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Unternehmensgewinne bleiben von Marktturbulenzen nicht unverschont

Der Handelsstreit zwischen China und den USA sowie die sich eintrübende Konjunktur in vielen Teilen der Welt hatten dafür gesorgt, dass Marktexperten ihre Erwartungen an die Unternehmensgewinne im Vorfeld der Berichtssaison zum zweiten Quartal 2019 teilweise deutlich gesenkt hatten. Insbesondere in den USA haben sich die schlimmsten Befürchtungen jedoch nicht erfüllt. Bei den europäischen Unternehmen machten sich die Konjunkturabkühlung auf dieser Seite des Atlantiks, der Handelsstreit, aber auch die Sorgen vor einem ungeregelten Brexit stärker bemerkbar.

Inzwischen haben rund 90 Prozent der Unternehmen im S&P® 500 ihre Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vorgelegt. Laut FactSet konnten in 75 Prozent dieser Fälle beim bereinigten Gewinn je Aktie positive Überraschungen präsentiert werden. Dieser Wert liegt über dem Fünfjahresdurchschnitt.

Die durchschnittlichen Umsatzerwartungen der Analysten wurden in 57 Prozent der Fälle übertroffen. Dieser Wert liegt jedoch unterhalb des Fünfjahresdurchschnitts, während die Umsatzerlöse im Schnitt um 0,8 Prozent über den Markterwartungen lagen. Im Schnitt wurden die Umsatzerlöse im zweiten Quartal 2019 gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent gesteigert. Dies wäre allerdings das schwächste Umsatzwachstum seit dem dritten Quartal 2016, als der Zuwachs lediglich bei 2,7 Prozent lag. Acht Sektoren konnten steigende Erlöse verzeichnen. Dabei überzeugten vor allem die Bereiche Telekommunikation und Gesundheit, während drei Sektoren, angeführt durch den Bereich Grundstoffe, fallende Erlöse ausgewiesen hatten.

Im zweiten Quartal steht bisher für die US-Konzerne im Vorjahresvergleich ein Ergebnisrückgang von 0,7 Prozent zu Buche. Es wäre das erste Mal seit dem ersten und zweiten Quartal 2016, dass zwei Quartale in Folge ein Gewinnrückgang verbucht wurde. Im zweiten Quartal 2019 lagen die Ergebnisse jedoch im Schnitt um 5,7 Prozent höher als die durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten. Fünf Sektoren konnten für das zweite Quartal im Vorjahresvergleich steigende Gewinne verbuchen. Laut FactSet überzeugten dabei vor allem der Gesundheitssektor und die Finanzinstitute. Sechs Sektoren wiesen dagegen fallende Gewinne aus, während Grundstoffe und Industriegüter am schlechtesten abschnitten.


Quelle: Reuters

Eine schnelle Besserung der Ergebnissituation scheint nicht in Sicht zu sein. Die jüngste Verschärfung im Handelsstreit hat die Märkte durcheinandergewirbelt. Zudem meiden Anleger verstärkt das Risiko. Ein Grund, warum die Goldpreise zuletzt angestiegen sind und die Anleihenzinsen deutlich zurückgingen. Außerdem besteht die Sorge, dass eine inverse Zinsstrukturkurve in den USA eine Rezession ankündigen könnte. So ist es wenig überraschend, dass Analysten laut FactSet für das laufende dritte Quartal des Jahres einen Ergebnisrückgang erwarten. Allerdings wird für das Schlussquartal wieder ein leichter Ergebnisanstieg in Aussicht gestellt.

Die europäischen Unternehmen bekamen zuletzt Faktoren wie den chinesisch-amerikanischen Handelsstreit, die Sorgen vor einem ungeregelten Brexit und die Konjunkturabkühlung in Europa stärker zu spüren. Beispielsweise schrumpfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni 2019 gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent. Die Marktschwäche machte sich unter anderem in der Automobilindustrie sehr stark bemerkbar. Zumal die Branchenvertreter in diesem Bereich auch mit anderen Herausforderungen wie der Dieselaffäre oder den milliardenschweren Investitionen in Zukunftstechnologien wie die Elektromobilität oder das autonome Fahren zu kämpfen haben.

Zwar konnte Daimler im Juni-Quartal ein Umsatzplus von 5 Prozent auf 42,7 Mrd. Euro verbuchen, dafür wurde ein operativer Verlust in Höhe von 1,6 Mrd. Euro erzielt, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 2,6 Mrd. Euro zu Buche gestanden hatte. Unter dem Strich wurde ein Verlust in Höhe von 1,2 Mrd. Euro (Vorjahr: +1,8 Mrd. Euro) ausgewiesen. Eine Umsatzsteigerung verbuchte auch Volkswagen, dagegen sank das operative Ergebnis im zweiten Quartal um 8 Prozent auf 5,13 Mrd. Euro. Das Nettoergebnis belief sich auf 3,96 Mrd. Euro bzw. 7,91 Euro je Aktie. Bei BMW stand trotz eines Umsatzanstiegs im zweiten Quartal ein EBIT-Rückgang um 19,6 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zu Buche. Dafür waren hohe Investitionen in die Entwicklung neuer Technologien verantwortlich. Der Nettogewinn schrumpfte um 28,7 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro.


Quelle: Reuter, Kurs in EUR

In einigen Fällen fiel auch der Ausblick enttäuschend aus. Beispielsweise geht Henkel nicht mehr von einer Belebung der industriellen Nachfrage im zweiten Halbjahr 2019 aus. Daher hat der Konsumgüterkonzern seine Prognose für das organische Umsatzwachstum im Gesamtjahr 2019 von 2 bis 4 Prozent auf 0 bis 2 Prozent gesenkt. Einige Unternehmen konnten auch positiv von sich reden machen. RWE konnte dank eines starken Energiehandelsgeschäfts den Gewinn im ersten Halbjahr deutlich steigern. Nun steht der Abschluss des Deals mit E.ON im Fokus.
 

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