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EZB sendet klare Signale

Das Fazit der September-Sitzung der Europäischen Zentralbank lautet: Die Geldpolitik bleibt so lange wie nötig auf Lockerungskurs. Für Anleger heißt das: Mit verzinslichen Anlagen dürfte wohl auf absehbare Zeit weiterhin keine Rendite zu erzielen sein.

Das Fazit der September-Sitzung der Europäischen Zentralbank lautet: Die Geldpolitik bleibt so lange wie nötig auf Lockerungskurs. Für Anleger heißt das: Mit verzinslichen Anlagen dürfte wohl auf absehbare Zeit weiterhin keine Rendite zu erzielen sein.

 Am 31. Oktober 2019 endet die Amtszeit von Mario Draghi. Auf seiner vorletzten geldpolitischen Sitzung als EZB-Präsident hat der Notenbankrat mehrere weitreichende Beschlüsse getroffen. Demnach wird der Zinssatz für die Einlagefazilität um 10 Basispunkte von minus 0,40 auf minus 0,50 Prozent gesenkt. Ein Minuszeichen beim Einlagenzins bedeutet, dass die Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Der Zinssatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte (Leitzins) und der Zinssatz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bleiben dagegen unverändert bei 0,00 Prozent beziehungsweise 0,25 Prozent. In der dazugehörigen Pressemitteilung heißt es, dass der EZB-Rat inzwischen davon ausgehe, „dass die Leitzinsen so lange auf ihrem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden, bis festgestellt wird, dass sich die Inflationsaussichten im Projektionszeitraum deutlich einem Niveau annähern, das hinreichend nahe, aber unter 2 Prozent liegt.“ (Quelle: EZB, Pressemitteilung zu den geldpolitischen Beschlüssen vom 12. September 2019).

Anleihenkäufe ohne konkrete Befristung


Darüber hinaus wird die EZB auch ihre Anleihekäufe wieder aufnehmen. Für viele Marktbeobachter kommt diese geldpolitische Lockerungsmaßnahme zumindest zu diesem Zeitpunkt ein wenig überraschend. Demnach erwirbt die Zentralbank ab 01. November 2019 monatlich Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro. Ein offizielles Enddatum für das Kaufprogramm wurde nicht festgelegt. In der Pressemitteilung heißt es dazu, „dass die Nettoankäufe so lange fortgesetzt werden, wie es für die Verstärkung der akkommodierenden Wirkung der Leitzinsen erforderlich ist.“ Beendet sollen sie erst werden, wenn die EZB kurz vor einer Zinserhöhung steht. Wann das sein wird, ist derzeit nicht absehbar.

Draghis Argumente


Auf der anschließenden Pressekonferenz begründete Mario Draghi die Beschlüsse. Gleichzeitig verwies er auf die Notwenigkeit, den expansiven geldpolitischen Kurs für einen längeren Zeitraum fortzuführen. Die EZB, so der 72-jährige Italiener, sei nach wie vor bereit, alle ihre Instrumente so einzusetzen, dass sich die Teuerungsrate auf nachhaltige Weise seinem Inflationsziel annähert. Mit den Beschlüssen habe man darauf reagiert, dass die Inflation kontinuierlich hinter dem Ziel zurückbleibt. Auch würden neu verfügbare Daten darauf hindeuten, dass die Konjunkturschwäche im Euroraum länger anhalten wird (Quelle: EZB, Mitschrift des Wortlauts der Pressekonferenz zu den geldpolitischen Beschlüssen vom 12. September 2019).

Anpassung der Projektionen nach unten


Draghi untermauerte seine Aussagen mit der jüngsten Anpassung der EZB-Projektionen zur Konjunkturentwicklung und zu den Inflationsaussichten. Demnach rechnen die Eurosystem-Experten im kommenden Jahr mit einem Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 1,2 Prozent. Zuvor lag die Schätzung bei 1,4 Prozent. Und auch die Inflationsaussichten haben sich eingetrübt. So geht die EZB nunmehr von einer Kerninflation von 1,2 Prozent im Jahr 2020 und einer Rate von 1,5 Prozent im Jahr 2021 aus. Bisher lagen die Inflationsprojektion bei 1,4 Prozent (2020) beziehungsweise 1,6 Prozent (2021).




Die EZB ist bereit, nachzulegen


Die Ergebnisse der September-Sitzung lassen sich wie folgt zusammenfassen: Erstens: Die Geldpolitik der EZB bleibt so lange wie nötig auf einen expansiven Kurs. Zweitens: Die EZB rechnet derzeit nicht damit, dass das Inflationsziel bis 2021 erreicht wird. Drittens: Sollte sich abzeichnen, dass die neuen Konjunktur- und Inflationsprojektionen enttäuscht werden, ist die EZB bereit, weitere Lockerungsmaßnahmen zu ergreifen. Die Finanzmärkte reagierten deutlich auf die Beschlüsse. Der Euro fiel unmittelbar nach Bekanntwerden unter die Marke von 1,10 Dollar. Die Renditen europäischer Staatsanleihen gerieten unter Druck. Aktien waren dagegen gefragt. So machte der DAX® einen Satz von 0,8 Prozent nach oben. (Quelle: Reuters, „EZB-Chef Draghi zieht zum Ende seiner Amtszeit nochmal alle Register“, 12. September 2019).

Mit Aktieninvestments dem Zinsdilemma entfliehen


Für deutsche Sparer bedeuten die jüngsten Beschlüsse, dass die zinslose Zeit wohl auf unbestimmte Zeit in die Verlängerung geht. Um reale Vermögensverluste zu vermeiden, muss nach rentableren Anlageklassen Ausschau gehalten werden. So horten die privaten Haushalte in Deutschland nach Angaben der Deutschen Bundesbank immer noch fast 2,5 Millionen Euro als Bankeinlagen oder Bargeld. Aktien könnten hier eine Lösung darstellen. Zwar beinhalten Aktien ein Kursschwankungsrisiko, langfristig sollten aber die positiven Performancechancen überwiegen. Zumindest war dies in der Vergangenheit der Fall. Stärker in Erwägung gezogen werden können auch strukturierte Anlageprodukte wie Discount oder Bonus-Zertifikate. Zumindest als Depotbeimischung. Diese Produkte verfügen zwar über keine Garantie auf Ertrag und bieten auch keinen Ausschluss von Verlusten, dafür sind sie in der Regel mit einem Mechanismus ausgestattet, der es Anlegern ermöglicht auch bei stagnierenden oder gar moderat fallenden Aktienmärkten ansehnliche Renditen zu erzielen.

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