieses Verhalten ist typisch für den Aktienmarkt. Man sagt auch: „Nach oben geht es auf der Treppe, nach unten mit dem Aufzug.“ Und es gibt gute Gründe, die dazu beitragen, dass dieses Muster immer wieder auftritt:

  • Schlechte Nachrichten verbreiten sich schneller als gute. Das gilt nicht nur in Gesprächen von Menschen untereinander, sondern auch in den Medien, wo negative, schlagkräftige Überschriften mehr Aufsehen erregen und zu höheren Verkaufszahlen oder Klickraten der jeweiligen Artikel führen als positive Nachrichten. Entsprechend ist davon auszugehen, dass schlechte Nachrichten – wenn sie erst einmal in Umlauf gekommen sind – auch schneller eingepreist werden.

 

  • Vertrauen entsteht langsam und verschwindet schnell, und das gilt ganz besonders in der Finanzindustrie. Anleger, die ihr Geld in Fonds gesteckt haben, ziehen es meist erst in Verlustphasen wieder ab, da sie der Sache nicht mehr wirklich trauen. Dieses Verhalten zwingt den Fondsmanager, Positionen zu ungünstigen Zeitpunkten (nämlich nach Kursverlusten) zu verkaufen, um die Anleger auszahlen zu können. Aus diesem Verkaufsdruck können sich weitere Kursverluste ergeben, die wiederum neue Anleger zum Ausstieg motivieren.

 

  • Für neue Aktienkäufe bei steigenden Kursen ist zunehmend mehr Cash nötig, um die Positionen tatsächlich erwerben zu können. Das Aufbringen dieser Mittel bedarf häufig einer bestimmten Zeit, zum Beispiel für das Sparen vom Gehalt. Käufe sind für viele Anleger daher nur sukzessive im Zeitablauf möglich. Verkäufe dagegen lassen sich sofort umsetzen, da hierfür kein Cash nötig ist. Es kann also oft nur langsam gekauft, aber stets schnell verkauft werden. Letzteres stärkt die Preissetzungsmacht der geduldigeren Käufer und führt damit zu (deutlich) niedrigeren Kursen.

 

  • Die meisten Anleger sind ausschließlich Long positioniert und erwarten steigende Kurse. Einige von ihnen sichern ihre Positionen nach unten hin durch Stopps ab, bei deren Erreichen die Aktien automatisch verkauft werden. Liegen viele solcher Stopps an offensichtlichen, markanten technischen Kursniveaus, so kann durch deren gleichzeitiges Auslösen eine weitere (vorübergehende) Abwärtswelle entstehen, die andernfalls vielleicht gar nicht aufgetreten wäre.

 

  • Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Aktienkurse schneller fallen als sie steigen. Gibt es also eine plötzliche Abwärtsbewegung, werden die meisten Marktteilnehmer vorsichtiger. Problematisch wird es dann, wenn zusätzlich Liquiditätsengpässe wie etwa zu Weihnachten 2018 auftreten. Dann steigt die Gefahr, dass sich die Anleger in die Ecke gedrängt fühlen und den starken Wunsch verspüren, ihre Investments „zu retten“. Sie verfallen in Panik und verkaufen um jeden Preis – ein klassischer Fehler, der erneuten (vorübergehenden) Abwärtsdruck mit sich bringt.

 

  • Ein schneller, starker Kursrutsch kann bei immer mehr Anlegern zu Angst und Panik führen. Im schlimmsten Fall resultiert daraus ein Teufelskreis, bei dem sich die soeben beschriebenen Faktoren gegenseitig verstärken und es am Ende zu einem ausgewachsenen Crash kommt. Wenn das passiert, liegt in der Regel eine hervorragende Kaufgelegenheit für all diejenigen Anleger vor, die sich von der extremen Marktstimmung distanzieren, die Gelegenheit nüchtern analysieren und im Anschluss eine objektive Entscheidung treffen können.

 

Fazit


Es ist eine grundlegende Eigenschaft der Aktienmärkte, dass die Kurse (fast) immer schneller fallen als sie steigen. Verantwortlich dafür ist je nach Marktumfeld letztlich eine Kombination der beschriebenen Faktoren. Dabei kann es für praktische Anlageentscheidungen ein großer Vorteil sein, diese Mechanismen zu verstehen. Denn mit dem richtigen Verständnis der Zusammenhänge lassen sich die größten Fehler vermeiden, sodass man am Ende nicht auch selbst in Angst und Panik verfällt und zum Opfer des Teufelskreises wird.

Weiter geht es mit dem Thema: Warum man kleine Positionen handeln sollte
 

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