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Stahlaktien: Eine Branche in Wallung

Sollten die US-Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU doch noch in Kraft treten, hätte dies nicht für alle Unternehmen die gleichen Folgen. Wer sind die Gewinner und Verlierer des Handelsstreits?

Die Stahlbranche liefert derzeit jede Menge Gesprächsstoff. Mit dazu beigetragen haben insbesondere die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Stahl (25 Prozent) und Aluminium (10 Prozent). Ausgenommen von den Sanktionen wurden in letzter Minute bekanntlich Importe aus der Europäischen Union. Bis auf weiteres zumindest. Momentan verhandeln Brüssel und Washington über eine Beilegung des Handelskonflikts. Der Ausgang ist allerdings völlig ungewiss. Was passiert, wenn keine Einigung erzielt wird und der Streit neu entflammt? Wie stark würden US-Schutzzölle die europäischen Stahlkonzerne treffen?



Begrenzte Effekte für EU-Stahlindustrie

Sollten die Sanktionen in der bekannten Form in Kraft treten, dürften die Folgen für einige europäische Stahlhersteller mitunter zwar schmerzlich, für die Branche aber insgesamt zu verkraften sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Münchener ifo Instituts. Darin heißt es, dass die EU von den Zöllen mit einem Exportwert aller relevanten Stahlerzeugnisse von 6,4 Milliarden US-Dollar volumenmäßig zwar überdurchschnittlich stark betroffen wäre. Gleichwohl sei die europäische Stahl- und Aluminiumindustrie mit einem US-Exportanteil von lediglich 4,3 Prozent nicht sonderlich abhängig von den Vereinigten Staaten. Gemessen an den gesamten Ausfuhren würden die geplanten Zölle sogar nur 1,6 Prozent der EU-Exporte und 1,5 Prozent der deutschen Ausfuhren in die USA betreffen. Die ifo-Experten kommen daher zu dem Schluss, dass US-Zölle auf Stahl und Aluminium nur einen begrenzten negativen Effekt für die europäische Branche haben.



Salzgitter steht auf der Verliererseite

Zu den Unternehmen, die besonders schmerzlich betroffen wären, gehört Salzgitter. Das Unternehmen steht derzeit eigentlich ganz gut da, betreibt jedoch keine relevanten Produktionsstandorte in den USA und verfügt über einen vergleichsweise hohen US-Exportanteil. Im jüngsten Geschäftsbericht wird daher eingehend vor den Gefahren möglicher Handelsbeschränkungen gewarnt: Es wäre fahrlässig, sich auf früheren Erfolgen auszuruhen, denn das Umfeld habe sich erheblich gewandelt, heißt es darin. Besonders hervorgehoben werden die Risiken, die aus den verstärkten protektionistischen Tendenzen in den USA resultieren könnten. Weiter ist die Rede von der Gefahr „wegbrechender Exportmöglichkeiten“. Mehrere Analysten haben das Kursziel für die Aktie daher in den vergangenen Wochen reduziert und/oder den Titel herabgestuft. Im Augenblick lautet das Konsensurteil lediglich auf „Halten“.


Quelle: Reuters



Klöckner & Co könnte von US-Zöllen profitieren

Während Salzgitter unter etwaigen Sanktionen leiden dürfte, könnte Klöckner & Co (KlöCo) davon sogar profitieren. Der Duisburger Stahlhändler hat ein dickes Standbein in den USA. Sollten die Preise für US-Stahl infolge der Zölle steigen, könnte dies bei der SDAX®-Gesellschaft zu Sondergewinnen führen, so das Credo der Analysten. Im Konsens wird die Aktie aktuell als „Outperformer“ eingestuft. Das gewichtete Kursziel liegt bei 12,15 Euro. Auf Basis des aktuellen Kurses hätte der Titel damit rund 20 Prozent Spielraum nach oben (Stand: 27. März 2018).



ThyssenKrupp unter Handlungsdruck

Und wie ist es um den deutschen Branchenführer ThyssenKrupp bestellt? Der DAX®-Konzern steht derzeit weniger wegen der Zölle, als vielmehr wegen seiner strategischen Neuausrichtung in den Schlagzeilen. Die Essener planen, ihre Stahlsparte mit dem Europageschäft des indischen Branchenriesen Tata Steel zu fusionieren und so den, nach ArcelorMittal zweitgrößten Stahlkonzern Europas, zu schmieden. Die Prüfung der Bücher hierfür ist nun fast abgeschlossen. Geht alles nach Plan, könnte der Zusammenschluss bis Ende des Jahres über die Bühne gegangen sein. Der schwedische Finanzinvestor und Großaktionär Cevian drängt indes auf weitere Schritte. Thyssenkrupp brauche einen radikalen Wandel, erklärte Cevian-Gründer Lars Förberg kürzlich gegenüber dem Handelsblatt. Die einzelnen Sparten sollten wesentlich selbstständiger als bisher operieren können. So würden Teilverkäufe und Börsengänge einzelner Bereiche schneller möglich. Zudem, so Förberg, müsse sich der Konzern von seiner „überkomplizierten Struktur“ verabschieden. Angesichts des Drucks des Finanzinvestors rechnen Marktkenner damit, dass ThyssenKrupp noch weitere Geschäftsbereiche wie die Handelssparte Materials Services zum Verkauf stellen wird. Der Aktie dürfte dies guttun. Sie verfüge über Outperformer-Potenzial, heißt es auf Analystenseite.


Quelle: Reuters

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