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Rückversicherer: Spezialisten für Katastrophenfälle

Rückversicherer erfüllen eine wichtige Aufgabe. Sie bieten Schutz vor großen Risiken, wie etwa Naturkatastrophen. Erfahren Sie, wie ihr Geschäftsmodell funktioniert, wer die größten Gesellschaften sind und wie Experten die Börsenperspektiven des Sektors einschätzen.

Rückversicherungen spielen sowohl für die Versicherungsbranche als auch für die Wirtschaft eine wichtige Rolle. Als „Versicherung der Versicherungen“ schützen sie Erstversicherer vor Belastungen, die sich aus großen Schadensfällen, etwa aus Naturkatastrophen, ergeben können. Die Rückversicherer ihrerseits verteilen über sogenannte Retrozessionen übernommene Großrisiken auf andere Rückversicherer. Erst durch diese Verteilung großer Einzelrisiken auf mehrere Schultern sind Versicherungen in der Lage, ihren Kunden einen adäquaten Versicherungsschutz anzubieten – ohne dabei fürchten zu müssen, infolge von Großschäden selbst in eine existenzbedrohende Lage zu geraten. Ohne Rückversicherungen würden viele risikobehaftete Investitionen vermutlich erst gar nicht getätigt werden.

 
Milliardenschäden durch Naturkatastrophen


Da die Vertragsbedingungen individuell ausgehandelt werden, haben Rückversicherer eine sehr hohe Expertise in der adäquaten Risikobewertung entwickelt. Dazu vertrauen sie auf das Know-how von Fachleuten aus den unterschiedlichsten Bereichen, wie Mathematik, Meteorologie, Medizin, Ingenieurwesen und natürlich auch dem Versicherungswesen. Dieses Zusammenspiel von Expertenwissen ist auch notwendig. Allein im vergangenen Jahr zählten Statistiker 820 Naturkatastrophen mit einem Gesamtschaden von rund 150 Milliarden US-Dollar. Davon waren 52 Milliarden US-Dollar versichert. Für Brancheninsider wie Ernst Rauch steht fest, dass extreme Wetterphänomene und die daraus resultierenden Schäden infolge des Klimawandels in Zukunft noch zunehmen werden. Rauch ist Klima- und Geowissenschaftler bei der Münchener Rück. Er weist darauf hin, dass sich insbesondere Wirbelstürme mit extremen Niederschlägen häufen würden. Auch habe das Risiko von Flächenbränden, wie die verheerenden Buschfeuer in Australien, zugenommen. (Quelle: Münchener Rück, „Naturkatastrophen 2019“ vom 8. Januar 2019).



 

Höhere Risiken, höhere Prämien


Die steigende Wahrscheinlichkeit von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Wirbelstürmen oder Bränden spielt in der Kalkulation der Rückversicherungsgesellschaften eine wichtige Rolle. Denn die Gesellschaften lassen sich höhere Risiken in der Regel mit höheren Versicherungsprämien bezahlen. Jedes Jahr gibt hierzu diverse Branchentreffen. Das größte davon findet traditionell im September in Monte Carlo statt („Les Rendez-Vous de Septembre“). Dort verhandeln die Rückversicherer mit ihren Kunden in kleinen Gruppen die neuen Vertragsbedingungen aus. Bei der letztjährigen Verhandlungsrunde wurden Preissteigerungen im einstelligen Prozentbereich durchgesetzt. Dieser Trend dürfte sich nach Prognose der Ratingagentur S&P Global Ratings fortsetzen.


Aktien von Rückversicherungen gefragt


Die Aussicht auf steigende Rückversicherungspreise hat mit dazu beigetragen, dass sich die Aktien von Rückversicherungsgesellschaften an der Börse in der jüngeren Vergangenheit überdurchschnittlich gut entwickelt haben. So legte die Aktie der Münchener Rück in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 42 Prozent zu. Zum Vergleich: der DAX® kam im gleichen Zeitraum lediglich um 17 Prozent voran (Stand: 27. Januar 2020). Die Münchener Rück, zu der auch die Erstversicherungstochter ERGO gehört, ist mit gebuchten Bruttoprämien in Höhe von 31,3 Milliarden Euro (2018) der größte Rückversicherer der Welt. Zuletzt überzeugte die Gesellschaft mit einer Anhebung der Gewinnprognose. Die Nummer zwei der Branche ist Swiss Re mit gebuchten Bruttoprämien von rund 31 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet rund 29 Milliarden Euro), gefolgt von der Hannover Rück mit einem Wert von 19,2 Milliarden Euro.


Chancen und Risiken


Die Mehrheit der Analysten bewertet die Perspektiven der Rückversicherer weiterhin positiv. So verweisen die Experten von S&P Global Ratings in ihrem Bericht „2020 Reinsurance Sector Outlook“ neben den steigenden Rückversicherungspreisen auch auf das gute Umfeld für Fusionen und Übernahmen. Allerdings gibt es auch Risiken zu beachten. Die S&P-Analysten nennen in diesem Zusammenhang das Vordringen alternativer Anbieter am Markt. Diese könnten die Geschäftsmodelle der etablierten Rückversicherungskonzerne bedrohen. Auch die anhaltend niedrigen Zinsen sowie ein schwächeres weltwirtschaftliches Umfeld würden eine Herausforderung darstellen.

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