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Partystimmung bei Amazon, Alphabet, Netflix

Nach der Vorlage der Quartalszahlen von Amazon ist der Börsenwert der fünf führenden US-Technologieaktien des S&P 500® explodiert. Inzwischen sind etliche Papiere aus dem Tech-Sektor sehr teuer. Ein Grund, diese Titel zu meiden?

Nachdem Amazon am 26. Oktober nach US-Börsenschluss die Quartalsergebnisse vorlegte, hat das Papier ein Rekordhoch erreicht, womit der Börsenwert auf rund 530 Milliarden Dollar nach oben geklettert ist. Bei aller Begeisterung ist fast untergegangen, dass auch die Alphabet-Aktie nach der Präsentation der Zahlen auf einen Spitzenwert geklettert ist. Die blendenden Ergebnisse der zwei US-Schwergewichte haben die Investoren an der Nasdaq insgesamt euphorisiert, woraufhin der Börsenwert von Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook, also der fünf schwersten Werte des S&P 500®, am 27. Oktober um insgesamt 200 Mrd. Dollar gestiegen ist.


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Nach der Rekordfahrt liegt das 2018er-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Amazon bei beachtlichen 136. Es überzeugte mal wieder der Umsatz des Internethändlers, der im dritten Quartal um 34 Prozent auf 43,7 Milliarden Dollar nach oben kletterte. Allerdings ist die Profitabilität wegen der hohen Investitionen weiterhin sehr schwach. So war der operative Gewinn um mehr als ein Drittel auf 347 Millionen Dollar eingebrochen. Das entspricht einer operativen Marge von gerade einmal 0,8 Prozent – der niedrigste Wert seit drei Jahren. Nach den Quartalszahlen haben die Analysten zwar ihre Schätzungen für den 2018er-Gewinn je Aktie etwas auf 8,02 Dollar angehoben. Vor 90 Tagen waren es aber noch 11,29 Dollar, Ende 2016 gar 15,59 Dollar. Obwohl die Gewinnschätzungen seit Jahresanfang praktisch halbiert worden sind, ist die Aktie im gleichen Zeitraum um 48 Prozent nach oben geschossen.



Spielt Profitabilität keine Rolle mehr?


Die obige Kursentwicklung stellt die bei vielen Investoren verbreitete Überzeugung, der Kurs einer Aktie würde die abgezinsten künftigen Gewinne widerspiegeln, klar in Frage. Zu dieser Einschätzung kommt etwa der renommierte Hedgefondsmanager David Einhorn von Greenlight Capital in seinem Brief an die Investoren zum dritten Quartal. „Angesichts der Kursentwicklung gewisser Aktien fragen wir uns, ob der Markt ein alternatives Paradigma für die Bewertung des Wertes einer Aktie übernommen hat. Was wäre, wenn der Wert einer Aktie nichts zu tun hätte mit den aktuellen und künftigen Gewinnen, sondern stattdessen von der Fähigkeit eines Unternehmens, disruptiv zu sein, abgeleitet wäre, selbst wenn das derzeit oder künftig zu wirtschaftlichen Verlusten führen würde?“, schrieb Einhorn. Offensichtlich schauen viele Investoren nur noch auf das rasante Umsatzwachstum von Amazon und ignorieren die Profitabilität völlig.

In den vergangenen Quartalen haben die Analysten laut Einhorn allerdings nicht nur die 2018er-Gewinnschätzungen, sondern auch jene für die Folgejahre kräftig gestutzt. Normalerweise würden laut Einhorn derart hoch bewertete Aktien in einem Umfeld deutlich sinkender Gewinnschätzungen einbrechen. „Nur weil Amazon für eine Disruption des Gewinnstroms anderer Unternehmen sorgen kann, bedeutet das aber nicht, dass Amazon diese Gewinne selbst einfahren wird“, betonte der Finanzprofi.
 



Netflix verbrennt kräftig Cash


In dem Brief an die Investoren zeigt sich der Hedgefondsmanager auch verwundert über die Rekordfahrt bei Netflix. Die Internet-Videothek hatte im dritten Quartal ein starkes Wachstum beim Umsatz und den Neukundenzahlen gemeldet, woraufhin die Aktie auf Rekordhochs geschossen war. Allerdings haben die hohen Kosten für Inhalte, gerade für eigene, zu einem Free Cashflow von minus 464 Millionen Dollar geführt. Er wird errechnet, indem man vom Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit die Investitionsausgaben abzieht. Vorstandschef Reed Hastings hat für das Gesamtjahr einen Free Cashflow von minus 2,0 bis minus 2,5 Milliarden prognostiziert.


Quelle: Reuters, Kurs in USD
 
Gleichzeitig nehme laut Einhorn der Wettbewerbsdruck zu, zumal der Medienriese Walt Disney ab Anfang 2018 Netflix keine Filme mehr zur Verfügung stellen werde, sondern seinen eigenen Streaming-Dienst stark ausbauen werde. All das interessiert Netflix-Investoren allerdings überhaupt nicht. Sie schauen vielmehr auf das starke Wachstum bei den Kundenzahlen. Dabei liegt das 2018er-KGV bei horrenden 88, während der Börsenwert 85,6 Milliarden Dollar erreicht.

Bisher ist die hohe Bewertung zahlreicher Tech-Aktien allerdings kein Hindernis. Investoren dürften weiterhin auf das rasante Wachstum der Unternehmen schauen und sind bereit, dafür hohe Preise zu bezahlen. Erst wenn bei den Anlegern deutliche Zweifel am Wachstumskurs aufkommen, so wie es derzeit bei dem Elektroautohersteller Tesla der Fall ist, dürften die Tech-Aktien nachhaltig nach unten drehen.

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