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Nahrungsmittelaktien: Wohl bekomms

Der europäische Lebensmittelsektor entwickelte sich in diesem Jahr bislang überdurchschnittlich gut. Grund genug, einige der Platzhirsche wie Nestlé, Danone und Unilever etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

 In Zeiten schwankungsanfälliger Börsen und nachlassender Konjunktur sind grundsätzlich   Unternehmen gefragt, die robuste Einnahmen, hohe Cashflows und solide Gewinne aufweisen und bei denen die Nachfrage vergleichsweise gering unter konjunkturellen Schwächephasen leidet. Defensive Werte eben. Zu dieser Gruppe zählen auch Titel aus dem Nahrungsmittelsektor (im Englischen als „Food and Beverage“ bezeichnet). Tatsächlich hat sich diese Branche in einem von Unsicherheiten geprägten Umfeld überdurchschnittlich gut entwickelt. So legte der Sektor-Index STOXX® Europe 600 Food & Beverage (Gross Return), der die größten börsennotierten europäischen Nahrungsmittel- und Getränkekonzerne enthält, seit Jahresanfang mit einem Plus von knapp 26 Prozent (zum Teil deutlich) stärker zu, als viele andere Branchen. Allerdings wurden einige der Gewinne in den vergangenen Wochen wieder abgegeben.

Vergleichsweise wenig volatil


Sehen lassen kann sich auch die langfristige Performance. So beläuft sich die annualisierte Wertentwicklung des STOXX® Europe 600 Food & Beverage (Gross Return) Index in den vergangenen fünf Jahren auf 11,6 Prozent pro Jahr. Der europäische Gesamtmarkt kam im gleichen Zeitraum im Schnitt hingegen nur um rund sechs Prozent pro Jahr voran. Bemerkenswert ist auch die relativ geringe Volatilität. Sie liegt auf Basis der vergangenen zwölf Monate bei 12,2 Prozent. Andere Branchen zeigten sich deutlich schwankungsanfälliger. Beim europäischen Automobilsektor zum Beispiel ist die 12-Monats-Volatilität nahezu doppelt so hoch (23,3 Prozent). In einem weiterhin von Unsicherheit geprägten Umfeld könnten sich die Aktien von Nahrungsmittel- und Getränkekonzernen daher als stabilisierender Faktor für das Depot erweisen. Anleger sollten auf europäischer Ebene insbesondere drei Titel im Auge haben: Nestlé, Danone und Unilever.


Nestlé liegt beim Konzernumbau voll im Plan


Mit einem Jahresumsatz von 91,4 Milliarden Schweizer Franken (83,3 Mrd. Euro), einem Nettogewinn von 10,1 Milliarden Schweizer Franken (9,2 Mrd. Euro) und so bekannten Marken wie Perrier, S.Pellegrino, Nesquik, KitKat, Nescafé, Maggi und Mövenpick ist Nestlé einer der weltweit ganz großen Player in der Lebensmittelbranche. Im Augenblick arbeiten die Schweizer eifrig an einer Optimierung ihres Produktportfolios. Unrentable beziehungsweise nicht strategische Geschäftsbereiche sollen abgegeben werden, in wachstumsstarke Felder soll dagegen Geld fließen. Auch Zukäufe werden nicht ausgeschlossen. Außerdem ist Nestlé bestrebt, das Tempo bei der Markteinführung neuer Produkte zu beschleunigen.


