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Streaming: Im Kampf um den Kunden

Netflix hat die Zahl seiner Abonnenten zuletzt kräftig gesteigert. Doch dem Platzhirsch unter den Streaming-Diensten erwächst bald eine mächtige Konkurrenz. Welche Aktien Anleger im Blick haben sollten.

Selten hat eine neue Technologie die Gewohnheiten der Menschen so rasch verändert wie das Streaming. Laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom schauen bereits gut drei Viertel der deutschen Internetnutzer ab 14 Jahren Filme, TV-Sendungen oder andere Videos als Stream im Internet. Zwei von fünf tun das über kostenpflichtige On-Demand-Portale. Kein Wunder, dass bei den Anbietern solcher Streaming-Plattformen die Kassen klingeln. Laut einer Studie der Marktforschungsgesellschaft Grand View Research wird das weltweite Marktvolumen für kostenpflichtiges Videostreaming bis zum Jahr 2023 um durchschnittlich 19,6 Prozent pro Jahr auf rund 125 Milliarden US-Dollar hochschnellen.




Netflix: Rekordzuwachs bei den Abonnenten


Platzhirsch unter den Videostreaming-Diensten ist nach wie vor Netflix. Das im Jahr 1997 als Versand-Videothek gegründete Unternehmen gewann im ersten Quartal des laufenden Jahres 9,6 Millionen neue Bezahlabonnenten hinzu – so viel, wie nie zuvor. Die weltweite Gemeinschaft der „Netflixer“ umfasst nunmehr fast 150 Millionen Abonnenten.




Die Konkurrenz rüstet auf


An der Börse kamen die Quartalszahlen des kalifornischen Unternehmens insgesamt gut an.
Ob Anleger der Aktie weiterhin die Treue halten, ist jedoch keinesfalls gewiss. Denn der Erfolg von Netflix hat mittlerweile auch andere Unternehmen auf den Plan gebracht. So hat nicht nur Apple kürzlich einen eigenen Abo-Dienst angekündigt. Auch der Medienriese Disney will den Markt mit einer eigenen kostenpflichtigen Video-Streaming-Plattform aufmischen. Am 12. November 2019 soll „Disney+“ in den USA online gehen. Für Netflix könnten dann schwierige Zeiten anbrechen. Dank kluger Zukäufe gehören dem Mickey-Mouse-Konzern unter anderem die Blockbuster-Schmieden Marvel (Avengers) und Lucasfilm (Star Wars).




Marvels Superhelden sprengen alle Rekorde


Für Schlagzeilen sorgt derzeit Marvels-Superhelden-Epos „Avengers: Endgame“. Bereits am Startwochenende hat das dreistündige Action-Spektakel mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar eingespielt – ein Rekord. Kurze Zeit später knackte der Filme auch die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke. Damit ist „Avengers: Endgame“ bereits jetzt der zweiterfolgreichste Film aller Zeiten (Stand:6. Mai 2019). Nur „Avatar“ aus dem Jahr 2009 weist mit 2,8 Milliarden US-Dollar derzeit ein noch höheres Einspielergebnis auf.


Starke Konkurrenz


Die enorme Beliebtheit der Avengers-Reihe könnte Netflix hart treffen. Zum einen, weil Disney seine zahlreichen Kassenschlager als Zugpferde in sein Streaming-Angebot einbinden dürfte. Zum anderen, weil Netflix seine Lizenzrechte für eben diese Produktionen vermutlich verlieren wird. Ein weiterer Punkt: Disney bietet seinen Bezahldienst Disney+ zum Einstiegspreis von monatlich 6,99 US-Dollar an – und unterbietet damit das günstigste Abo des Rivalen. 60 bis 90 Millionen Abonnenten will Disney-Chef Robert Iger bis zum Jahr 2024 für sein Streaming-Angebot gewinnen. Angesichts der geballten Marketing- und Medienpower des Unterhaltungsriesen ist das kein Ding der Unmöglichkeit.


Was Analysten empfehlen


Bei Netflix gibt man sich indes gelassen: „Wir gehen nicht davon aus, dass die neuen Marktteilnehmer unser Wachstum wesentlich beeinflussen werden“, heißt es im jüngsten Bericht an die Aktionäre. Zu dynamisch erfolge der Übergang vom klassischen linearen Fernsehen zum On-Demand-Entertainment. Dennoch übt die Netflix-Aktie auf die meisten Analysten nicht mehr die Anziehungskraft aus, wie sie das vor geraumer Zeit noch tat. Zwar trauen die meisten Experten dem Nasdaq-Titel noch Kursgewinne zu – das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 450 US-Dollar (aktueller Kurs: 385 US-Dollar). Im Analystenranking der Nachrichtenagentur Reuters steht mittlerweile aber die Disney-Aktie mit einer Note von 1,92 deutlich vor Netflix (2,12). Die Skala reicht von 1 (Kaufen) bis 5 (Verkaufen).


Amazon hat die Nase vorn

Eine bessere Konsensbeurteilung als Disney und Netflix weist unter den Streaming-Anbietern nur noch Amazon mit einer Note von 1,51 auf. (Stand: 6. Mai 2019). Zwar veröffentlicht das Unternehmen nicht fortlaufend seine Abonnentenzahlen. Schätzungen gehen aber davon aus, dass der Bezahldienst Amazon Prime – zu dem auch Amazon Prime Video zählt – deutlich mehr als 100 Millionen Kunden umfasst. Dass Amazon nicht zu unterschätzen ist, zeigen die Zahlen zum ersten Quartal 2019. Demnach legten die Einnahmen aus Amazons Abo-Diensten um bemerkenswerte 40 Prozent auf 4,3 Milliarden US-Dollar zu.

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