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Trügerischer Zins

Der Credit Spread gibt Auskunft über relative Risiken am Anleihenmarkt. Aber auch für Aktienanleger kann sich diese Kennziffer als nützlicher Indikator erweisen.


Viele renditeorientierte Anleger haben den Markt für Bundesanleihen in den letzten Jahren gemieden. Kein Wunder: Ganze 0,40 Prozent Zinsen pro Jahr gibt es derzeit auf Papiere mit zehnjähriger Laufzeit. Im internationalen Vergleich ist eine so geringe Verzinsung allerdings die Ausnahme. So liegt zum Beispiel die Verzinsung von 10-jährigen mexikanischen Staatsanleihen aktuell bei 7,8 Prozent pro Jahr, die von brasilianischen sogar bei 11,4 Prozent pro Jahr. Das klingt verlockend, aber wie nicht anders zu erwarten, lässt sich der Anleger bei solchen Papieren auch auf völlig unterschiedliche Risiken ein, die er verstehen und analysieren sollte.

Risiko ist relativ - deshalb kommt es auf den Spread zum Referenzwert an
Ein zentraler Gradmesser für die Attraktivität von Anleihen ist der Credit Spread. Vereinfacht erklärt, gibt er Aufschluss über die Renditedifferenz zwischen zwei Anleihen mit gleicher Laufzeit, aber unterschiedlicher Kreditqualität beziehungsweise Bonität. Man spricht beim Credit Spread auch vom Risikoaufschlag einer Anleihe gegenüber einer als weitgehend risikolos betrachteten - sogenannten -Benchmark-Anleihe. Für Anleger aus dem Euroraum gelten 10-jährige Bundesanleihen als Benchmark, da ihre Ausfallwahrscheinlichkeit als gering und ihre Bonität als hoch (AAA-Rating) eingeschätzt werden. Für den Dollarraum werden 10-jährige US-Staatsanleihen (Treasuries) als Referenzwert herangezogen. Der Renditeaufschlag beziehungsweise der Credit Spread wird in Basispunkten angegeben. Dabei gilt: Je höher der Spread, umso größer erachtet der Markt das Ausfallrisiko einer Anleihe. Oder anders ausgedrückt: Steigen die Spreads, sinkt die Risikobereitschaft der Anleger. Gehen sie zurück, nimmt der Risikoappetit zu.


Bewegung am Rentenmarkt

Mitunter kommt es zu ruckartigen Veränderungen von Credit Spreads. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der starke Anstieg des „Italy Germany 10 Year Bond Spread“. Das ist der Risikoaufschlag, mit dem zehnjährige italienische Staatsanleihen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen gehandelt werden. Lag dieser Mitte April noch bei moderaten 130 Basispunkten, schoss er Ende Mai auf 220 Basispunkte nach oben. Bei zweijährigen italienischen Staatsanleihen schnellte der Risikoaufschlag zwischenzeitlich sogar von unter 50 Basispunkten auf rund 350 Basispunkte in die Höhe. Was war geschehen? In Italien kam es Ende Mai zu einer Regierungsbildung zwischen der rechtspopulistischen Partei Lega und der Protestbewegung Cinque Stelle (Fünf Sterne). Beide hatten im Wahlkampf angedeutet, dass Italien die Eurozone im Zweifelsfall verlassen könnte. Ein möglicher Austritt aus der Währungsunion, so die Befürchtungen der Investoren, könnte das Land ins Chaos stürzen und möglicherweise sogar in den Bankrott treiben. Hinzu kommen teure Vorhaben wie signifikante Steuersenkungen, Rücknahme der Rentenreform und ein allgemeines Grundeinkommen, für die es keine Gegenfinanzierung gibt und die so die ohnehin schon sehr hohe Staatsverschuldung weiter in die Höhe treiben könnten. Dieses Risiko lassen sich die Investoren am Anleihenmarkt mit einer höheren Prämie bezahlen.

Quelle: Reuters



Indikator auch für Aktienmärkte

Dass es sich auch für Aktienanleger auszahlen kann, die Entwicklung der Credit Spreads am Anleihemarkt im Blick zu behalten, zeigte zuletzt unter anderem die Finanzmarktkrise vor zehn Jahren. Hier stiegen die Credit Spreads von Unternehmensanleihen (Corporate Bonds), insbesondere von Finanzinstituten, bereits Ende des Jahres 2007 deutlich an, während es am Aktienmarkt erst im Herbst 2008 zum großen Crash kam. Die bereits vorhandenen Volatilitäten  hätten damals also an den Anleihe- beziehungsweise Zinsmärkten abgelesen werden können lange bevor die Aktienmärkte einbrachen. Ein Faktor hierbei ist, dass die Anleihenmärkte ungleich größer und damit  tendenziell liquider sind, als die Aktienmärkte. Auch eine Studie der Deutschen Bundesbank kommt zu dem Ergebnis, dass ein Anstieg des Credit Spread (gemessen an der Renditedifferenz von sieben- bis zehnjährigen Unternehmensanleihen der Ratingklasse BBB gegenüber Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit) tendenziell zu einem Anstieg des Aktienrisikos führt.


Rendite und Risiko gehen Hand in Hand

Und was sagt uns das mit Blick auf die eingangs erwähnten brasilianischen Hochzinsanleihen? Deren Credit Spread ist in den vergangenen Wochen sowohl gegenüber Bundesanleihen als auch US-Bonds deutlich gestiegen. Das heißt, der Anleger trägt neben dem Wechselkursrisiko auch ein höheres Ausfallrisiko. Die Ratingagentur Moody's stuft die Kreditwürdigkeit des Landes aktuell mit „Ba2“ ein. In Worten ausgedrückt heißt das: solche Papiere verfügen über einen spekulativen Charakter. Bei einem sich verschlechternden wirtschaftlichen Umfeld, ist die Zins- und Tilgungsleistung nicht mehr vollständig gewährleistet. Anleger sollten sich überlegen, ob sie tatsächlich in der Lage sind, die Ausfallrisiken solcher Hochzinsanleihen zu bewerten, bevor sie sich von der hohen Rendite verführen lassen und die Papiere ins Depot nehmen.
 

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