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Punktet TJX mit Preisknallern?

Der Marken-Discounter TJX ist bei uns relativ unbekannt. In Nordamerika feiert der Konzern mit seinen Handelsketten jedoch große Erfolge. Was hebt das Unternehmen von der Konkurrenz ab und über welches Potenzial verfügt die Aktie?

Wie jeder gute Kaufmann weiß, sind für den Geschäftserfolg drei Faktoren von besonderer Bedeutung: ein attraktives und frisches Warenangebot, ein möglichst schneller Warenumschlag und – last, but not least – ein Preis, der von der Konkurrenz nur schwer zu unterbieten ist. Genau auf diesen Prinzipien basiert die Strategie des US-Handelskonzerns TJX. Das 1956 gegründete Unternehmen zählt mit einem Umsatz von mehr als 33 Milliarden US-Dollar zu den weltweit führenden Discount-Ketten für Marken- und Designerprodukte. Das Sortiment reicht dabei von Herren-, Damen- und Kindermode über Accessoires bis hin zu Einrichtungsgegenständen und Geschenkideen. Vor allem in den USA ist TJX eine Größe. Dort betreibt die Gesellschaft rund 2.800 der insgesamt 3.800 Shops. Zu den bedeutendsten Filialketten des Konzerns zählen T.J. Maxx (1.186 US-Stores), Marshalls (1.035 US-Stores) und HomeGoods (539 US-Stores). Neben den USA, Kanada und Australien ist der Konzern auch in Europa präsent, in Deutschland zum Beispiel seit 2007 unter der Handelsmarke T.K. Maxx.


Quelle: Reuters




Top-Ware zu Top-Preisen


TJX bezeichnet sich selbst als Off-Price-Retailer, der seinen Kunden Top-Marken und Designer Labels zu Preisen bieten möchte, die zwischen 20 und 60 Prozent unter der unverbindlichen Preisempfehlung der Hersteller liegen. Klassische Kaufhäuser und Geschäfte, so das Kalkül, können mit derart günstig angebotener Markenware kaum mithalten. Neben der Niedrigpreispolitik ist die ständig wechselnde Warenauswahl ein weiterer strategischer Ansatz, um die Verbraucher in die Läden zu locken. „Anders als andere Einzelhändler die ihre Produkte saisonweise erwerben, kaufen wir das ganze Jahr über ein und verfügen somit über neue Marken und Designerprodukte, die mehrmals wöchentlich in unseren Stores eintreffen“, heißt es im Unternehmensprofil.



Stetiges Wachstum auch in schwierigen Zeiten


Anleger mögen sich fragen, wie es das Unternehmen schafft, Markenware so günstig anzubieten. TJX verweist in diesem Zusammenhang auf Vorteile im Einkauf. „Unsere Einkäufer sind opportunistisch und unternehmerisch. Mit einem guten Auge für Marken, Mode und Qualität sowie hervorragendem Verhandlungsgeschick erzielen sie den bestmöglichen Preis“, heißt es auf der Internet-Site des deutschen Ablegers TK Maxx. Insgesamt verfügt TJX über mehr als 1.000 Einkäufer in elf Ländern. Offensichtlich haben diese in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet. Denn der Konzernumsatz legte seit 2010 um beachtliche 65 Prozent zu, der Vorsteuergewinn erhöhte sich sogar um knapp 100 Prozent. Bemerkenswert ist dabei die Stetigkeit. Selbst im schweren Rezessionsjahr 2009 gelang es dem Unternehmen, Umsatz und Ergebnis je Aktie zu steigern. Wesentlich zum Wachstum beigetragen hat auch die aggressive Expansion. Allein im vergangenen Geschäftsjahr hat TJX weltweit 198 neue Läden eröffnet. Ziel des Unternehmens ist es, die Anzahl der Stores langfristig von derzeit 3.800 auf 5.600 zu steigern.




Kritik am Expansionsdrang


Was ist von der Discount-Kette in diesem Geschäftsjahr zu erwarten. Vorstandschef Ernie Herrman hat angekündigt, dass ein Ergebnis je Aktie im Bereich von 3,80 bis 3,89 US-Dollar angestrebt wird. Das würde einem Wachstum zwischen zehn und zwölf Prozent entsprechen. Auf Basis dieser Zahlen, ist die im S&P 500® gelistete Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20,3 bewertet. Eine so hohe Bewertung muss erst einmal verdient sein. Auch ist nicht jeder Analyst glücklich mit der Expansionspolitik des Konzerns. So warnt zum Beispiel die Bloomberg-Kolumnistin Shelly Banjo davor, dass sich TJX mit seinem Plan, die Zahl der Stores massiv zu erhöhen, übernehmen könnte. Das hätte schon anderen US-Einzelhandelsketten nicht gutgetan. Wenn es eine Sache gibt, so Banjo, die Amerika nicht brauchen kann, dann sind es weitere von Hunderten neuen Konsumtempeln (Quelle: Bloomberg, 22. Februar 2017).



Top-Bewertung


Die Mehrheit der Analysten ist dennoch vom Potenzial der Aktie überzeugt. Laut Thomson Reuters stufen derzeit 22 von insgesamt 29 Experten TJX als „Buy“ oder „Outperform“ ein. Das ist eine Top-Quote. Anleger sollten auch daran denken, dass die Aktie als Zykliker von der robusten US-Konjunktur überdurchschnittlich profitieren könnte. Es könnte also gute Gründe geben, den Titel auf dem Einkaufszettel zu haben.

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