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Trading

Zeithorizont und Erfolgswahrscheinlichkeit

An den Märkten gibt es ganz verschiedene Zeithorizonte. Trader und Anleger sollten sich zunächst auf eine konkrete Zeitebene festlegen, um im Anschluss den richtigen Handelsstil zu definieren. Denn der Zeithorizont bestimmt ganz grundsätzlich darüber, wie kurz- oder langfristig gehandelt werden soll, was wiederum Einfluss auf die Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Die Spanne reicht vom Daytrader, der im 5-Minuten-Chart agiert, bis hin zum Investor, der Positionen über Jahre hält. Die Entscheidung für einen Zeithorizont ist außerdem wichtig, da dies neben der passenden Handelsstrategie auch mitbestimmt, welche Produkte jeweils ideal sind.

Daytrading (sehr kurzfristig)

Daytrader handeln oft mit hohen Hebeln und gehen so beträchtliche Risiken ein, die sie unbedingt unter Kontrolle haben müssen. Diese Kontrolle besteht in der Wahl der Positionsgröße und des Stopp-Loss. Als Handelsinstrumente nutzen Daytrader vor allem Faktor-Zertifikate und Knock-out-Produkte mit hohem Hebel, um von vergleichsweise kleinen, kurzfristigen Bewegungen profitieren zu können. In der Regel werden die Positionen noch am selben Tag wieder geschlossen, wodurch sich die Finanzierungskosten vermeiden lassen. Das Halten von (Teil-)Positionen über Nacht ist eher die Ausnahme und kann im Fall großer Kurslücken ein zusätzliches Risiko darstellen, wobei der maximale Verlust bei Hebelprodukten stets auf den Kapitaleinsatz begrenzt ist. Grundsätzlich kann dieser Trading-Stil hohe Renditen ermöglichen, wenn der Händler genug Erfahrung hat und genau weiß, was er tut. Die Erfolgswahrscheinlichkeit des Daytradings ist unter allen Handelsstilen jedoch am geringsten. Eine extrem kurzfristige Variante des Daytradings ist das Scalping, bei dem Trader ihre Positionen innerhalb weniger Sekunden bis Minuten eröffnen und schließen. Scalping wird heute nahezu ausschließlich von Profis im Futures-Bereich bzw. von automatisierten Handelsprogrammen angewendet.

Swing Trading (kurzfristig)

Das Ziel der Swing Trader ist es, die Auf- und Abwärtsbewegungen auf dem Tages-Chart auszunutzen. Diese Händler haben sich auf das Timing kurzfristiger Ein- und Ausstiege spezialisiert, um attraktive Rendite/Risiko-Verhältnisse zu erzielen. Da sie oft gegen den (sehr) kurzfristigen Trend handeln, brauchen sie ein ausgefeiltes Risiko-Management für den Verlustfall. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist insgesamt besser als im Daytrading. Für kleinere Gegentrend-Trades eignen sich vor allem höher gehebelte Knock-out-Produkte, während für Trend-Trades eher Knock-outs mit niedrigem Hebel infrage kommen. Optionsscheine setzen Swing Trader meist dann ein, wenn sie mit einer starken Bewegung rechnen, aber nicht riskieren möchten, kurzfristig ausgestoppt zu werden.

Positions-Trading (mittelfristig)

Der Positionshandel ist die Schnittstelle zwischen Anlegen und Traden. Positions-Trader vereinen Geduld mit klaren fundamentalen und/oder technischen Analysen. Je nach Marktphase haben sie eine sehr unterschiedliche Zahl offener Positionen. Sie entscheiden auf Basis längerfristiger Analysen, können aber auch auf dem Tages-Chart einen guten Einstieg finden. Positions-Trader mit kleinerem Konto greifen in der Regel zumindest teilweise auf Instrumente zurück, die einen kleinen Hebel aufweisen. Entscheidend ist dabei, dass die in Knock-outs einberechneten Finanzierungskosten möglichst gering sind. Positions-Trader mit größerem Konto handeln überwiegend Anlageprodukte ohne Hebel. Allerdings kann auch in diesem Fall der Einsatz von Knock-Out-Produkten oder Put-Optionsscheinen sinnvoll sein, um sich gegen vorübergehende Kurseinbrüche abzusichern. Die Erfolgswahrscheinlichkeit dieses Handelsstil ist aufgrund des längeren Zeithorizonts deutlich besser als beim Day- und Swing-Trading.

Investieren (langfristig)

Investoren brauchen viel Geduld und verbringen nur einen minimalen Teil der Zeit damit, tatsächlich zu handeln. Stattdessen lesen sie viel, machen überwiegend fundamentale Analysen und schauen höchstens alle paar Tage auf die Kurse, da sich ein ausgewogenes Portfolio mit Positionen in verschiedenen Anlageklassen die meiste Zeit stabil verhält. Investoren setzen vor allem auf Anlageprodukte wie Discount-, Bonus- und Indexzertifikate. Zudem erzielen sie kleine, aber auf Dauer nicht unerhebliche, laufende Erträge aus Dividendenaktien oder Unternehmensanleihen. Diese konservative und langfristige Herangehensweise macht das Investieren zum Handelsstil mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit. Zur (teilweisen) Absicherung vorübergehender Abwärtsrisiken können aber auch Investoren selektiv auf die flexiblen Hebelprodukte zurückgreifen.

Fazit

Die Spanne an Zeithorizonten an den Märkten ist enorm. Deshalb ist es für Trader und Anleger entscheidend, sich zunächst für einen Handelsstil zu entscheiden, den sie umsetzen möchten. Grundsätzlich gilt dabei: Je kurzfristiger der Zeithorizont, desto anspruchsvoller die Anforderungen an Trading und Risikomanagement und desto geringer die Erfolgswahrscheinlichkeit – aber desto höher auch das Gewinnpotenzial.

In unserer Tradingreihe ist zuletzt erschienen: Warum man kleine Positionen handeln sollte
Weiter geht es mit dem Thema: Die grundlegenden Handelsstile

 

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