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Anleger im Goldrausch

Gold hat den Investoren in den vergangenen Monaten viel Freude bereitet. Die Experten des World Gold Councils gehen in ihrem kürzlich veröffentlichten Ausblick davon aus, dass der Höhenflug des gelben Edelmetalls eine Fortsetzung findet. Erfahren Sie, mit welchem Preisanstieg die Profis rechnen.

Gold steht bei Anlegern derzeit hoch im Kurs, auch wenn es zuletzt zu kleineren Rücksetzern kam. Um gut 22 Prozent ist der Preis des gelben Edelmetalls in den vergangenen acht Monaten gestiegen (Stand: 17. Januar 2020). Kurz nach Jahreswechsel kostete die Unze zwischenzeitlich sogar 1.574 US-Dollar. So teuer war Gold seit rund sieben Jahren nicht mehr. Die starke Wertentwicklung mag auf den ersten Blick überraschen. Denn Gold hat trotz des starken US-Dollars, den niedrigen Inflationsraten, der vorläufigen Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China sowie dem Boom an den Aktienmärkten eine bemerkenswerte Stärke bewiesen.


Zunahme der geopolitischen Risiken

 
Die erhebliche Zunahme der geopolitischen Risiken ist ein Grund für die hohe Nachfrage nach Gold. So notiert der Global Economic Policy Uncertainty Index – ein Gradmesser für politisch bedingte Unsicherheiten und deren Folgen für die Wirtschaft – aktuell auf einem historisch hohen Niveau (der Index wird seit 1996 berechnet). Als ein Donnerschlag erwies sich zuletzt die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani auf Befehl von US-Präsident Donald Trump. Die Sorgen gehen dahin, dass die ohnehin schon angespannte Lage im Nahen Osten dadurch eskalieren könnte. Gold reagiert auf solche externenSchocks traditionell mit Preisausschlägen nach oben.


Rückenwind durch sinkende Zinsen

 
Auch die expansive Geldpolitik der Notenbanken hat zum Comeback von Gold beigetragen. In Europa flutet die Europäische Zentralbank durch die Wiederaufnahme des Anleihen-Kaufprogramms die Märkte erneut mit Geld. In den USA wiederum hat die Fed im vergangenen Jahr die Leitzinsen drei Mal um jeweils 0,25 Basispunkte gesenkt. Das schlug unmittelbar auf die Renditen von US-Staatsanleihen durch. So werfen sowohl zweijährige als auch fünf- und zehnjährige US-Bonds derzeit um rund einem Prozentpunkt weniger Zinsen ab als noch vor einem Jahr. Niedrigere Zinsen wiederum drücken die Opportunitätskosten von Gold. Will heißen: Die Attraktivität von Gold hat im Vergleich zu verzinslichen Anlagen zugenommen.


Investoren im Goldmodus

 
Dass Gold wieder glänzt, blieb auch den Investoren nicht verborgen. Immerhin hat ihre Nachfrage zu einem wesentlichen Teil zum Preisanstieg beigetragen. So legte das investierte Volumen im größten Gold-ETF der Welt, dem SPDR® Gold Shares, seit Mitte des vergangenen Jahres um mehr als 80 Tonnen zu (siehe nachfolgende Grafik). Aktuell sind in dem Fonds fast 880 Tonnen Gold physisch hinterlegt. Das entspricht mehr als einem Drittel der Goldreserven Frankreichs. Nimmt man alle Gold-ETFs zusammen – dazu gehören zum Beispiel auch Xetra-Gold und iShares Gold Trust – dann beläuft sich der Goldbestand in den Fonds sogar auf mehr als 2.880 Tonnen. 400 Tonnen sind allein im vergangenen Jahr dazugekommen.  




Gold-Prognose: Plus 20 Prozent in diesem Jahr?


Gold dürfte für Anleger auch in Zukunft ein spannendes Thema bleiben. So geht das World Gold Council in seiner kürzlich veröffentlichten Vorschau „Gold Outlook 2020“ davon aus, dass der Goldpreis weiter zulegen wird. Das in London ansässige Institut ist eine Branchenvereinigung der Goldförderer, die insbesondere die Angebots- und Nachfragesituation bei Gold analysiert und bewertet. In ihrem Basisszenario gehen die Experten davon aus, dass der Goldpreis in diesem Jahr um rund 20 Prozent zulegen wird und um weitere neun Prozent im kommenden Jahr. Begründet wird die optimistische Prognose mit den zahlreichen monetären und geopolitischen Unsicherheiten, die in Kombination mit niedrigen Zinssätzen weiterhin die Nachfrage nach Goldinvestitionen stützen dürften. Auch die Goldnachfrage der Zentralbanken (Goldnettokäufe) wird aus Sicht des World Gold Councils robust bleiben, wenngleich die Experten davon ausgehen, dass die Rekordwerte der letzten Quartale nicht mehr erreicht werden. Als weiteres Argument für Gold bringt die Organisation die strukturellen Wirtschaftsreformen in Indien und China ins Spiel. Davon werde langfristig eine positive Wirkung auf die Goldnachfrage ausgehen. Zur Information: China und Indien sind die mit Abstand größten Märkte für Goldschmuck.


Was die Partie platzen lassen könnte


 Allerdings weist das World Gold Council explizit auch auf gewisse Risiken hin. Die Volatilität des Goldpreises könne infolge verstärkter spekulativer Positionierungen weiter zunehmen, heißt es im Ausblick. Als eine weitere Gefahr wird eine deutlich nachlassende bis nahe an die Rezession gehende US-Konjunktur erachtet. In diesem Fall, so die Prognose der Experten, dürfte sich der Goldpreis (in US-Dollar) in diesem und im nächsten Jahr per Saldo kaum von der Stelle bewegen (Quelle: World Gold Council, Gold Outlook 2020, 15. Januar 2020). 

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