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Lufthansa: Der Durchstarter des Jahres

Die Kranich-Aktie ist dieses Jahr allen anderen DAX®-Titeln davongeflogen. Nach einigen Turbulenzen ist die Fluglinie nun wieder auf Kurs. Was können Anleger von der Aktie noch erwarten?

Mit einem Plus von mehr als 120 Prozent ist die Aktie der Deutschen Lufthansa in diesem Jahr mit Abstand der Top-Performer im DAX®. Vorherzusehen war das allerdings nicht. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da schrieb die Kranich-Airline vor allem negative Schlagzeilen. Insbesondere der nicht enden wollende Tarifkonflikt mit den Piloten rüttelte das Unternehmen kräftig durch. Allein im Jahr 2016 kam es infolge von Streiks zu fast 4.600 Flugausfällen von denen rund 389.000 Passagiere betroffen waren. Auf 100 Millionen Euro bezifferte die Gesellschaft den daraus entstandenen Schaden. Und auch der Ausblick für das Jahr 2017 fiel wenig berauschend aus. Das Ergebnis werde wohl rückläufig sein, hieß es damals im Geschäftsbericht.



Einigung mit den Piloten

Es kam allerdings anders. Denn am 15. Februar 2017 konnte die Unternehmensführung den Tarifkonflikt mit den Piloten beilegen. Man einigte sich auf eine 8,7-prozentige Lohnerhöhung sowie eine Einmalzahlung von insgesamt 30 Millionen Euro. Nach Angabe der Lufthansa erhöht der neue Tarifvertrag zwar die Vergütungskosten um 85 Millionen Euro pro Jahr, auf der anderen Seite war damit aber auch ein latenter Unsicherheitsfaktor vom Tisch und der Weg frei, sich wieder auf das operative Kerngeschäft zu konzentrieren.


Quelle: Reuters



Rekordergebnis eingeflogen

Wie die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, ist die Lufthansa wieder auf Kurs oder sogar im Steigflug begriffen.  So erhöhte sich das adjustierte operative Ergebnis in den ersten drei Quartalen 2017 um 52,7 Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Das sei der beste Wert in der Unternehmensgeschichte, so Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Außerdem wurde die Nettoverschuldung um mehr als 80 Prozent auf 521 Millionen Euro reduziert und der Free Cashflow um mehr als 80 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro erhöht. Durch die Verbesserung wichtiger Finanzkennzahlen sei die Lufthansa Group nun in der Lage, sich aktiv an der Konsolidierung des europäischen Airline-Marktes zu beteiligen, kommentierte Finanzvorstand Ulrik Svensson die positive Geschäftsentwicklung.



Kranich auf Beutezug

Apropos Konsolidierung. Im Oktober hat sich die Lufthansa wichtige Flugrechte und Bereiche der insolventen Air Berlin gesichert. Und auch beim Bieterwettkampf um die ebenfalls insolvente Alitalia werden der Gesellschaft gute Chancen nachgesagt. Allerdings könnte ein Zuschlag daran scheitern, dass es Spohr nur auf Teile der italienischen Fluglinie abgesehen hat. Manche Wirtschaftsmedien berichten, dass der Vorstandschef ohnehin kein wirkliches Interesse an den Italienern hat. Ihm gehe es vielmehr darum, Einblick in die Streckenkalkulationen von Alitalia zu bekommen. Auf diese Weise könne er schnell reagieren, falls Konkurrenten wie easyJet den Zuschlag erhalten sollten, vermutet etwa das Magazin „Wirtschaftswoche“ (Quelle: wiwo.de vom 19. Oktober 2017).



Kritische Stimmen

Und was ist vom Air-Berlin-Deal zu halten? Die Aktienmärkte reagieren darauf mit deutlichen Kursgewinnen. Und auch Lufthansa-Boss Spohr ist zufrieden. Die Konzerntochter Eurowings könne ihr Angebot für die Kunden nun weiter ausbauen. Doch es gibt auch warnende Stimmen. Es bestünde das Risiko, dass Konkurrenten wie easyJet oder Ryanair die Strecken- und Angebotslücke, die die Pleite von Air Berlin insbesondere bei innerdeutschen Flügen hinterlassen hat, nutzen werden, um der Lufthansa direkte Konkurrenz zu machen, heißt es in einer Studie des Analysehauses KeplerCheuvreux vom 19. Oktober 2017. Die Experten erachten die Aktie momentan lediglich als eine Halteposition.



Positiver Newsflow

Auf der anderen Seite ist der Titel trotz der deutlichen Kursgewinne seit Jahresanfang noch vergleichsweise günstig bewertet. Auf Basis des für dieses Jahr erwarteten Gewinns gehört die Lufthansa mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 6,5 zu den billigsten Werten im DAX®. Auch hält der positive Newsflow an. Wie das Unternehmen unlängst berichtete, ist mit 111 Millionen Fluggästen bereits im Oktober die Gesamtzahl des Jahres 2016 übertroffen worden. Darüber hinaus sei die Auslastung im Oktober um 0,4 Prozentpunkte auf 81,4 Prozent gestiegen. Angesichts solcher Nachrichten könnte die Aktie durchaus noch an Höhe gewinnen, wenngleich die Luft schon sehr dünn geworden ist  und zwischenzeitliche Kurskorrekturen nicht ausgeschlossen werden können.


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Zum Abschluss soll ein Blick auf die internationalen Wettbewerber der Lufthansa nicht fehlen. Hier fällt vor allem auf, dass mit Air France-KLM ein Unternehmen der direkten Peergroup mit einer ähnlichen Aktienkursentwicklung (+120 Prozent bisher im Jahr 2017) aufwartet. US-Konkurrenten wie American Airlines (+4 Prozent) und Delta Air Lines (+3 Prozent) hinken dieser Performance hingegen stark hinterher. Und selbst Ryanair konnte seinen Aktienkurs im Jahr 2017 bisher ‚nur‘ um 21 Prozent steigern. Wobei – das muss man der irischen Fluglinie zugestehen – sie in den vergangenen Jahren besser abgeschnitten hat als die meisten Wettbewerber.

Kommentare (1)

Ines43

1 Dez 2017 - 21:29

Wenn man die Kursentwicklung von Delta Airlines mit der der Lufthansa vergleicht,
so fällt auf, dass der Anstieg vomn Delta Air Lines schon 2013 begann und 2015 im Wesentlichen abgeschlossen war.
Das KGV von Delta air Lines liegt derzeit bei 10.0
Das KGV der LH bei rd 6,5. Bei einem Kurs der LH von rd 45 E könnte man sagen,
LH und Delta Airlines sind etwa gleich bewertet.
Um auf die Bewertung von Ryan air und Easyjet zu kommen, müsste sich der Kurs der LH gar
verdoppeln. Air France/KLM und LH sind die am niedrigsten bewerteten Airlines der Branche weltweit.

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