20180912_CitiFirstBlog_Plastik_header_1078x600

Highlight

Plastik: Zum Wegwerfen zu Schade

Plastik hat unser Leben verändert, belastet aber auch zunehmend unsere Umwelt. Mittlerweile zirkulieren rund 150 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle in den Weltmeeren. „Wir müssen unseren Umgang mit Einwegplastik überdenken“, warnen die Analysten der Citi GPS in einer neuen Studie. Warum das Thema auch für Anleger interessant ist.

Zahnbürsten, in Kosmetika, in Bodenbelägen in Smartphone-Gehäusen und, und, und. Die Liste ließe sich noch beliebig lange fortsetzen. Dabei ist die Geschichte von Kunststoffen wie Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyethylenterephthalat (PET) noch relativ jung. Denn deren Massenfertigung begann erst in den Fünzigerjahren des 20. Jahrhundert. Seither ist Plastik Teil unseres modernen Lebens geworden. Es hat Produkte sicherer, billiger, leichter und transportfähiger gemacht und damit ganz erheblich zum weltweiten Wirtschaftswachstum beigetragen. Das ist die positive Seite. Die andere ist: Eine Plastikflasche, die vor 50 Jahren auf irgendeine Weise ins Meer gelangte, schwimmt auch heute noch dort. Herkömmliches Plastik ist biologisch nicht abbaubar, es zerfällt lediglich in immer kleinere Teile, in sogenanntes Mikroplastik. Chemische Degradation wird dieser Zersetzungsprozess genannt.


Riesige Müllstrudel in den Ozeanen

Derzeit werden rund 400 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr produziert. Davon besteht rund ein Drittel aus Verpackungen, die in der Regel nur einmal genutzt werden, wie Plastiktaschen und -tüten, PET-Flaschen oder Wegwerfbecher. Und die Produktion dieser Einwegprodukte nimmt zu. Kamen im Jahr 2004 rund 300 Milliarden neue PET-Flaschen in den Umlauf, waren es 2016 bereits 500 Milliarden. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der neu produzierten Plastiktüten und -taschen von 500 Milliarden Stück auf eine Billion verdoppelt. Das Problem ist: Kunststoffabfälle sind aufgrund der großen Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten und chemischen Zusammensetzungen im Gegensatz zu Glas oder Papier nur schlecht zu sortieren. Das erhöht die Kosten des Recyclings. Dies wiederum hat die Folge, dass die Herstellung von neuem Plastik, in der Regel billiger ist, als altes wiederzuverwerten. Auch wenn man es kaum glauben mag: Weltweit werden lediglich 14 Prozent aller Kunststoffverpackungen recycelt. Im Umkehrschluss heißt das: 86 Prozent landen auf Deponien oder in der Natur. Besonders für die Ozeane ist Plastik zu einem weltumspannenden Problem geworden. Dort zirkulierten Schätzungen zufolge rund 150 Millionen Tonnen Plastikabfall in riesigen Müllstrudeln umher. Und jedes Jahr kommen 13 Millionen Tonnen neu hinzu. In dieser Zahl noch gar nicht mitgerechnet sind die Belastungen durch Mikroplastik. Es wird von Meerestieren wie Muscheln und Fischen aufgenommen und gelangt auf diese Weise auch in unsere Nahrungskette. Experten warnen, dass in 30 Jahren mehr Plastik in den Weltmeeren schwimmen wird, als Fische – gemessen am Gewicht.


China stoppt Import von Abfällen

Das Problem mit dem Plastikmüll hat sich zuletzt noch verschärft. Denn noch bis vor einem Jahr nahm China fast die Hälfte der weltweiten Kunststoffabfälle auf. Dort wurde es recycelt oder verbrannt. Allein 2016 waren es acht Millionen Tonnen. Das meiste davon kam aus den westlichen Industriestaaten. Doch Peking will nicht mehr die Müllkippe der Welt sein. Anfang des Jahres trat ein Importverbot für verschiedene Abfälle in Kraft, darunter auch von Plastikmüll. Der radikale Schnitt ist Teil der National-Sword-Strategie. China will damit eine eigene Kreislaufwirtschaft aufbauen und die Umwelt und die Gesundheit der Menschen besser schützen.


Umdenken notwendig

Nach dem chinesischen Importstopp werden sich weltweit noch mehr Kunststoffabfälle anhäufen. Das verschärft zwar kurzfristig das Müllproblem, eröffnet mittel- bis langfristig aber auch Chancen. Dieser Meinung vertreten die Analysten von Citi Global Perspectives & Solutions (Citi GPS) in ihrer neuen Studie „Rethinking Single-use Plastics“. Denn der Kurswechsel Pekings zwingt auch andere Länder zum Umdenken. Sie müssen bei den Plastikmaterialen zum Recycling strenger selektieren und konsequenter sein bei der Wiederverwendung. Die Citi-Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf zahlreiche Initiativen wie etwa auf das zu Jahresbeginn beschlossene Strategiepapier der EU-Kommission. Diese sieht zum einen vor, weniger Plastikmüll zu produzieren und zum anderen, mehr davon zu recyclen.


