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Trading

So können Sie das Gold-Silber-Ratio für bessere Entscheidungen einsetzen!

Seit jeher suchen Anleger und Trader nach Signalen, die ihnen die Richtung an der Börse weisen. Ein bei Edelmetallanlegern beliebter Indikator, den Sie gleichwohl in kaum einem Charttechnik-Programm finden wer-den, ist das Gold-Silber-Ratio. Vor allem längerfristig orientierte Anleger können von diesem Indikator profitie-ren. Was er aussagt, wie Sie ihn selbst berechnen können und welche Hilfe er in der Vergangenheit waren, erfahren Sie hier!

Das Gold-Silber-Ratio ist einer der einfachsten Indikatoren. Er beschreibt das Verhältnis zwischen Gold- und Silberpreis. Berechnen können Sie ihn ganz einfach: Sie teilen den Goldpreis durch den Silberpreis und fertig ist Ihr Ratio. Beträgt der Goldpreis 1500 US-Dollar und der Silberpreis 15 US-Dollar, so haben wir es mit einem Ratio von 100 zu tun. Ohne die Kenntnis der Historie können Sie mit diesem Ratio jedoch wenig anfangen. Nur die Historie kann Ihnen sagen, ob 100 ein eher hohes oder niedriges Ratio sind.

Besser Gold oder Silber kaufen? Das Ratio gibt Hinweise!


Das Gold-Silber-Ratio hilft Ihnen nicht dabei zu entscheiden, ob aktuell ein guter Kaufzeitpunkt für eines der Edelmetalle ist. Diese Entscheidung treffen Sie meist aufgrund anderer Indikatoren, seien es charttechnische oder fundamentale Überlegungen. Haben Sie sich entschieden, Edelmetalle zu kaufen oder zu verkaufen, ste-hen Sie gleich vor der nächsten Frage: Gold, Silber oder vielleicht sogar Palladium oder Platin? Palladium und Platin sind aufgrund der starken Abhängigkeit von der fundamentalen Industrienachfrage bei Edelmetallanle-gern eher unbeliebt. Gleichwohl könnten Sie auch ein Platin-Palladium-Ratio bilden oder sich das Verhältnis von zum Beispiel Gold und Platin ansehen. Doch konzentrieren wir uns heute auf Gold und Silber, zwei Metal-le, die in Minen häufig gemeinsam gefördert werden und die historisch oft zusammen Münzmetalle bildeten.

Nun stehen Sie also vor der Frage, ob Sie lieber Gold oder Silber handeln sollten. Und genau hier kommt das Gold-Silber-Ratio zum Einsatz. Denn wenngleich es oft so wirkt: Die Preise beider Metalle entwickeln sich keinesfalls gleichförmig. Mal steigt der Goldpreis schneller, mal liegt Silber vorn. Und auch wenn es einmal bergab geht, ist in der Regel eines der beiden Metalle deutlich „schneller“.



Das Ratio liefert Ihnen basierend auf Erfahrungen aus der Vergangenheit Hinweise, ob Gold im Vergleich zu Silber im Moment Ihrer Handelsentscheidung über- oder unterbewertet ist. Im Falle einer im historischen Ver-gleich relativen Überbewertung kann der Kauf von Silber bessere Chancen bieten als der von Gold. Umgekehrt könnte Gold bei einer relativen Unterbewertung chancenreicher sein.

Beginnen Sie, in Relationen zu denken


Eine relative Überbewertung heißt nicht, dass der Goldpreis sinken muss oder wird. Eine relative Überbewer-tungen können die beiden Edelmetalle schließlich auch abbauen, indem der Silberpreis schneller steigt als der Goldpreis. Oder der Goldpreis fällt schneller als der Silberpreis. Trader können die aus dem Gold-Silber-Ratio abgeleiteten Informationen also nicht verwenden, um sich für Short-Positionen zu entscheiden und auf fallende Kurse zu setzen oder mit Long-Positionen auf steigende Kurse zu spekulieren.



Sehr wohl möglich ist es, dass Sie das Gold-Silber-Ratio als Basis für Alpha-Trades nutzen. Bei Alpha-Trades setzen Sie nicht auf steigende oder fallende Kurse, sondern auf die relative Wertentwicklung zweier Basiswerte zueinander. Im Falle eines hohen Gold-Silber-Ratios könnten Sie zum Beispiel eine Short-Position im Gold und eine Long-Position im Silber aufbauen. In einem positiven Marktumfeld werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Preise beider Metalle steigen. Sollte sich das Ratio normalisieren, würde aber der Silberpreis stärker stei-gen als der Goldpreis. Und in einem negativen Marktumfeld, wenn die Preise von Gold und Silber fallen, dann könnte der Goldpreis stärker fallen als der Silberpreis und das Ratio damit normalisieren. In beiden Fällen könnten Sie mit der beschriebenen Alpha-Position Geld verdienen. Und zwar, ohne dass Sie sich vorher darauf festlegen müssten, ob die Preise insgesamt steigen oder fallen.

Was ist ein „normales“ Gold-Silber-Ratio?


