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Süßer die Kassen nie klingeln

Für den stationären Einzelhandel ist das Weihnachtsgeschäft ein wichtiger Umsatzbringer. Doch die Konkurrenz durch Online-Händler wird immer größer. Dürfen sich Anleger bei Amazon, eBay und Zalando auf eine Bescherung freuen?

Obwohl bis zum Fest noch eine ganze Weile hin ist, hat für den Einzelhandel das Weihnachtsgeschäft bereits begonnen. Die Vorweihnachtszeit ist die wichtigste, weil umsatzstärkste, Zeit des Jahres. Fast 100 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in den Monaten November und Dezember nach Angaben des Handelsverbandes HDE in Deutschland umgesetzt. Ein neuer Rekord, der möglicherweise in diesem Jahr noch übertroffen wird. Auch in den USA werden neue Bestmarken erwartet. So geht die Branchenvereinigung National Retail Federation (NRF) in einer Studie davon aus, dass die durchschnittlichen US-Konsumausgaben pro Kopf in der diesjährigen Weihnachtssaison um vier Prozent auf rund 1.007 US-Dollar (rund 900 Euro) steigen und ein Gesamtvolumen von bis zu 731 Milliarden US-Dollar ( 653 Milliarden Euro) erreichen werden.

Voll im Trend: Weihnachtskäufe per Mausklick


Was das Weihnachtsgeschäft betrifft, ist seit Jahren der Trend zu beobachten, dass immer mehr Konsumenten ihre Weihnachtskäufe online per Mausklick erledigen. In Deutschland legte der über das Internet getätigte Weihnachtsumsatz im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent auf 13,4 Milliarden Euro zu. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren lag das Volumen lediglich bei 3,9 Milliarden Euro (Quelle: Handelsverband Deutschland). Ähnlich dynamisch entwickelt sich das Online-Xmas-Shopping in den USA. Einer Umfrage der National Retail Federation zufolge plant in diesem Jahr mehr als jeder zweite US-Bürger (56 Prozent), seine Weihnachtskäufe über das Internet zu tätigen. Grund genug, um einige bekannte Online-Händler etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Amazon dominiert den Online-Handel


Die unangefochtene Nummer eins der Branche ist Amazon. Im vergangenen Jahr entfielen 41 Prozent der gesamten Online-Weihnachtsumsätze in den USA nach Angaben des Marktforschungsinstituts FTI Consulting auf den in Seattle ansässigen Internetriesen. Dabei war bei etwa einem Drittel Amazon selbst der Verkäufer, bei den anderen zwei Dritteln stammten die Verkäufe von Drittanbietern auf der Amazon-Marktplattform. Einer Prognose der US-Marketingfirma Practical Ecommerce zufolge, könnte Amazons Anteil am Online-Handel in der diesjährigen Weihnachtssaison auf 45 Prozent steigen. Ob davon positive Impulse für die Aktie ausgehen, muss sich jedoch erst zeigen. Denn, dass Amazon die größten Umsätze in den letzten beiden Monaten des Jahres erzielt, ist ja kein Geheimnis. Die entscheidende Frage lautet daher: Kann Amazon die Erwartungen des Marktes übertreffen?

Amazon Business: Eine Erfolgsgeschichte


Für die Marktforscher von FTI Consulting ist Amazon noch aus einem anderen Grund interessant. Der Konzern, heißt es in einer Studie, sei bekanntermaßen sowohl im Consumer-Bereich als auch bei den Webservices eine Macht. Was aber nur die wenigsten wissen würden, ist, dass Amazon mit seiner erst im Jahr 2015 gestarteten B2B-Plattform (Amazon Business) eine weitere Erfolgsgeschichte gelungen sei. Über Amazon Business können Geschäftskunden, fast alles kaufen, was ein Unternehmen so braucht. Etwa Computer, Büromaterial, medizinische Versorgungsprodukte, Industriewerkzeuge, Autoteile und vieles mehr. Insgesamt werden rund 100 Millionen Produkte angeboten – und damit mehr als in der Consumer-Sparte. Obwohl erst vor vier Jahren gegründet, so FTI Consulting, habe Amazon Business erstaunlicherweise bereits im Jahr 2018 die Umsatzmarke von zehn Milliarden US-Dollar geknackt. Zum Vergleich: Beim Consumer-Geschäft (gelauncht 1994) benötigte Amazon mit sieben Jahren, beim Cloud-Geschäft (gelauncht 2006) mit zehn Jahren, deutlich länger, bis diese Marke erreicht war (Quelle: FTI Consulting, Amazon Business: A Giant Awakens“ April 2019).

eBay enttäuscht mit verhaltenem Ausblick


Ein Unternehmen, das ebenfalls vom Weihnachtsgeschäft profitieren könnte, ist eBay. Allerdings nicht in so starkem Umfang wie Amazon. Während Amazon mehr als 30 Prozent seines Gesamtumsatzes im vierten Quartal erzielt, sind es bei eBay nur etwa 26 Prozent. Das Schlussquartal sticht also statistisch kaum hervor. Hinzu kommt, dass der Internet-Pionier davon ausgeht, dass die Erlöse im diesjährigen Weihnachtsquartal lediglich stagnieren werden. Die Prognose liegt bei 2,77 bis 2,82 Milliarden US-Dollar. eBay leidet schon seit längerem unter der scharfen Konkurrenz durch große Rivalen wie Amazon oder Alibaba. Außerdem befindet sich das Unternehmen in einem Konflikt mit dem Hedgefonds Elliott, der einige Geschäftsbereiche abstoßen möchte.

Zalando zeigt sich zuversichtlich


Mit Optimismus blickt man hingegen beim deutschen Online-Händler Zalando auf das wichtige Weihnachtsgeschäft. “Unser Geschäft wächst in allen Regionen stark”, sagte Finanzchef David Schröder anlässlich der Veröffentlichung des jüngsten Quartalsberichts. “Diesen Schwung wollen wir mit ins vierte Quartal nehmen.” Die erst kürzlich angehobene Jahresprognose bekräftigte Schröder. Demnach peilt der Berliner Internethändler in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von rund 20 Prozent an. Bei der Profitabilität hinkt Zalando den Wettbewerbern Amazon und eBay jedoch noch weiter hinterher. Im dritten Quartal lag sowohl das betriebliche Ergebnis (minus 6,9 Millionen Euro) als auch der Nettogewinn (minus 13,6 Millionen Euro) im negativen Bereich.

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