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Neue Energie fürs Depot

Pleiten wie zuletzt die von Solarworld haben Aktien aus dem Bereich der erneuerbaren Energien bei vielen Anlegern in Verruf gebracht. Dabei hat der Sektor infolge des Pariser Klimaschutzabkommens sowie dem steigenden globalen Energiebedarf die guten Zeiten vermutlich erst noch vor sich. Welche Aktien davon profitieren könnten.

Nun hat es auch Solarworld erwischt. Am 11. Mail 2017 musste das einstige Aushängeschild der deutschen Solarwirtschaft Insolvenz anmelden. Rund fünf Milliarden Euro war das Bonner Unternehmen in seinen besten Tagen an der Börse wert. Zuletzt notierte die Aktie im Tief gerade einmal bei 50 Cent. Solarworld reiht sich in eine lange Liste deutscher Solarfirmen ein, die – einst an der Börse gefeiert – letztendlich an ihren eigenen Ansprüchen gescheitert sind. Zu den bekanntesten Pleitefirmen zählen neben Solarworld die ehemaligen TecDAX®-Konzerne Conergy, Q-Cells und Solon. Der Niedergang hat sicherlich stark mit der gnadenlosen Billigkonkurrenz aus China zu tun. Auch die rückläufige Förderung von Solarstrom mag zum Abstieg beigetragen haben. Und doch erklärt das nicht alles. Denn damals wie heute gilt: die Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Wasser ist ein riesiger Markt. Und dessen langfristiges Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Anleger sollten die Branche der erneuerbaren Energien daher nicht voreilig abschreiben.



„Grüner Strom“ für Deutschland

Dass der Bedarf an Solaranlagen, Windkrafträdern oder Biogasanlagen selbst in einem Vorreiterland wie Deutschland noch lange nicht gestillt ist, zeigt ein Blick auf die Vorgaben der Politik. Im vergangenen Jahr stammten bereits 32,3 Prozent des gesamten Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. Dieser Anteil soll bis 2025 zunächst auf 40 bis 45 Prozent ausgebaut werden. Bis 2050 sollen dann sogar mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien kommen (Quelle. BMWi, „Erneuerbare Energien in Zahlen“, September 2016). Es ist klar: Um diese Vorgaben zu erreichen, muss weiterhin kräftig investiert werden.



Erstaunliches Zahlenspiel

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch ein anderer Aspekt. Denn rein rechnerisch könnte mit der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bereits jetzt der komplette Strombedarf der insgesamt rund 40 Millionen privaten Haushalte in Deutschland gedeckt werden. Das zeigen folgende Zahlen: Dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI) zufolge wurden hierzulande im vergangenen Jahr rund 187.300 Gigawattstunden (GWh) Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch von rund 3.000 Kilowattstunden (KWh) pro deutschem Haushalt ließen sich damit theoretisch sogar 62,5 Millionen Durchschnittshaushalte mit Strom versorgen. Allerdings hat die Rechnung einen entscheidenden Fehler. Denn bekanntlich benötigen nicht nur die privaten Haushalte Strom, sondern in weitaus größeren Umfang auch die Industrie, die Landwirtschaft, der Verkehr und die öffentlichen Einrichtungen. Der Anteil der privaten Haushalte am gesamten Stromverbrauch liegt in Deutschland nur bei rund 25 Prozent.



Viel Potenzial für die „Erneuerbaren“

Aber nicht nur in Deutschland, auch weltweit sind die erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch. Ausschlaggebend dafür sind insbesondere zwei Aspekte: Zum einen haben sich im Klimaschutzabkommen von Paris nahezu alle Länder der Welt dazu verpflichtet, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius, möglichst auf 1,5 Grad Celsius, zu begrenzen. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen und damit der CO2-Ausstoss aus der Energiegewinnung durch fossile Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle signifikant reduziert werden. Der andere Punkt: Der globale Energiebedarf wird weiter steigen. Davon geht die Internationale Energie Agentur (IEA) aus. Die Organisation rechnet damit, dass die weltweite Nachfrage nach Energie bis 2040 um 30 Prozent zunehmen wird. Das heißt, es gilt eine riesige Versorgungslücke zu schließen. Und diese Aufgabe kommt insbesondere den „Erneuerbaren“ zu. Für die IEA ist das Pariser Klimaschutzabkommen im Kern daher nichts anderes als ein Energieabkommen (Quelle: IEA, World Energy Outlook 2016).



