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DAX®: Unternehmen im Check

Der DAX® ist immer für eine Überraschung gut. Auch was die Bewertung der Indexmitglieder betrifft. Welche Titel derzeit einen günstigen Eindruck machen und bei welchen Aktien das KGV nach oben ausschlägt.

Nach den heftigen Kursrückschlägen im zweiten Halbjahr 2018 präsentiert sich der DAX® im neuen Jahr bislang in recht ordentlicher Verfassung. Selbst die seit geraumer Zeit zu beobachtende konjunkturelle Eintrübung hat der Index erstaunlich gut weggesteckt – ein Indiz dafür, dass die Wachstumsabschwächung bereits in den Kursen eingepreist ist.  Hoffnung macht auch, dass die Dynamik bei der Abwärtsrevision der Gewinnschätzungen zuletzt etwas nachgelassen hat.



DAX® moderat bewertet


Momentan notiert der DAX® auf Basis der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinne mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,3 und damit nur knapp über seinem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Andere internationale Börsenbarometer sind zum Teil deutlich höher bewertet: So kommt der Euro Stoxx 50® aktuell auf ein KGV von 12,9, der S&P 500® von 16,0 und der Nikkei 225® von 14,4 (Stand: 12. März 2019).


Wirecard: Analysten sind zuversichtlich


In seiner Gesamtheit macht der DAX® also durchaus einen robusten Eindruck. Innerhalb des Index weichen die Bewertungen der Unternehmen jedoch naturgemäß stark voneinander ab – mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. Gemessen am KGV ist Wirecard mit einem Wert von 28,9 das teuerste Unternehmen im deutschen Leitindex. Zwar haben die Manipulationsvorwürfe dem Spezialisten für digitale Bezahlsysteme schwer zugesetzt, was die Bewertung der Aktie deutlich gedrückt hat. Doch mittlerweile befindet sich Wirecard wieder im Aufwärtstrend.

Konzernchef Markus Braun zeigt sich optimistisch: „Ich bin überzeugt, dass der Markt sich sehr bald wieder auf die starke operative Entwicklung und die Innovationen von Wirecard fokussieren kann“; ließ Braun mit Blick auf die Manipulationsvorwürfe der „Financial Times“ kürzlich per Twitter wissen (Quelle: dpf-AFX, 11. März 2019). Ähnlich positiv sind auch viele Analysten gestimmt. Wie aus der Datenbank der Nachrichtenagentur Reuters hervorgeht, liegt das durchschnittliche Analystenranking für die Aktie aktuell bei 1,8. Das ist ein Top-Wert unter den 30 DAX®-Mitgliedern. Die Skala reicht von 1 (Buy) bis 5 (Sell).

 

Beiersdorf: Börsianer reagieren geschockt


Der Titel mit der zweithöchsten KGV-Bewertung im DAX® ist Beiersdorf (KGV: 25,3). Das dürfte viele überraschen, denn die jüngsten Investitionspläne des Nivea-Konzerns kamen an der Börse gar nicht gut an. Demnach wollen die Hamburger ab diesem Jahr 70 bis 80 Millionen Euro jährlich in die Hand nehmen, um damit das Wachstum im Geschäft mit Konsumgütern anzukurbeln. Beiersdorf erhofft sich damit bis zum Jahr 2023 ein über dem Markt liegendes Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent. Die operative Gewinnmarge (Ebit) soll dann auf 16 bis 17 Prozent steigen. Der Markt hatte damit gerechnet, dass dieses Margenniveau eigentlich schon deutlich früher erreicht wird. Aufgrund der Investitionen gehen Analysten außerdem davon aus, dass die Gewinnschätzungen für das Unternehmen noch deutlich nach unten korrigiert werden.

Die Aktie brach nach Bekanntwerden der Meldung zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent ein. Dass sich der Titel davon schnell wieder erholen kann, erachten die meisten Analysten derzeit als unwahrscheinlich. Sie verweisen auf die vergleichsweise geringe Wachstumsfantasie. So legte der Umsatz seit 2008 im Schnitt lediglich um rund 1,9 Prozent pro Jahr zu, der operative Gewinn um 3,5 Prozent. Was ebenfalls nachdenklich stimmt, ist die magere Dividendenrendite in Höhe von 0,81 Prozent. Im DAX® weist nur noch Wirecard eine geringere Dividendenverzinsung auf (0,22 Prozent) auf.

 


Autoaktien: Optisch attraktiv, aber…


Wer in den vergangenen Tagen die Marktstudien der Analysten verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass viele Experten derzeit zu Dividendenaktien raten. Eine Überraschung ist das nicht, beginnt doch in Kürze die Dividendensaison. Der DAX® weist im Augenblick eine Dividendenrendite (auf Basis der erwarteten Ausschüttungen) von ansprechenden 3,6 Prozent aus. In der Spitzengruppe der Dividendenstars befinden sich die Autokonzerne Volkswagen (4,4 Prozent), Daimler (6,5 Prozent) und BMW (5,5 Prozent). Auch gehören diese drei Unternehmen zu den Werten im DAX®, die derzeit besonders günstig bewertet scheinen. Bei Volkswagen beläuft sich das KGV auf 5,3, bei Daimler auf 6,3 und bei BMW auf 6,9.


… nicht ungefährlich


Allerdings sind diese Werte mit Vorsicht zu genießen. Denn sollte es zu den von den USA angedrohten Strafzöllen auf deutsche Autoimporte kommen, dürfte dies nicht ohne Folgen für den Gewinn und die Dividenden bleiben. So hat eine neue Berechnung des ifo Instituts ergeben, dass die deutschen Auto-Exporte in die USA langfristig um fast 50 Prozent zurückgehen könnten, sollten die USA dauerhaft Importzölle von zusätzlichen 25 Prozent erheben. Diese Sorge zeigt sich in den Bewertungsabschlägen. Ob diese übertrieben sind, wird sich spätestens dann zeigen, wenn die US-Regierung mit ihren Drohungen ernst macht.





 

 

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