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Weihnachten 2016: Wo die Kassen klingeln

Aktuelle Daten vom Deutschen Handelsverband lassen in diesem Jahr neue Umsatzrekorde im Weihnachtsgeschäft erwarten. Das gilt insbesondere für den Online-Handel. Allerdings sind die Erwartungen der Anleger an Unternehmen wie Amazon und Zalando bereits sehr hoch.

Bis Heiligabend ist es zwar noch eine Weile hin, im deutschen Einzelhandel hat die Weihnachtszeit aber schon längst begonnen. Bereits seit Anfang November buhlen Läden, Supermärkte und Shops mit nicht zu übersehenden Weihnachstangeboten um die Gunst und Euros der Konsumenten. Weihnachten ist eben halt auch ein Fest des Kommerzes. Und dieses Jahr könnte alle Rekorde sprengen. Davon geht zumindest der Handelsverband Deutschland (HDE) aus. Die Branchenvereinigung erwartet, dass das Weihnachtsgeschäft 2016 erstmals die 90-Milliarden-Euro-Marke knacken könnte. „Selten war die Ausgangslage für das Weihnachtsgeschäft so günstig wie in diesem Jahr“, zeigt sich HDE-Präsident Josef Sanktjohanser zuversichtlich. Die Stimmung sei gut, der Arbeitsmarkt stabil.



Mehr Geld für den Gabentisch

Gestützt wird der Optimismus des Handelsverbandes von einer aktuellen Umfrage des ifes (Institut der Essener Hochschule für Oekonomie und Management (FOM)) unter knapp 60.000 deutschen Verbrauchern. Demnach gaben fast 23 Prozent der Befragten an, 2016 mehr Geld als im Vorjahr für Weihnachtsgeschenke ausgeben zu wollen. Das durchschnittliche Budget liegt bei 477 Euro pro Kopf. Damit würde die Summe, die für Geschenke zu Heiligabend ausgegeben wird, gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent ansteigen. Im Vergleich zu 2011 als sich das durchschnittliche Weihnachtsbudget auf 339 Euro belaufen hat, würde der Zuwachs sogar rund 41 Prozent betragen. Wie die ifes-Umfrage ebenfalls zeigt, ist der Geschenkgutschein weiterhin das beliebteste Weihnachtspräsent, gefolgt vom Kosmetikartikeln und Büchern.



Unterschiedliche Erwartungen

Die Weihnachtssaison ist für den Einzelhandel die umsatzstärkste Zeit des Jahres. „Die Erlöse liegen in den letzten beiden Monaten des Jahres um rund 15 Prozent über dem Durchschnitt der anderen Monate“, weiß HDE-Präsident Sanktjohanser. In bestimmten Branchen, so Sanktjohanser, würden sich die Einnahmen im November und Dezember im Vergleich zu den übrigen Monaten sogar verdoppeln. Doch nicht alle Einzelhändler profitieren im gleichen Ausmaß vom vorweihnachtlichen Kaufrausch. Laut HDE sind kleinere Unternehmen deutlich verhaltener in ihren Erwartungen als Großbetriebe. Aus Anlegersicht würde das für große Handelskonzerne wie Metro sprechen. Das MDAX®-Unternehmen, zu dem neben den eigenen Cash & Carry-Märkten auch die Supermarktkette Real sowie die Elektronikhändler Media Markt und Saturn gehören, erzielte im vergangenen Weihnachtsquartal (Oktober bis Dezember 2015) einen Umsatz von 17,1 Milliarden Euro und damit fast 30 Prozent des gesamten Jahresumsatzes.



Metro: Weihnachten ist nachrangig

Im laufenden Weihnachtsquartal dürfte bei Metro die Umsatzentwicklung zwar ebenfalls im Blickfeld der Anleger stehen, überlagert wird das operative Geschäft aber momentan von den Bestrebungen des Managements, den Konzern in zwei unabhängige, börsennotierte Handelsgesellschaften aufzuspalten – in einen Großhandels- und Lebensmittelspezialisten und in ein auf Unterhaltungselektronik und Dienstleistungen fokussiertes Unternehmen. Die organisatorische Trennung wurde bereits eingeleitet, in die „heiße Phase“ dürfte der Plan mit dem Kapitalmarkttag am 15. Dezember 2016 gehen. Von den Analysten wird die Aufspaltung überwiegend positiv beurteilt. Dieser Schritt sei strategisch sinnvoll, heißt es in diversen Studien. Entsprechend erfreulich fällt die Konsensschätzung für die Aktie aus. Aktuell bewertet die Mehrheit der Analysten den Titel mit „Kaufen“ oder „Outperform“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 31,93 Euro und damit um rund 15 Prozent über dem derzeitigen Niveau (Quellen: www.reuters.com, www.handelsblatt.com).


Quelle: Reuters



Online-Handel auf der Überholspur

Der stationäre Einzelhandel mag zwar vom Weihnachtsgeschäft profitieren, der wahre Gewinner ist jedoch der Online-Handel. Der HDE geht davon aus, dass die Weihnachtsumsätze, die in diesem Jahr über das Web getätigt werden, überproportional um zwölf Prozent zulegen werden. Lag der Anteil des Online-Handels am gesamten Weihnachtsgeschäft vor zehn Jahren gerade einmal bei knapp fünf Prozent, dürfte in diesem Jahr bereits jeder siebte Euro, den die Deutschen für Weihnachtseinkäufe ausgeben, aus dem Shopping übers Internet resultieren.



63 Bestellungen pro Sekunde

Mit einem extra für das Fest gedrehten Spot sowie einer speziellen Aktions-Site (Motto: „Finde das passende Outfit, egal mit wem Du feierst“) rührt der deutsche Online-Händler Zalando bereits kräftig die Werbetrommel für seine Angebote. Nicht minder eifrig buhlt auch Internet-Gigant Amazon um die Gunst der Kunden. In dessen Logistikzentren sind die Vorbereitungen für das Weihnachtsgeschäft längst angelaufen. Um eine möglichst reibungslose Abwicklung zu gewährleisten, wurden allein in Deutschland mehr als 13.000 zusätzliche Saisonarbeitskräfte eingestellt. Die sind auch nötig. So wurden während der letzten Weihnachtssaison allein an einem Tag (es war der 14. Dezember 2015), mehr als 5,4 Millionen Artikel auf Amazons deutscher Seite bestellt. Dies sind rund 63 Orders pro Sekunde. Es ist bislang der erfolgreichste Shopping-Tag in der Geschichte von Amazon.de.


Quelle: Reuters, Kurs in USD



Amazon und Zalando hoffen auf üppige Bescherung

Es wäre keine Überraschung, wenn der Rekord schon in diesem Jahr gebrochen wird. Sowohl bei Amazon als auch bei Zalando sind die Erwartungen an Weihnachten 2016 riesig. "Wir freuen uns auf ein großartiges viertes Quartal", ließ unlängst Zalandos Co-Vorstandschef Rubin Ritter wissen. Allerdings sind auch die Erwartungen der Aktienmärkte an die beiden Unternehmen ausgesprochen hoch. Bei Amazon gehen die Analysten im Schnitt davon aus, dass der Umsatz im aktuellen Weihnachtsquartal um rund 25 Prozent auf 44,74 Milliarden US-Dollar gegenüber der Vorjahresperiode zulegen wird, bei Zalando wird sogar mit einem Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro gerechnet. Diese Marken gilt es zu nehmen, ansonsten droht den beiden Aktien nach dem Fest eine Bescherung der weniger besinnlichen Art.


Quelle: Reuters

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