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Quartalssaison: USA schlägt Europa

In der laufenden Berichtssaison zum vierten Quartal 2019 konnte eine deutliche Mehrheit der US-Unternehmen positiv überraschen. Vor allem IT-Riesen wie Apple oder Amazon überzeugten mit ihren Gewinnen. In Europa fällt die Zwischenbilanz deutlich durchwachsener aus. Und es könnte noch schlimmer werden.

Die laufende Berichtssaison für das vierte Quartal 2019 sorgte bereits für manche Schlagzeile. Viele davon leider negativ. Vor allem, was die europäischen Unternehmen betrifft. Denn nur etwa die Hälfte der im Stoxx Europe 600® Index vertretenen Gesellschaften, die bis zum 21. Februar 2020 ihre Ergebnisse vorgelegt haben, hat es nach Angaben der Analysefirma Refinitiv geschafft, die Schätzungen der Analysten zu erreichen. Insgesamt waren die Gewinne im Schnitt um 0,2 Prozent rückläufig. Allerdings sind die Daten noch mit Vorsicht zu genießen. Denn bisher hat lediglich knapp ein Drittel der europäischen Aktiengesellschaften über das vierte Quartal berichtet. Bestätigt sich der negative Gewinntrend, wäre das zurückliegende Quartal schon der vierte Dreimonatszeitraum in Folge, in denen die Profite der europäischen Unternehmen gesunken sind. Zumindest scheint sich der negative Gewinntrend aber abzuschwächen. Denn im vorangegangenen Juli-September-Zeitraum (Q3 2019) waren die Profite noch um 4,3 Prozent rückläufig.



Wirecard entzückt, Daimler schockt

Angesichts der durchwachsenen Gewinnentwicklung zeigten sich die europäischen Aktienmärkte erstaunlich robust. Mehr als 14 Prozent hat der STOXX Europe 600 seit Ende September 2019 hinzugewonnen (Stand: 21. Februar 2020). Der DAX® markierte unlängst sogar ein neues Rekordhoch. Apropos DAX. Mit besonderer Spannung wurden die Quartalszahlen von Wirecard erwartet. Der Anbieter von elektronischen Zahlungssystemen hat es geschafft, die ohnehin hohen Erwartungen der Analysten noch zu übertreffen. Im vierten Quartal steigerte das Münchener Unternehmen den Umsatz um beachtliche 46 Prozent auf 835 Millionen Euro. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich um rund 41 Prozent auf 232 Millionen Euro. Ebenfalls zufrieden waren die Analysten mit dem Zahlenwerk von MTU Aero Engine und der Deutschen Telekom. Beim Versicherungskonzern Allianz sorgte wiederum die Erhöhung der Dividende um 6,7 Prozent auf 9,60 Euro je Aktie für gute Stimmung. Für einen der größten Schocks in der laufenden Berichtssaison sorgte dagegen Daimler. Bei dem Stuttgarter Autokonzern brach der operative Gewinn im Schlussquartal infolge starker Belastungen durch die Dieselaffäre sowie hohen Investitionen in die E-Mobilität um 85 Prozent auf 388 Millionen Euro ein. Außerdem kürzte Daimler seine Dividende drastischer als von Analysten erwartet. Die Aktionäre erhalten für das abgelaufene 
Geschäftsjahr nur noch 90 Cent je Aktie – nach 3,25 Euro das Jahr zuvor.



USA: 70,5 Prozent der Unternehmen überraschten positiv

Dynamischer als in Europa entwickelten sich die Unternehmensgewinne in den USA. Jenseits des Atlantiks legten die Profite der S&P 500®-Gesellschaften nach Angaben von Refinitiv im vierten Quartal 2019 im Schnitt um 3,2 Prozent zu, ohne den Energiesektor beläuft sich das Gewinnplus sogar auf 6,1 Prozent. Dabei haben überraschend viele US-Konzerne die Erwartungen der Analysten erfüllt oder übertroffen. Bei 70,5 Prozent der Gesellschaften lag der Gewinn über den Prognosen, bei 9,6 Prozent lag er im Rahmen der Konsensschätzung und nur 19,9 Prozent haben die Vorgaben verfehlt. Das sind bemerkenswert gute Werte, selbst für die USA. Denn im langfristigen Durchschnitt liegt die Quote der positiven Überraschungen im S&P 500 bei 64,9 Prozent. Im Gegensatz zu Europa haben in den Vereinigten Staaten die meisten Konzerne auch schon ihre Bilanzen veröffentlich. Bei 437 der 505 Unternehmen im S&P 500 war dies zum 21. Februar 2020 der Fall. Die gute Quartalssaison dürfte ganz entscheidend zum Rekordrausch an der Wall Street beigetragen haben. Der S&P 500 markierte seit Jahresbeginn ein Rekordhoch nach dem anderen. 



IT-Riesen sorgten für gute Laune

Auffallend ist, dass vor allem die US-amerikanischen Internet- und IT-Konzerne die Börsenstimmung mit guten Zahlen angeheizt haben. 85,5 Prozent dieser Unternehmen erzielten einen höheren Gewinn als erwartet. Bei Apple zum Beispiel legte der Profit dank eines starken Weihnachtsgeschäfts sowie florierender Cloud-Dienste im vierten Quartal um rund zehn Prozent auf sensationelle 22,2 Milliarden US-Dollar zu. Auch beim Internethändler Amazon lief das Geschäft mit einem Anstieg des Gewinns um acht Prozent auf 3,3 Milliarden US-Dollar wie geschmiert. Die guten Zahlen trieben den Börsenwert von Amazon über die magische Ein-Billion-US-Dollar-Marke. Nur Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, Microsoft und Apple weisen eine höhere Marktkapitalisierung auf.



Unsicherheiten hinsichtlich der Gewinnentwicklung

Abschließend noch ein Blick in die Zukunft. Für das laufende Quartal (Q1 2020) erwarten die Analysten von den europäischen Unternehmen im Schnitt einen Gewinnanstieg um 2,2 Prozent. Bei den US-Konzernen liegt die Gewinnprognose bei einem Plus von 3,2 Prozent. Diese Vorgaben zu erreichen könnte für die Unternehmen aufgrund der Beeinträchtigung von Wirtschaft und Handel durch den Coronavirus allerdings herausfordernd werden. Apple zum Beispiel hat erst unlängst gewarnt, dass wegen des Coronavirus die erst wenige Wochen alte Umsatzprognose für das laufende Quartal verfehlt werden wird. Bei iPhones, so das Unternehmen, gebe es Lieferengpässe, weil die Produktion in China langsamer hochgefahren werde als geplant. Zudem war der Absatz von Apple-Geräten in dem Land zuletzt gedämpft gewesen, da viele Geschäfte zeitweise geschlossen blieben und schlecht besucht waren. Vor diesem Hintergrund könnten auf die Börsen etwas unruhigere Zeiten zukommen. Ein erstes Anzeichen hierfür stellen die Gewinnrevisionen der Analysten dar. In den USA gab es in der zurückliegenden Woche (15. bis 21. Februar 2020) insgesamt 2.651 Gewinnrevisionen, nur 40 Prozent davon waren positiv. In 60 Prozent der Fälle wurde die Gewinnschätzung dagegen nach unten korrigiert. Damit hat die Quote der Reduzierungen den bislang höchsten Wert in diesem Jahr erreicht. Zu Beginn des Jahres hielten sich die Erhöhungen und Senkungen noch in etwa die Hand.

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