Ein Billionen-Dollar-Markt

Strengere Gesetzesvorschriften sowie ein umweltbewussteres Verbraucherverhalten im Umgang mit Plastik mögen die chemische Industrie und die Verpackungshersteller zunächst hart treffen. Immerhin beläuft sich der weltweite Markt für Kunststoffe auf über eine Billion US-Dollar. Auf den zweiten Blick ergeben sich daraus aber auch neue Wachstumschancen, etwa durch die Entwicklung von biologisch abbaubaren oder besser recycelbaren Kunststoffen. Noch steckt der Markt für Bioplastik in den Kinderschuhen. Nach Angaben von Citi GPS haben solche Produkte in Europa lediglich einen Anteil von 0,5 bis 1,0 Prozent am gesamten Plastikverbrauch. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass dieses Segment in den kommenden fünf Jahren mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von neun Prozent pro Jahr überdurchschnittlich stark expandieren wird. Die Citi-Analysten verweisen in diesem Zusammenhang auf zwei innovative Produkte des Ludwigshafener Chemieriesen BASF: Zum einen - Ecoflex – dies ist ein biologisch abbaubarer Kunststoff auf fossiler Basis.
Zum anderen – Evicio- dies ist ein kompostierbarer Kunststoff auf Basis nachwachsender Rohstoffe.


Quelle: Reuters


Nachhaltigkeit als Performancefaktor

Auch Anleger sollten das Thema Plastik auf dem Radar haben. Und zwar aus einem Grund, der nicht sofort offensichtlich ist. In den vergangenen zehn Jahren haben sich immer mehr große Investmentgesellschaften und Asset Manager dazu verpflichtet, ihre verwalteten Mittel nach strengen Nachhaltigkeitskriterien anzulegen. Um in den Portfolios aufgenommen zu werden, müssen Unternehmen gewisse ökologische Standards erfüllen. Wer das nicht tut, bleibt außen vor. Im speziellen Fall heißt das: Unternehmen, die den Plastikanteil in ihren Produkten reduzieren, zum Beispiel indem sie Bio-Kunststoffe einsetzen, finden am Kapitalmarkt mehr Beachtung, als solche, die alte Wege gehen. Angesichts der riesigen Summen, die mittlerweile nach ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) angelegt werden, ist Nachhaltigkeit zu einem stabilisierenden Performancefaktor geworden. Der Druck, der von den Kapitalmärkten ausgeht, zwingt Unternehmen zum Handeln. Die Citi-Analysten verweisen unter anderem auf Coca-Cola. Zwischen 25 und 30 Prozent des CO2-Fußbabdrucks des Brausekonzerns geht allein auf das Verpackungsmaterial zurück. Um die Quote zu reduzieren, setzt der weltgrößte Softdrink-Produzent auf die Entwicklung neuer und die Weiterentwicklung existierender Verpackungen. Dazu zählt zum Beispiel die „PlantBottle“-Flasche. Sie wurde 2011 eingeführt und besteht mittlerweile bis zu 30 Prozent aus nachwachsenden pflanzlichen Rohstoffen. Ziel des Konzerns ist es, den pflanzlichen Materialanteil auf bis zu 100 Prozent zu erhöhen. Wann das sein wird, hat das Unternehmen allerdings offengelassen.


Substrate als Alternative

Neben der Entwicklung von „biologischen“ Kunststoffen sehen die Citi-Experten noch einen anderen Weg, die negativen Effekte der Plastikflut zu begrenzen: den verstärkten Einsatz von Substraten. Sie verweisen dabei insbesondere auf Aluminium, Glass oder Papier als Ersatzmaterial für Einwegprodukte wie PET-Flaschen, Kunststofftüten oder Plastikverpackungen. Glasflaschen oder Aluminiumdosen sind in der Regel ohne Qualitätsverlust recyclebar. Papier wiederum ist biologisch abbaubar. Zwar sind die Herstellungskosten dieser Substrate zumeist höher und auch der Ressourceneinsatz, den ihre Produktion erfordert, ist nicht ganz unproblematisch. Dennoch, so das Fazit der Citi-Studie, dürften diese Materialen in den kommenden Jahren infolge des zunehmenden kritischen Umgangs mit Plastik wieder eine größere Rolle spielen.


Wer mehr über das Thema Plastik wissen will, kann hier die volle Studie „Rethinking Single-use Plastics“ von Citi GPS lesen. Darin werden die in diesem Text erwähnten Sachverhalte detailliert beschrieben.

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.