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Neue Zinsangst in den USA

Nach dem Rekordhoch Ende Januar tendiert der S&P 500® seit einigen Monaten seitwärts. Zins- und Konjunktursorgen trüben die Perspektiven der US-Wirtschaft zusehends ein. Steht beim Aktienmarkt ein größerer Kursrutsch bevor?

Der Zinsanstieg in den USA nimmt Fahrt auf. Nachdem die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen mit 3,0 Prozent auf das höchste Niveau seit Dezember 2013 geklettert sind, fragen sich viele Investoren, wie lang dieser Trend noch andauern wird. Verantwortlich dafür sind die kräftig gestiegenen Ölpreise und die damit verbundenen Inflationsängste. Folgt nach Jahren niedriger Inflation nun eine Phase mit stärkeren Preisanstiegen?

In diesem Fall könnte die US-Notenbank die Leitzinsen im laufenden Jahr möglicherweise stärker anheben, als um jene insgesamt drei Mal, die die Fed bisher in Aussicht gestellt hat. Das belastet den US-Aktienmarkt, weil bei höheren US-Zinsen der S&P 500® mit einer Dividendenrendite von 2,0 Prozent weniger attraktiv wird als bislang.


Quelle: Reuters, Angaben in Prozent


Verbraucher und Unternehmen haben Rekordschulden

Die steigenden Zinsen bedeuten mehr Gegenwind für die US-Wirtschaft, gerade für die Privatwirtschaft, denn in den vergangenen Jahren sind die Schulden der privaten Haushalte und der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors jeweils auf Rekordwerte geklettert. Steigende Zinsen, wie sie inzwischen bei Auto- oder Hypothekenkrediten zu beobachten sind, belasten daher die Haus- und Immobilienkäufer zusehends. Gleichzeitig könnten die Firmen bei höheren Zinsbelastungen auf die Investitionsbremse treten. Verschärft wird die Situation durch den Handelsstreit zwischen den USA und China, was für erhebliche Verunsicherung bei Unternehmen sorgt. Damit trüben sich die Perspektiven nicht nur für die US-, sondern auch für die Weltwirtschaft ein.


Fed entzieht der Wirtschaft eine Menge Geld

Zwar kommen der US-Wirtschaft die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump zugute, die sich laut den Schätzungen im laufenden Jahr auf rund 200 Mrd. Dollar belaufen sollen. Das wird allerdings durch die Geldpolitik der Notenbank mehr als kompensiert. Sie erhöht nicht nur regelmäßig die Zinsen, sondern verkauft auch Anleihen, wodurch die Bilanzsumme der Fed im Jahr 2018 um insgesamt 420 Mrd. Dollar abgebaut werden soll. Die Fed entzieht der Finanzwirtschaft und damit der Konjunktur also viel mehr Geld als ihr durch Trumps Steuerreform zufließen, was der Wirtschaft insgesamt schaden dürfte.


Konjunkturdaten schwächeln

Hinzu kommt, dass auch in anderen Bereichen der US-Wirtschaft Abnutzungserscheinungen zu beobachten sind. So hat die US-Wirtschaft im März lediglich 103.000 Jobs geschaffen und damit nur halb so viele wie Volkswirte vorhergesagt hatten. Außerdem sind die Zahlen für Januar und Februar revidiert worden, womit unterm Strich insgesamt 50.000 Jobs weniger zu Buche stehen als zuvor. Das Problem ist, dass neben Konjunkturdaten, wie etwa zum Arbeitsmarkt oder zur Industrieproduktion, zuletzt auch etliche „weiche“ Daten wie Einkaufsmanagerindizes oder Verbrauchervertrauen eine Konjunkturabkühlung signalisiert haben. So war beim vielbeachteten Einkaufsmanagerindex der Notenbank von Philadelphia die Komponente mit den Auftragseingängen eingebrochen – ein deutliches Warnsignal.


S&P 500® ist sehr hoch bewertet

Anfällig ist der S&P 500® in einem solchen Umfeld, weil die Aktien nach der jahrelangen Kursrally hoch bewertet sind. Zwar wird der Index von den durch die US-Steuerreform kräftig gestiegenen Gewinnschätzungen gestützt, aber höhere Zinsen und eine Eintrübung der Konjunkturperspektiven bedeuten dennoch merklichen Gegenwind, zumal er trotz des zwischenzeitlichen Kursrückgangs mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,6 so hoch bewertet ist wie selten zuvor.
Sollte der US-Zinsanstieg weitergehen, würden sich die Aussichten für die US-Wirtschaft weiter eintrüben. Das wären schlechte Nachrichten für den Aktienmarkt. In dem Umfeld könnte sich die Korrektur beim S&P 500® deutlich ausweiten.


Quelle: Reuters, Angaben in USD
 

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