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Öl vor Wende nach unten?

Bei Öl könnte ein mögliches Ende der Förderkürzung durch die OPEC und ihre Verbündeten für Preisdruck sorgen. Hinzu kommt eine stark wachsende Förderung in den USA.

Was für ein seltsamer Zufall. Nur wenige Tage nachdem die Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Duell Russland gegen Saudi-Arabien eröffnet wurde, werden sich die beiden Nationen in einer nicht minder wichtigen Angelegenheit wieder gegenüberstehen. Am 22. Juni 2018 findet in Wien eine mit Spannung erwartete OPEC-Sitzung statt. Russland ist zwar kein Mitglied der Organisation, gehört aber einem Pakt von Produzentenländern an, die vor eineinhalb Jahren gemeinsam mit der OPEC eine Kürzung der Fördermengen beschlossen haben. Die entscheidende Frage lautet: Wird das Abkommen gelockert? Zuletzt kam sowohl der Preis für die Nordseemarke Brent als auch für die US-Sorte WTI (West Texas Intermediate) aufgrund entsprechender Spekulationen wieder zurück. Noch im Mai waren die Notierungen auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Jahren geklettert.


Quelle: Reuters, Angaben in USD


Schert Russland aus?


Was ist von der OPEC-Konferenz zu erwarten? Momentan deutet alles darauf hin, dass der Ölhahn wieder aufgedreht wird. Wie stark, bleibt jedoch abzuwarten. So scheint die Bereitschaft Russlands wieder mehr zu fördern, höher zu sein, als die vom OPEC-Schwergewicht Saudi-Arabien. Moskau will mit einer Ausweitung seiner Förderung offensichtlich die kriselnde Wirtschaft wieder ankurbeln. Diese hatte zuletzt unter der Förderbremse gelitten. Das Problem ist: Eine zu deutliche Erhöhung der Fördermenge könnte den Ölpreis spürbar unter Druck bringen. Ein zu starker Preissturz kann jedoch auch nicht im Interesse Russlands sein. Für Präsident Wladimir Putin scheint die Schmerzgrenze bei einem Barrel-Preis von rund 60 US-Dollar erreicht. Das hatte er zumindest vor kurzem auf einer Wirtschaftskonferenz in Sankt Petersburg angedeutet. Dort warnte er gleichzeitig vor den möglichen Folgen eines zu hohen Ölpreises. Dies, so Putin, könne sich als Problem für die Weltwirtschaft erweisen, was ebenfalls kontraproduktiv für sein Land sei.



US-Förderung gewinnt an Fahrt


Angesichts der Nachrichtenlage könnten Anleger und Trader momentan eher von einem fallenden Ölpreis ausgehen, trotz einiger Unsicherheitsfaktoren, wie den aktuellen Förderproblemen in Venezuela oder den Iran-Sanktionen der USA. Nicht nur weil die OPEC mit ihren Verbündeten das Ende der künstlichen Verknappung einläuten könnte, sondern auch, weil in den USA die Produktion seit geraumer Zeit wieder kräftig an Fahrt gewinnt. Wie aus dem aktuellen „Monthly Oil Market Report“ der OPEC hervorgeht, lag die Förderung von US-Öl im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 9,35 Millionen Barrel pro Tag. Dieser Wert dürfte sich im Jahr 2018 nach Prognose der OPEC auf 10,51 Millionen Barrel pro Tag erhöhen. Hintergrund ist, dass mit dem gestiegenen Ölpreis auch die kostspielige Schieferölgewinnung (Fracking) wieder interessant geworden ist. Deshalb haben  zahlreiche US-Bohranlagen in den vergangenen Monaten ihre Produktion wieder aufgenommen.

Wie stark dieser Zusammenhang ist, zeigt folgende Grafik. Als der Ölpreis vor einigen Jahren scheinbar ins Bodenlose stürzte, machten mit einiger Zeitverzögerung auch Hunderte von US-Bohranlagen (im englischen auch als Rig bezeichnet) dicht. Seit geraumer Zeit hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt. Mittlerweile hat die Zahl der US-Bohrlöcher wieder das Niveau wie vor über drei Jahren erreicht.


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