Bis zu 20 Milliarden Franken für die Aktionäre von Nestlé


Die Zahlen der ersten neun Monate fielen zufriedenstellend aus. Das organische Umsatzwachstum lag mit einem Plus von 3,5 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Besonders positiv entwickelten sich die Bereiche Tierfutter, Kaffee und Produkte für gesunde Ernährung. Hier legten die Erlöse überdurchschnittlich zu. Die solide Geschäftsentwicklung sowie die Fortschritte beim Konzernumbau sollen auch den Aktionären zugutekommen. So plant das Management im Zeitraum von 2020 bis 2022 bis zu 20 Milliarden Schweizer Franken (rund 18,2 Mrd. Euro) an die Anteilseigner auszuschütten, vornehmlich über Aktienrückkäufe. Gleichwohl hat Firmenchef Mark Schneider noch mit einigen Baustellen zu kämpfen. Vor allem das Geschäft mit Wasserprodukten, das rund zehn Prozent zum Konzernumsatz beiträgt, entwickelt sich seit geraumer Zeit enttäuschend. Der Aufsichtsrat hat daher jüngst beschlossen, das Wassergeschäft regional neu auszurichten und mit Wirkung zum 1. Januar 2020 als eine eigene strategische Geschäftseinheit zu führen.


Danone ist etwas aus der Spur geraten


Während die Aktie von Nestlé zuletzt neue historische Höchstmarken erreichte, kamen die Papiere des französischen Wettbewerbers Danone jüngst ziemlich unter die Räder. Schuld daran ist eine nach unten korrigierte Umsatzprognose. Im dritten Quartal 2019 lag das organische Umsatzwachstum mit einem Plus von 3,7 Prozent zwar über den Zuwächsen des ersten Halbjahres und über dem Jahreszielwert von 3,0 Prozent, allerdings scheint das Management mittlerweile nicht mehr daran zu glauben, dass die Zielvorgabe beim Umsatzwachstum vollumfänglich zu erreichen ist. Die neue Messlatte liegt nun bei 2,5 bis 3,0 Prozent. Immerhin: Die bereinigte operative Marge soll trotz steigender Kosten für Rohstoffe und Verpackung weiterhin bei über 15 Prozent liegen. Das in Paris ansässige Unternehmen sieht sich gut positioniert und strebt langfristig ein „starkes, profitables und nachhaltiges Wachstum“ an. Neben diesem Punkt haben bei Danone gemäß des strategischen Geschäftsplans die Verbesserung der Effizienz sowie eine disziplinierte Kapitalallokation höchste Priorität. Das Produktportfolio umfasst die Kategorien gesundheitsorientierte und medizinische Ernährung (zum Beispiel Fortimel), Milchprodukte (z. B. Actimel, Danone und Activia), Wasser (z. B. Evian und Volvic) und Babynahrung.




Unilever sieht fleischlose Ernährung als Megatrend


Das niederländisch-britische Unternehmen Unilever ist zwar kein reiner Nahrungsmittelhersteller, sondern auch in den Bereichen Haushaltswaren, Kosmetik, Körperpflege und Reinigungsprodukte tätig, allerdings entfallen fast 40 Prozent des Konzernumsatzes auf Lebensmittel und Erfrischungsprodukte. Dazu zählen Marken wie Knorr, Lipton und Magnum um nur einige zu nennen. Im dritten Quartal belief sich das organische Umsatzwachstum auf 2,9 Prozent, was etwas über den Erwartungen der Analysten lag. Bei Unilever ist man stolz auf die hohe Zahl an weiblichen Führungskräften. Dem Unternehmen zufolge sind 49 Prozent der Mitarbeiter mit Managementaufgaben Frauen. Interessant ist Unilever aber auch noch aufgrund eines anderen Aspekts. Denn der Konzern sieht fleischlose Ernährung als attraktives Wachstumsfeld. "Pflanzenbasierte Ernährung ist ein Megatrend, weshalb es unsere wichtigste Aufgabe ist, innerhalb der Kernmarken für vegane und vegetarische Alternativen zu sorgen", sagte Alan Jope gegenüber der „Financial Times“ (FT). Analystenlob erhält Unilever auch aufgrund seiner starken Präsenz in Schwellenmärkten, dem nachhaltigen Margenwachstum sowie der soliden Bilanz. Als Risiko werden die vergleichsweise geringe Zahl an Premiummarken sowie die steigende Konkurrenz durch lokale Wettbewerber in einigen wichtigen Märkten genannt.

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