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Wall Street: Trump ist Fluch und Segen zugleich

Trotz mauer Umfragewerte stehen die Chancen von US-Präsident Donald Trump, im kommenden Jahr wiedergewählt zu werden, relativ gut. Allerdings könnte ihm die US-Wirtschaft einen Strich durch die Rechnung machen. Er dürfte daher alles daransetzen, die Konjunktur am Laufen zu halten. Für Anleger ergeben sich daraus Chancen.

Am 3. November des kommenden Jahres wählt die größte Volkswirtschaft der Welt ihren Präsidenten. Der Wahlkampf wirft bereits jetzt seine Schatten voraus. Für Amtsinhaber Donald Trump sind die Umfragewerte derzeit wenig berauschend. Lediglich 39 Prozent der erwachsenen US-Bürger befürworten laut der neuesten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup die Amtsführung des Präsidenten. Doch das muss nichts heißen: Auch Trumps Vorgänger Barack Obama steckte nach rund 1.000 Tagen im Oval Office in einem Stimmungstief – wurde aber trotzdem mit großer Mehrheit ein zweites Mal ins Weiße Haus gewählt.



 Den Demokraten fehlt ein „Superheld“


Trump könnte auch davon profitieren, dass es derzeit den Eindruck macht, als würde der demokratischen Kandidatenriege bislang ein positiv besetztes Thema für eine erfolgreiche Kampagne fehlen, was sich allerdings noch ändern könnte. Joe Biden, unter Obama Vizepräsident, führt momentan die Umfragen an. Doch mit 76 Jahren ist er nicht gerade eine Person, die für einen Wandel steht. Der 77jährige Senator aus Vermont Bernie Sanders hat zwar nach wie vor viele Fans unter jungen Wählern, aber viele Experten bezweifeln, dass er über seine linke Basis hinaus genug moderate Wähler erreichen kann. Das gleiche gilt für die demokratische US-Senatorin Elisabeth Warren, die ebenfalls schon 70 Jahre alt ist und zudem auch als ziemlich linkslastig gilt.

Positive Zwischenbilanz, noch …


Als starker Wahlhelfer könnten sich für Trump die relativ robuste US-Konjunktur sowie die hohen Börsenkurse erweisen. Die Wirtschaft wuchs unter seiner Ägide in allen Quartalen bis auf eines immer mehr als um zwei Prozent. Gleichzeitig wurden unter seiner Amtseinführung mehr als 5,6 Millionen neue Jobs geschaffen. Die Arbeitslosenrate fiel seit seinem Einzug ins Weiße Haus von rund fünf Prozent auf zuletzt 3,7 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahrhundert. Und auch die Wall Street kann zufrieden sein. Mehr als 30 Prozent hat der US-Leitindex S&P 500® seit Trumps Wahlsieg hinzugewonnen. Noch nie in der jüngeren US-Geschichte hat ein Präsident bei derart gutem ökonomischen Gemengelage die Wiederwahl verloren. „It's the economy, stupid!", wusste einst schon Bill Clinton. Frei übersetzt: Auf die Wirtschaft kommts an, Dummkopf!

Erste Wolken ziehen auf


Allerdings droht sich nunmehr der Konjunkturhimmel über den USA einzutrüben. Schuld daran ist in erster Linie der von Washington entfachte Handelsstreit mit China. Der Konflikt lastet mittlerweile nicht nur mehr auf der Volksrepublik, sondern hat auch das globale Geschäftsklima und damit auch die USA als die führende Volkswirtschaft der Welt erfasst. So wuchsen die Gewinne der S&P 500®-Unternehmen im zweiten Quartal 2019 nach Auswertung von Thomson Reuters nur noch um 2,8 Prozent und für das dritte Quartal wird sogar ein leichter Rückgang der Profite erwartet.

Droht den USA eine Rezession?


Grund zur Sorge gibt es nicht zuletzt auch bezüglich der US-Zinskurve, welche jüngst invertierte. So ist die Rendite auf zehnjährige US-Staatsanleihen unter die für ihr zweijähriges Pendant gefallen. Volkswirte sehen darin ein Indiz, dass die US-Wirtschaft in eine Rezession abdriften könnte. Die Betonung liegt auf „könnte“, denn eine inverse Zinskurve bedeutet lediglich, dass viele Investoren gegenwärtig recht pessimistisch sind – aber nicht, dass sie mit ihren Erwartungen Recht haben.Fed als Wahlhelfer?
Trump kann nicht daran gelegen sein, seine Wiederwahl durch eine mögliche Wirtschaftskrise in Gefahr zu bringen. Möglicherweise stecken genau hinter diesem Punkt seine Dauerattacken gegen die US-Notenbank Fed. In zahlreichen Twitter-Tweets forderte er Fed-Chef Jerome Powell zum Teil brüsk auf, die Leitzinsen schnell und stark zu senken. Die jüngste Zinssenkung um 0,25 Basispunkte scheint Trump längst nicht genug zu sein: „Die Federal Reserve sollte die Zinssätze auf NULL oder weniger senken“, schrieb er in einem Tweet von 11. September 2019. Es wird spannend zu sehen sein, wie Fed-Chef Powell auf die präsidiale Dauereinmischung in die Geldpolitik der Notenbank reagiert. Momentan gehen die Märkte von zwei bis drei Zinssenkungen um jeweils 0,25 Basispunkte in den kommenden zwölf Monaten aus. Sollte sich die US-Wirtschaft aber weiter verschlechtern, dürfte die Fed die Zinsschraube wohl deutlich vehementer nach unten drehen.

Einlenken im Handelsstreit wäre wünschenswert


Die entscheidende Frage, die sich stellt, ist, ob mit einer Lockerung der Geldpolitik die Schäden durch die Handelsstreitigen behoben werden können. Trump scheint dieser Meinung zu sein. Anders sehen es die führenden Notenbanken. Auf ihrer jüngsten Konferenz in Jackson Hole wiesen sie darauf hin, dass die Mittel der Geldpolitik beschränkt seien, um längerfristige Handelsschäden abzuwenden. Das ist ein interessanter Punkt, der Anleger aufhorchen lassen sollte. Denn sollte die expansive Geldpolitik tatsächlich keine Wirkung zeigen, wäre der Druck auf Trump enorm, ein Ende des Handelskriegs einzuleiten. Ein solcher Schwenk würde wohl nicht nur an der Wall Street, sondern auch an den Aktienbörsen auf der ganzen Welt mit steigenden Kursen begrüßt.  

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