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Telekommunikation: Frischer Schwung durch 5G?

Marktforscher gehen davon aus, dass der neue Mobilfunkstandard 5G den Telekommunikationskonzernen zahlreiche neue Einkommensquellen bescheren wird. Doch die Herausforderungen und Belastungen sind hoch. Welcher europäische Betreiber ist am besten für die neue Technologie gerüstet?

An der Börse entwickelten sich die Aktien der europäischen Telekommunikationskonzerne in der jüngeren Vergangenheit vergleichsweise schlapp. Lediglich um rund fünf Prozent hat der STOXX® Europe 600 Telecommunication (Price) Index in den zurückliegenden zwölf Monaten hinzugewonnen. Zum Vergleich: Der Gesamtmarkt schnitt im gleichen Zeitraum mit einem Plus von mehr als 17 Prozent deutlich besser ab (Quelle: stoxx.com, Stand: 10. Februar 2020). Für frischen Schwung könnte jedoch in absehbarer Zeit 5G sorgen. Denn viele Experten sehen in der nächsten Generation der drahtlosen Telefonie, eine so bedeutende Entwicklung, dass sie eine neue industrielle Revolution auslösen könnte. Fakt ist, dass 5G eine sehr viel bessere Netzwerkleistung bieten wird als der bisherige Standard 4G – zwischen zehn und 100 Mal besser in Bezug auf Kapazität, Geschwindigkeit, Latenz, Konnektivität, Zuverlässigkeit und Leistungseffizienz. Vor diesem Hintergrund könnte 5G auch anderen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI), Big Data, Cloud und Virtual Reality (VR) zu einem weiteren, starken Schub verhelfen.


Neue Chancen für den Telekom-Sektor


Für die Netzwerkbetreiber bietet die 5G-Technologie die Chance, zahlreiche neue Dienste anzubieten. Zum Beispiel ein erweitertes mobiles Breitband, basierend auf hohen Geschwindigkeiten und Kapazitäten, für das Geschäftskundensegment (B2B). Oder Anwendungen, bei denen für die verbundenen Geräte absolute Zuverlässigkeit und eine sehr geringe Latenzzeit (Verzögerungszeit) erforderlich sind. Auch ein massives Internet der Dinge (Internet of Things, IoT), bei den Millionen von Geräten verbunden sind, könnte sich infolge der 5G-Technologie zu einer neuen Erlösquelle entwickeln. Alles in allem ist das Potenzial riesig. So geht die US-Marktforschungsfirma Business Wire in einer Studie davon aus, dass das prognostizierte weltweite Volumen der 5G-Märkte von 31,3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf voraussichtlich 11,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2026 nach oben schnellen wird (Quelle: Business Wire, „Global 5G Market Shares, Strategies & Forecasts, 2020 to 2026“. 19. November 2019).


Noch ist 5G Zukunftsmusik


Auf der anderen Seite stellt die Einführung von 5G die Telekommunikationsunternehmen auch vor große technologische und finanzielle Herausforderungen. Zum einen ist der neue Mobilfunkstandard noch eine Weile davon entfernt, ein Massenmarkt zu werden. Gegenwertig gibt es weltweit gerade einmal 700.000 Nutzer. Eine breitere Marktdurchdringung dürfte nach Prognose des Analysehauses Kepler Cheuvreux erst im Jahr 2022 einsetzen, dann allerdings mit einer sehr hohen Dynamik. Nach Schätzung der britischen Beratungsfirma Ovum könnte es im Jahr 2023 weltweit bereits 1,3 Milliarden 5G-Kunden geben.


Hohe Kosten für Betreiber


Ein anderer Punkt sind die hohen Belastungen, die auf die Betreiber durch den 5G-Standard zukommen. Da sind zum einen die Rollout-Kosten, also die Aufwendungen für die Schaffung der technologischen Voraussetzungen. Die Analysten von Kepler Cheuvreux erwarten, dass sich dieser Kostenblock pro Betreiber und pro großes europäisches Land im Schnitt in einer Spanne von 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro belaufen wird. Der andere bedeutende Belastungsfaktor sind die Kosten für Spektrum und Frequenzen. Diese werden sich nach Schätzung von Kepler Cheuvreux in Europa (EU-28) bis zum Jahr 2025 auf insgesamt 37 bis 46 Milliarden Euro addieren, was zwischen 10,5 bis 13,0 Prozent der Marktkapitalisierung des europäischen Telekommunikationssektors entsprechen würde.


Wer ist für 5G am besten gerüstet?



Für Anleger stellt sich die Frage, wer von den europäischen Mobilfunkkonzernen die Herausforderungen am besten meistern und damit am stärksten von 5G profitieren kann. Für die Experten von Kepler Cheuvreux sind es vor allem die Betreiber, die zum einen über eine ausreichende Finanzkraft verfügen. Zum anderen sollten sie a) in der Lage sein, die betriebliche Komplexität der neuen Technologie zügig zu bewältigen, b) ein starkes Standbein im Geschäftskundensegment mitbringen sowie c) ein flächendeckendes System robuster Mobilfunknetzte im Einsatz haben. All diese Voraussetzungen erfüllen nach Ansicht des Analysehauses insbesondere Telia (Skandinavien), TIM (Telecom Italia Mobile), Orange (Frankreich), Swisscom (Schweiz) und Vodafone (paneuropäisch) besonders gut. Lediglich durchschnittliche Marktchancen aus 5G werden dagegen der Deutschen Telekom eingeräumt. Positiv sei zwar die marktbeherrschende Stellung im Geschäftskundenbereich, heißt es in der dazugehörigen Studie, es fehle jedoch das erforderliche Glasfasernetz, um die erforderliche Bandbreite für immer größere Datenmengen bereitzustellen. Das könnte darauf hindeuten, dass die Investitionsanforderungen wahrscheinlich hoch bleiben würden (Quelle: Kepler Cheuvreux, „The 5G opportunity for European telcos“, Oktober 2019).



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