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Kolumne

Optionsscheine und die Krux mit der Volatilität

Ob ein Trade von Erfolg gekrönt ist, hängt nicht nur von der Marktentwicklung, sondern auch von der Art des Hebelprodukts ab. Anleger sollten deshalb über die Eigenheiten der Produkte Bescheid wissen, um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben. In dieser dreiteiligen Serie werden die Unterschiede von Optionsscheinen, Turbos, Mini Futures und Faktor-Zertifikaten erklärt.

Wer mit Hebelkraft auf die Kursentwicklung von Aktien, Aktienindizes, Währungspaaren oder Rohstoffen setzen will, hat die Qual der Wahl. Allein in Deutschland waren Mitte des Jahres 2016 mehr als 720.000 Hebelprodukte auf die unterschiedlichsten Basiswerte handelbar. Auch die Vielfalt an Produkttypen hat im Laufe der Zeit stark zugenommen. Beschränkte sich das Angebotsuniversum vor 20 Jahren fast ausschließlich auf Optionsscheine, kann der Anleger heutzutage zwischen zahlreichen Varianten wie Turbos, Open End Turbos, Mini Futures oder Faktor-Zertifikaten wählen. Doch Hebelprodukt ist nicht gleich Hebelprodukt. Sie unterscheiden sich in wichtigen Details, die nicht selten ausschlaggebend sind, ob und in welchem Umfang ein Trade von Erfolg gekrönt ist.



Optionsscheine: Unsicherheitsfaktor Volatilität


Der Preis eines Optionsscheins setzt sich bekanntlich aus zwei Komponenten zusammen: dem inneren Wert und dem Zeitwert. Der innere Wert gibt an, wie viel der Schein wert wäre, wenn die Option heute ausgeübt würde. Er berechnet sich bei einem Call aus der Differenz zwischen dem Basiswertkurs und dem Basispreis, gegebenenfalls angepasst um das Bezugsverhältnis. Der Zeitwert wiederum ist als eine Art Prämie zu verstehen, die der Anleger für die Chance zahlt, dass die Spekulation im Zeitverlauf aufgeht. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf den Zeitwert gehört die implizite, also die erwartete Schwankungsbreite (Volatilität) des Basiswertes. Es gilt: Steigt die Volatilität an, nimmt auch der Zeitwert von Optionsscheinen zu. Das heißt, in Zeiten starker Kursschwankungen sind Optionsscheine relativ teuer. Beruhigen sich die Märkte wieder, geht die Volatilität zurück und der Zeitwert sinkt. Wie die Praxis zeigt, legt die Volatilität am Aktienmarkt insbesondere bei fallenden Notierungen deutlich zu. Das liegt daran, dass Kursrücksetzer zumeist schneller und ruckartiger erfolgen als eine Aufwärtsbewegung. Wer also einen Call nach einem Kursrutsch erwirbt, muss dafür infolge des gestiegenen Zeitwerts einen relativ hohen Preis zahlen. Nimmt die Volatilität dann wieder ab, geht auch der Zeitwert wieder zurück. Mit anderen Worten: Der Anleger setzte mit dem Call aus dem Beispiel zwar auf die richtige Richtung, wurde aber durch den Zeitwertverlust ausgebremst. Auf der anderen Seite sind aber auch Szenarien vorstellbar, in denen Optionsschein-Anleger von Zeitwerteffekten profitieren können. Konkret wäre das der Fall, wenn ein Trader mit einem Put-Optionsschein nach einer moderaten Aufwärts- oder Seitwärtsbewegung, also bei niedriger Volatilität, auf eine Korrektur setzt. Tritt diese ein, steigt die Volatilität, was wiederum den Zeitwert und damit den Preis des Optionsscheins erhöht. Der Inhaber würde also doppelt profitieren: vom Zeitwertgewinn und vom fallenden Basiswert.



Fazit


Optionsscheine unterliegen je nach Abstand des Bezugspreises zum Kurs des Basiswertes einem starken Einfluss der Volatilität. Bei hoher Schwankungsbreite sind Optionsscheine vergleichsweise teuer. Negative Effekte auf den Preis ergeben sich bei abnehmender Volatilität. Anders herum kann eine vergleichsweise geringe Volatiltiät zum Einstiegszeitpunkt einen positiven Zusatzeffekt bringen.

Vor dem Kauf eines Hebelprodukts sollten Anleger also genau abwägen, welche Variante am besten zur Erwartungshaltung beziehungsweise zu ihrem eigenen Chance-Risiko-Profil passt. Auch der eigene Anlegertyp und die Trading-Strategie spielen bei der Wahl eine wichtige Rolle. Dank des umfänglichen Universums an Produkten ist aber für jeden Anleger und jede Marktsituation ein passendes Instrument vorhanden.

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