Ein natürliches Gold-Silber-Ratio gibt es nicht. Oft argumentieren Silber-Fans, das Ratio müsse einen quasi-natürlichen Stand von 15 bis 20 annehmen. Basis dieser Behauptungen sind in der Regel historische Ratios aus der Zeit, als beide Metalle noch für die Prägung von Umlaufmünzen verwendet wurden oder das Vorkom-men beider Metalle in der Erdkruste. Experten halten diese Begründungen für wenig überzeugend. Erstens wurden die Preisverhältnisse zwischen Gold und Silber in der Vergangenheit willkürlich gewählt und entspra-chen keinem Naturgesetz. Und zweitens sagt das Vorkommen von Metallen in der Erdkruste weder etwas dar-über aus, welche Förderkosten entstehen noch wie das preisbestimmende Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage aussieht.

Die historischen, willkürlich festgelegten Preisverhältnisse zwischen Gold und Silber funktionierten schon vor mehr als einem Jahrhundert nicht. Diese gesetzliche Festlegung von fixen Wertverhältnissen zwischen Gold- und Silbermünzen nennt man Bimetallismus. Gebräuchlich waren oft, aber nicht immer, Verhältnisse von 15,5g Silber zu 1g Gold. Damals war dieses aus heutiger Sicht sehr niedrige Verhältnis übrigens noch zu hoch. Als Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in den USA sehr viel Silber in der Erde gefunden wurde, sank der Preis des Silbers am Markt unter 1/15,5tel des Goldpreises. Das führte dazu, dass Goldmünzen lieber gehortet als unter Wert wieder ausgegeben wurden.

Schon damals gab es auch Arbitragehandel, also das risikofreie Ausnutzen ungleicher Preise für das gleiche Gut an verschiedenen Märkten. Edelmetallhaltige Münzen eines Landes, das Gold oder Silber unterbewertete, wurden gekauft und in Länder exportiert, in denen dem Edelmetallgehalt der Münze ein höherer Wert beige-messen wurde. Dort wurden die Münzen eingeschmolzen und das Metall zum höheren Marktpreis weiterver-kauft.

Im Durchschnitt der vergangenen fast 70 Jahre lag das Gold-Silber-Ratio fast exakt bei 60. Die Standardab-weichung betrug 17. Es gab in diesem Zeitraum bedeutende Ausreißer nach oben und unten. So lag das Ratio Anfang der 80er Jahre teils unter 20. Ein Hoch mit rund 100 wurde 1991 markiert. Markante Wendepunkte fin-den sich bei 40 und 80. Das heißt, je näher sich das Ratio den Werten von 40 oder 80 nähert oder diese Mar-ken sogar unter- bzw. überschreitet, umso wahrscheinlicher wird eine Trendwende.

Derzeit beträgt das Ratio übrigens 84,17. Ein lokales Hoch wurde am 12. Juli 2019 mit 93,69 markiert. Seitdem sinkt das Ratio wieder langsam. Übrigens: Am 12. Juli kostete eine Unze Gold 1426,85 US-Dollar und eine Unze Silber 15,23 US-Dollar. Heute sind es 1483 und 17,62 US-Dollar. Das Ratio sinkt also bei steigenden Kursen. Bewirkt wird das Sinken dadurch, dass der Silberpreis stärker zulegt als der Goldpreis.

Angebot und Nachfrage bestimmen das Ratio


Solange Gold und Silber an der Börse gehandelt werden, sind die beiden einzigen preisbildenden Faktoren das Angebot und die Nachfrage. Historische Preisbeziehungen oder der Anteil von Gold und Silber in der Erdkruste sind für die Marktteilnehmer irrelevant. Wird heute mehr Gold nachgefragt als angeboten, steigt der Preis. Wird zeitgleich mehr Silber angeboten als nachgefragt, so wird der Silberpreis sinken. Solange nicht neue Verwen-dungsmöglichkeiten für bestimmte Metalle oder bedeutende Lagerstätten erschlossen oder geschlossen wer-den, können wir davon ausgehen, dass sich sowohl Angebot als auch Nachfrage für beide Metalle langfristig gesehen um ein bestimmtes Verhältnis herum einpendeln.

Silber eignet sich dank höherer Volatilität besonders gut zum Edelme-tall-Trading!


Für Trader eignet sich Silber oft besonders gut als Basiswert für Edelmetall-Trades. Denn das Angebot bei Sil-ber ist relativ unelastisch, die Nachfrage hingegen auch bedingt durch den nennenswerten Bedarf von Anlegern sehr elastisch. Silber wird oft nur als Beiprodukt von anderen Metallen gewonnen. Für zum Beispiel eine Kup-fermine ist im Erz enthaltenes Silber ein gern gesehener Nebenverdienst, der jedoch die Rentabilität der Kup-fermine kaum beeinflusst. Sinkt also der Silber-, nicht aber der Kupferpreis, so wird die Kupfermine trotzdem weiter ungedrosselt produzieren. Umgekehrt wird die Kupfermine ihren Ausstoß nicht erhöhen, nur weil der Silberpreis durch die Decke geht. Das Angebot reagiert also nur bedingt auf Nachfrageänderungen. Die Folge sind höhere Preisschwankungen, um die veränderliche Nachfrage und das nur wenig veränderliche Angebot auszugleichen.



Die höhere Volatilität und Schwankungsbreite des Silbers bringt neben größere Chancen natürlich auch Nach-teile mit sich. Bei ansonsten unveränderten Parametern steigt die Wahrscheinlichkeit, aus Positionen ausge-stoppt zu werden. Zudem sind Produkte, deren Preis auch von der Volatilität des Basiswerts abhängt, teurer als bei weniger schwankungsstarken Basiswerten.

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