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Ölpreis: Der Showdown naht

Der jüngste Einbruch des Ölpreises könnte die OPEC dazu veranlassen, bei ihrem nächsten Treffen Anfang Dezember die Förderung zu kürzen. Das dürfte US-Präsident Trump gar nicht gefallen. Der Ölpreispoker hat begonnen.

Dass die Twitter-Nachrichten von Donald Trump mitunter heftige Reaktionen an den Aktienmärkten auslösen können, ist bekannt. Auch an den Rohstoffbörsen werden seine Tweets mit Spannung verfolgt. In diesem Jahr ist die OPEC schon mehrmals unter Beschuss des US-Präsidenten geraten. Das Kartell würde die Ölpreise künstlich hochhalten. Das sei nicht gut und würde nicht akzeptiert, twitterte er zum Beispiel Ende April. Damals stand das Barrel der US-Sorte Brent noch bei über 70 US-Dollar. Hintergrund der Attacken ist die Sorge im Weißen Haus, dass der Konjunkturboom in den USA durch die hohen Energiepreise abgewürgt werden könnte.


Unerwarteter Vorzeichenwechsel

Um rund 30 Prozent ist der Ölpreis seit Anfang Oktober zurückgekommen. Kostete das Barrel WTI damals noch mehr als 76 US-Dollar, notiert es aktuell bei nur noch rund 51 US-Dollar. Ähnlich hohe Verluste verzeichnete die Nordseemarke Brent (Stand: 26. November 2018). Auslöser für den Preisrutsch: Statt der erwarteten Angebotsverknappung zeichnet sich am Ölmarkt inzwischen ein Überangebot ab. Dies wiederum hat mehrere Gründe. Ein Punkt betrifft die US-Sanktionen gegen den Iran. Eigentlich wollten die USA die iranischen Ölexporte auf nahe Null drücken. Allerdings stellen sich die Sanktionen nun als weniger streng heraus als zunächst gedacht. Denn Washington gewährt acht Ländern Ausnahmen für den Kauf von iranischem Öl. Dazu zählen mit China, Indien, Südkorea, Japan und der Türkei die wichtigsten Abnehmer. Die Angebotslücke, die sich durch die Iran-Sanktionen auftut, dürfte also weitaus weniger groß sein als angenommen.


Quelle: Reuters


Der Ölhahn ist aufgedreht

Auf der anderen Seite steigt die US-Ölproduktion schneller als prognostiziert. Anfang November hat die US-Energiebehörde ihre Produktionsschätzung deshalb bereits deutlich nach oben korrigiert. Demnach liegt die tägliche Produktionsmenge aktuell mit rund 11,6 Millionen Barrel um etwa 400.000 Barrel über dem eigentlichen Soll. Der  Punkt an sich ist jedoch ein anderer: Denn in Erwartung eines stärkeren Rückgangs der iranischen Öllieferungen hat die OPEC ihr Angebot seit dem Sommer kräftig ausgeweitet. Insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate haben den Ölhahn aufgedreht. Wie Analysten berechnet haben, liegt die OPEC-Fördermenge nunmehr pro Tag um eine Millionen Barrel über dem eigentlichen Bedarf an OPEC-Öl.


Der Showdown naht

Weil auch Russland seine Förderung erhöht hat und sich zudem in Libyen eine unerwartet starke Erholung der Ölproduktion abzeichnet, könnte die globale Überversorgung bis weit ins nächste Jahr hineinreichen. In diesem Fall würde der Ölpreis wohl noch weiter unter Druck geraten. Gestoppt werden könnte die Talfahrt jedoch, wenn die OPEC-Staaten zusammen mit ihren Verbündeten beim Treffen am 6. und 7. Dezember in Wien signifikante Produktionskürzungen beschließen. Saudi-Arabien und andere OPEC-Mitglieder scheinen dazu gewillt zu sein. Doch womöglich haben sie die Rechnung ohne Donald Trump gemacht. Denn dieser meldete sich prompt wieder per Twitter zu Wort: „Hoffentlich werden Saudi-Arabien und die OPEC die Ölproduktion nicht reduzieren. Der Ölpreis sollte aufgrund der Angebotssituation viel niedriger sein.“, ließ er wissen. Angesichts der gegenläufigen Interessenlage wird es spannend zu sehen sein, was beim OPEC-Treffen tatsächlich rauskommt. Insbesondere Saudi-Arabien dürfte es sich nach den Mordvorwürfen an dem Journalisten Khashoggi mit den USA nicht noch weiter verscherzen wollen.


Ölpreis dürfte volatil bleiben

Und wie sollten sich Anleger bei Öl nun positionieren? Grundsätzlich bleibt der Blick auf absehbare Zeit nach unten gerichtet. Gleichwohl ist nach den massiven Verlusten eine mehr oder minder starke Gegenbewegung zu erwarten. Diese könnte jedoch schnell wieder ein Ende finden, sollte sich die OPEC zu keiner signifikanten Drosselung der Ölproduktion durchringen können. Nur eine vehemente Förderkürzung dürfte dem Ölpreis wohl nachhaltig wieder nach oben verhelfen.
 

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