Zunehmend konkurrenzfähig

Allerdings ist die Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen preislich derzeit noch nicht mit der fossilen Energieerzeugung konkurrenzfähig. Daher die staatlichen Subventionen und Förderprogramme. Nach Angaben der IEA belaufen sich die weltweiten Aufwendungen hierfür auf rund 150 Milliarden Euro pro Jahr. Das wird sich aber ändern. „Ein Großteil der Erzeugung aus erneuerbaren Energien kommt im Jahr 2040 ohne Subventionen aus“, heißt es im „World Energie Outlook 2016“ der IEA. Die Experten gehen in dem Bericht davon aus, dass Masseneinsatz und technologischer Fortschritt dazu beitragen werden, die durchschnittlichen Stromkosten für Photovoltaik bis zum Jahr 2040 um 40 bis 70 Prozent zu drücken. Bei Windkraftstrom rechnen sie im gleichen Zeitraum mit einem durchschnittlichen Preisrückgang von zehn bis 25 Prozent.



Auf der Suche nach Investmentchancen

Nimmt man die IEA-Prognosen als Grundlage, stehen den erneuerbaren Energien die besten Zeiten erst noch bevor. In ihrem Hauptszenario sieht die Organisation bis zum Jahr 2040 knapp 60 Prozent der gesamten weltweiten Stromerzeugungskapazitäten auf erneuerbaren Energien beruhen. Dafür seien Investitionen von insgesamt 8,8 Billionen US-Dollar nötig. Das Marktpotenzial ist also immens. Bleibt die Frage, welche Investmentchancen sich daraus ergeben und welche Aktien von der Energiewende langfristig profitieren können. Was den Teilbereich Windkraft betrifft, favorisieren Analysten derzeit die Aktie von Vestas. Der dänische Weltmarktführer bei Windkrafträdern ist mit einem Umsatzplus von 29 Prozent und einer Verdoppelung des operativen Ergebnisses stark in das neue Jahr gestartet. Deutlich vorsichtiger sind die Expertenprognosen für den deutschen Wettbewerber Nordex. Das Hamburger Unternehmen hatte zuletzt mehrmals mit schwachen Geschäftszahlen enttäuscht. Nachdem die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten fast die Hälfte ihres Wertes verloren hat, sieht so mancher Analyst jedoch das Ende des Tunnels erreicht. Die Aktie sei zwar weiterhin spekulativ, habe aber das Potenzial für einen Turnaround, heißt es in einem Kommentar.


Quelle: Reuters



Aktien, auf die es zu achten gilt

Wer es weniger riskant mag, könnte an den beiden Technologieschwergewichten General Electric (GE) und Siemens Gefallen finden. Die beiden Konzerne sind nicht nur im Bereich der Windkraft gut aufgestellt, sondern verfügen auch über führende Positionen in den Segmenten Energieeffizienz und smarte Stromnetze. Auch bestimmte Versorger könnten vom Wachstum bei den erneuerbaren Energien profitieren. Anzuführen ist hier insbesondere die Aktie von Innogy. Der RWE-Ableger erzielte im vergangenen Jahr rund 13 Prozent seines operativen Ergebnisses in diesem Segment und möchte diesen Anteil in den kommenden Jahren noch weiter ausbauen.



Dem Beben bislang getrotzt

Und was ist mit Solaraktien? Zu den wenigen deutschen Branchenvertretern, die die Pleitewelle bislang unbeschadet überlebt haben, zählt SMA Solar. Zwar kam Aktie des Spezialisten für Photovoltaik-Systemtechnik im vergangenen Jahr ebenfalls schwer unter die Räder, zuletzt hat sich der Kurs jedoch wieder stabilisiert. Für die Gesellschaft spricht der hohe operative Cashflow, der gute Auftragseingang sowie die solide Eigenkapitalquote von 49,5 Prozent. Gleichwohl ist das Umfeld auch für SMA Solar infolge des anhaltend hohen Preisdrucks in der Branche überaus herausfordernd. So ging im ersten Quartal der Umsatz um 30 Prozent zurück. Das operative Ergebnis brach sogar um rund 60 Prozent ein. Zwar erwartet das Management in der zweiten Jahreshälfte eine deutlich bessere Geschäftsentwicklung, dennoch ist der Titel weiterhin als spekulativ einzustufen.


Quelle: Reuters

Kommentare (1)

Hoffmeister

24 Mai 2017 - 17:12

Neben dem CO2 spielt die weltweite Abholzung eine kaum beachtete und dennoch entscheidende Rolle bei der Klimaerwärmung.
Ich möchte Sie auf die Blogeinträge unter klimaneudenken.blogspot.com hinweisen. Im Endeffekt geht hieraus hervor, dass erneuerbare Energien mehr leisten als nur CO 2 Einsparung, da Sie nach diesem Ansatz sogar dazu beitragen können das Klima aktiv zum Besseren verändern

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