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Märkte am Scheideweg?

Nach den jüngsten Kursrücksetzern stellen sich viele Anleger die Frage, was das laufende Jahr noch bringen wird. Interessante Einschätzungen hierzu enthält die Studie „Investment Themes in 2018“ von Citi Global Perspectives & Solutions (Citi GPS). Spannend sind vor allem die Prognosen zur Konjunktur und Aktienmarktbewertung.

Das neue Jahr ist zwar erst wenige Wochen alt, hat es aber bereits in sich. Noch zu Jahresanfang zeigten sich die Aktienmärkte in Rekordlaune. Doch scheinbar wie aus dem Nichts rauschten die Kurse dann plötzlich nach unten. Der DAX® brach Ende Januar innerhalb weniger Handelstage um fast zehn Prozent ein, der Euro Stoxx 50® gab acht Prozent nach und auch der US-Leitindex S&P 500 hat sich von seinen Höchstständen deutlich entfernt. Worin liegen die Ursachen für die plötzliche Verunsicherung und was sind die Perspektiven beziehungsweise die Themen für das weitere Jahr?



Das Inflationsgespenst ist zurück

Die jüngsten Turbulenzen sind vor allem auf die Angst vor einer Rückkehr der Inflation zurückzuführen. Denn das könnte die Notenbanken dazu veranlassen, einen restriktiveren Kurs bei der Geldpolitik einzuschlagen. In den USA zum Beispiel stieg die Inflationsrate im Januar auf 2,1 Prozent und damit stärker als prognostiziert. Dreht die Fed infolge der beschleunigten Teuerung die Zinsschraube nun stärker beziehungsweise schneller nach oben als erwartet, könnte das nicht nur die Konjunktur ausbremsen, sondern auch die Anleihezinsen anheizen. Schon in den vergangenen vier Wochen legten die Renditen von US-Staatsanleihen um 33 Basispunkte auf knapp 2,9 Prozent zu (Stand: 14. Februar 2018).



Was macht die EZB?

Die erhöhte Volatilität von US-Aktien zeigt, dass die Verunsicherung an der Wall Street spürbar gestiegen ist. Und davon können sich auch die europäischen Aktienmärkte nicht abkoppeln. Dabei ist das inflationäre Umfeld in der Eurozone deutlich entspannter  als in den USA. Zuletzt belief sich die Inflationsrate auf 1,3 Prozent (Januar 2018). Dies ist noch weit entfernt von der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank. Gleichwohl geht die Mehrheit der Volkswirte davon aus, dass die EZB ihr Wertpapierankaufprogramm im zweiten Halbjahr 2018 auslaufen oder zumindest weiter reduzieren wird. Mit einem plötzlichen Stopp von QE rechnet allerdings kaum jemand. Auch nicht die Analysten von Citi Global Perspectives & Solutions (Citi GPS). „Es wäre mutig, anzunehmen, dass die Käufe plötzlich eingestellt werden“, heißt es in der Studie „Investment Themes 2018“.



Robuste Weltwirtschaft

Wie geht es an den Aktienmärkten nach den jüngsten Turbulenzen weiter? Nach Ansicht der Citi-Experten dürfte das weltweite konjunkturelle Umfeld in diesem Jahr robust bleiben. Ihre Prognose geht davon aus, dass die Weltwirtschaft um 3,4 Prozent wachsen wird, wobei die Industriestaaten um 2,4 Prozent und die Wachstumsländer (Emerging Markets) um 4,8 Prozent zulegen. Allerdings erachten sie den Konjunkturzyklus als schon relativ weit vorangeschritten, sodass der weltweite Wirtschaftsaufschwung in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreichen könnte.



Raueres Klima für Aktien

Den internationalen Aktienmärkten prophezeien die Citi-Strategen ein insgesamt raueres Klima, zumal Aktien trotz der jüngsten Rücksetzer immer noch vergleichsweise hoch bewertet sind. Auf der anderen Seite verweisen sie darauf, dass zahlreiche Bewertungskennziffern zum Teil noch deutlich unter dem Niveau liegen, welches zu Beginn der letzten Bärenmärkte im März 2000 und Oktober 2007 vorherrschte. Von 18 untersuchten Indikatoren würden auf dem aktuellen Kursniveau nur drei ein Verkaufssignal anzeigen. Im März 2000 standen dagegen 17 Kennziffern auf „Rot“. Im Oktober 2007 waren es 13.



Mehr Informationen erwünscht?

Interessierte Leser, die mehr Details über die Einschätzungen von Citi GPS erhalten möchten, finden diese in der Studie „Investment Themes in 2018“. Der Bericht enthält viele spannende Beitrage, nicht nur über die Kapitalmarktperspektiven, sondern zum Beispiel auch über geopolitische Risiken. Außerdem findet sich in der Studie ein interessantes Kapitel über den möglichen Einsatz von Kryptowährungen durch Zentralbanken. (Hinweis: die Studie ist in Englisch).

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