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Kolumne

Frankreich vor bewegten Zeiten

Die Wirtschaft in Frankreich fällt bei einigen Kennzahlen hinter andere Euro-Länder zurück. Bevor dies zu strukturellen Nachteilen führt, sollten Reformen eingeleitet werden. Das wird eine der zentralen Herausforderungen des neuen Staatspräsidenten werden. Daraus ergeben sich für Trader interessante Chancen.

Es ist erwiesen, dass Privatanleger bei Investitionsentscheidungen insbesondere heimische Aktien bevorzugen. Als „Home Bias“ wird dieses Phänomen bezeichnet. Erwiesen ist aber auch, dass es aus Diversifikationsgründen sinnvoll ist, den Blick öfter mal über den Tellerrand hinausschweifen zu lassen, etwa nach Frankreich. Dort sind einige der größten Konzerne der Welt zu Hause. Man denke an Global Player wie den Luxusmarkenanbieter LVMH, den Kosmetikriesen L’Oréal, den Pharmakonzern Sanofi oder den Ölmulti Total. Die französische Wirtschaft ist die zweitgrößte der Eurozone und die sechstgrößte der Welt. Warum also nicht etwas französischen Flair ins Depot bringen? Die Börse in Paris hat ihren Reiz. Aber aufgepasst: Unserem Nachbarland stehen bewegende Zeiten bevor –  der Reformstau der vergangenen Jahre macht die in Kürze stattfindende Präsidentschaftswahl auch wirtschaftspolitisch sehr interessant.


Quelle: Reuters

Der Wahlsieger – sei es der Wirtschaftsliberale Emmanuel Macron, der Republikaner François Fillon, die Front-National-Chefin Marine Le Pen oder der Sozialist Hamon – er oder sie wird sich mit dem Thema Wirtschaftsreformen beschäftigen müssen. Zwar ist Frankreich noch weit davon entfernt, der „kranke Mann Europas“ zu sein, aber anders als in anderen Ländern wurde in den vergangenen Jahren in Frankreich kaum reformiert. Dementsprechend zeigen wichtige ökonomische Daten bereits auf, in welchen Bereichen gehandelt werden sollte. Ein Thema ist die vergleichsweise geringe Produktivität: Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat ist die Arbeitsproduktivität je geleisteter Arbeitsstunde in Frankreich von 2004 bis 2016 zwar um zehn Prozent gestiegen. Allerdings legte diese Kennzahl in den meisten anderen Ländern Europas stärker zu. Oder anders ausgedrückt: Frankreich hat im europäischen Vergleich an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Gespiegelt wird der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit durch das ebenfalls unterdurchschnittliche Wirtschaftswachstum. Um 1,2 Prozent stieg das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2016, während die Konjunktur in der Eurozone mit einem Plus von 1,7 Prozent deutlich stärker expandierte.

Hinzu kommen die permanenten Handelsbilanz- und Haushaltsdefizite. Das größte Problem ist allerdings der Arbeitsmarkt mit einer Erwerbslosenquote von zuletzt 10,0 Prozent. Das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil sich das Wachstum der vergangenen Jahre kaum am Arbeitsmarkt ausgewirkt hat, was auf ein signifikantes Strukturproblem hindeutet.
Vor diesem Hintergrund hat sich der französische Leitindex CAC 40® mit einem Plus von rund 15 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten recht ordentlich geschlagen. Vielleicht überwiegt die Hoffnung der Anleger, dass es nach der Wahl zu Reformen kommt gegenüber der Angst vor einem Sieg Le Pens inklusive des angekündigten Wirtschaftsprogramms. Das industrielle Know-how und ökonomische Potenzial für einen veritablen Aufschwung sind in Frankreich eindeutig vorhanden. Nicht zuletzt deshalb dürfte der Kampf um den Élysée-Palast, in dem es auch um sehr unterschiedliche Wirtschaftsmodelle geht, die Börse in Paris nicht unberührt lassen und zu verstärkten Kursschwankungen führen. Und genau daraus ergibt sich eine Chance für Trader. Sie können mit Optionsscheinen, zum Beispiel auf den CAC 40®, bei steigenden Volatilitäten profitieren. Was es dazu allerdings braucht, ist ein gewisser Mut zum Risiko – oder wie der Franzose zu sagen pflegen würde: Courage.

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