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Tesla – Stottert der Elektroantrieb?

Die Aktie von Tesla ist seit Monaten im Abwärtstrend und auch fundamental läuft es nicht rund beim amerikanischen Elektroautohersteller. Die ehrgeizigen Ziele des visionären Chefs Elon Musk bleiben aber, auch wenn die Sprache der Investoren derzeit eine andere Realität zeigt.

Tesla ist ein Phänomen, das bei Konkurrenten Stirnrunzeln verursacht. In einer reifen Branche ist der US-Elektroautohersteller eine Cash-Vernichtungsmaschine, die Anleger hierzulande an die Zeiten des Neuen Marktes erinnern. Dagegen klingeln bei BMW die Kassen mit jedem verkauften 3er, 5er oder 7er klingeln und auch die anderen deutschen Hersteller verdienen ordentlich. Die Autos von Tesla sind ohne Zweifel schick und verbreiten Fahrlaune, so dass Elon Musk seine Marketingmaschine am Laufen halten kann und - wie im Frühjahr geschehen - Short-Spekulanten in einer der größten Short-Squeezes des Jahres 2016 brutal ausgequetscht werden.

Wenn man sich aber einmal Fundamentaldaten ansieht, lastet der Verkaufsdruck aber weiterhin auf der Aktie. So wird die Anzahl verkaufter Autos gerne auch mal nach unten korrigiert und wenn man gar Zahlen wie Profitabilität oder Cashflow berücksichtigt, hängt Tesla Daimler oder BMW meilenweit hinterher. An der Börse ist Tesla dennoch fast 31 Milliarden Dollar wert, zur Einordnung: Daimler bringt es auf 68 Milliarden Euro und die Deutsche Bank auf rund 14 Milliarden Euro.



Aktie nahe am 6-Monatstief


Daher belasten die Fundamentaldaten die Aktie zusehends. So notiert das Papier bei Kursen von derzeit 209 Dollar um 20 Prozent unter dem April-Hoch und damit in der Nähe des Sechs-Monats-Tiefs. Der Elektroautohersteller musste zuletzt per Software-Update eine Sicherheitslücke schließen, nachdem es IT-Experten gelungen war, per Funk die Kontrolle über einzelne Funktionen, wie Bremsen, Scheibenwischer, Licht und Schiebedach, eines fahrenden Wagens zu übernehmen.


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Und die Tatsache, dass der Konzern pro Quartal regelmäßig mehr als 400 Millionen Dollar an Cash verbrennt, beginnt Investoren auch allmählich zu stören, zumal Musk ein ums andere Mal mit den Absatzzahlen enttäuscht. Dennoch will der Tesla-Chef die Ausgaben im zweiten Halbjahr kräftig steigern, nicht zuletzt um die geplante Einführung des Model 3 voranzutreiben. Das Fahrzeug soll mit Preisen ab 35.000 Dollar Ende 2017 auf den Markt kommen und den Massenmarkt erobern.



Übernahme von SolarCity noch nicht in trockenen Tüchern


Während das aber noch Zukunftsmusik ist, rückt bei Investoren der geplante Kauf von SolarCity ganz aktuell ins Visier. Viele Investoren hatten von Anfang an die geplante Übernahme abgelehnt und befürchtet, dass Musk mit dem Deal nur seinem Cousin Lyndon Rive unter die Arme greifen wolle. Rive ist Vorstandschef von SolarCity. Viele Investoren zweifeln aber daran, dass die Übernahme zustande kommen wird.

Denn Tesla bietet den SolarCity-Aktionären 0,11 Tesla-Aktien je SolarCity-Aktie. Bei einem aktuellen Kurs von rund 209 Dollar entspräche das einem Kurs von 22,99 Dollar je SolarCity-Aktie. Dass der Kurs von SolarCity aber bei lediglich bei 19,98 Dollar liegt - und die Aktie damit mit einem Abschlag von 13,1 Prozent auf den Angebotspreis von Tesla gehandelt wird -, zeigt, dass die Investoren klar zweifeln, dass der Deal zustande kommen wird.

Dennoch konnte sich die Tesla-Aktie zuletzt etwas stabilisieren, obwohl der Titel seit Anfang April in einem Abwärtstrend feststeckt. Die wichtige Unterstützung bei rund 190 US-Dollar hat bisher im Abwärtstrend gehalten, allerdings könnte diese Marke fallen, sollte der Elektroautobauer weiterhin keine überzeugenden Nachrichten präsentieren. Der nächste Halt auf dieser Fahrt dürften die mit Spannung erwarteten Quartalszahlen sein, die am 1. November veröffentlicht werden.

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