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Highlight

Mit ADRs über den Tellerrand schauen

Der DAX® und seine 30 Mitglieder stehen bei vielen Anlegern hierzulande im Fokus. Doch die Performance vieler ausländischer Titel ist in den vergangenen Jahren oft besser gewesen. ADRs ermöglichen oft erst die Investition in diese Titel.

Eine deutsche Aktie an der New York Stock Exchange verkaufen, ohne sich dem vollständigen Zulassungsverfahren für eine Börsennotierung zu unterziehen, klingt erst einmal unmöglich. Jedoch gibt es Hinterlegungsscheine, sogenannte American Depositary Receipts (ADRs), die genau das erlauben. ADRs sind von einer amerikanischen Bank ausgegebene Hinterlegungsscheine, die stellvertretend für eine ausländische Aktie ausgegeben werden. Sie sind durch Hinterlegung der entsprechenden Aktien gesichert und werden häufig in US-Dollar notiert. So kann beispielsweise die deutsche SAP-Aktie mit einer eigenen ISIN (Wertpapierkennnummer) an der New York Stock Exchange gehandelt werden. Die Aktie wird in diesem Fall durch einen Hinterlegungsschein repräsentiert. Aber auch Unternehmen aus aller Welt, die sich in den USA listen lassen wollen, gehen den Weg über die ADRs.. Damit wird ein Anteil an einem Unternehmen verbrieft, ohne die eigentliche Aktie zu besitzen. SAP oder andere Unternehmen, die ADRs emittieren, hinterlegen dazu die Originalurkunde bei einer amerikanischen Bank.

Der erste ADR wurde 1927 ausgegeben, damit britische Unternehmen ihre Aktien ohne einen in Großbritannien stationierten Transferagenten in den USA listen konnten. Britische Wertpapiere durften das Land nicht verlassen. Mit der Repräsentation durch die ADRs konnte nun die Nachfrage der US-Investoren befriedigt werden. In der heutigen Form gibt es die Hinterlegungsscheine erst seit 1955.


Verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten


ADRs sind keine Aktien, sondern beinhalten nur das Recht auf eine Aktie. Genau wie bei diesen, bekommen die Käufer eines ADRs üblicherweise auch eine Dividende gezahlt, Stimmrechte eingeräumt sowie die Möglichkeit, an der Hauptversammlung teilzunehmen. Steuerlich werden ADRs wie Aktien behandelt, dementsprechend unterliegen Spekulationsgewinne der Abgeltungssteuer.

Das internationale Pendant zu den ADRs sind Global Depositary Receipts, auch GDRs abgekürzt. Dahinter steckt das gleiche Prinzip wie bei ADRs: ein verbrieftes Recht an einer Aktie, die stellvertretend für die Original-Aktie an verschiedenen Börsen gehandelt werden kann. Bei ADRs und GDRs gilt es aber auch, einige Dinge zu beachten. So gibt es für ADRs keine Vorschriften, in welchem Verhältnis sie zu der Originalaktie stehen müssen. Es gibt sowohl ADRs auf eine Aktie, als auch auf mehrere oder nur auf einen Bruchteil einer Aktie. Beim russischen Erdgasförderer Gazprom ist der Anteil der Aktien, die in ADRs getauscht werden dürfen, auf zehn Prozent begrenzt. Dadurch will der Staat die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Anleger sollten sich also vor dem Kauf des ADRs genau informieren, in welchem Verhältnis dieser die Aktie abbildet. Zum anderen gilt es zu berücksichtigen, ob die Originalaktie eine Vorzugs- oder Stammaktie ist, denn auch hier ist bei einem ADR beides möglich.


Mit und ohne Sponsor


Es gibt unterschiedliche Formen eines ADRs, den sponsored und den unsponsored ADR. Bei einem sponsored ADR-Programm ergreift das Unternehmen, also der Emittent, selbst die Initiative und trägt den Großteil der Kosten und die Depotbank verpflichtet sich lediglich dazu, die Hinterlegungsscheine herauszugeben und zurückzunehmen. Bei einem unsponsored ADR ergreift die Depotbank oder der Händler die Initiative. Da unsponsored ADRs an vielen Börsen nicht zum Handel zugelassen sind, gibt es sie nur selten.

Anleger, die in einen ADR investieren wollen, sollten sich vor der Anlageentscheidung genau über die Ausstattung eines ADRs informieren. Sie sind außerdem oft Basiswerte von Zertifikaten und Hebelpapieren und haben damit die gleiche Funktion wie eine herkömmliche Aktie. Oft ist die Handelbarkeit und Liquidität eines ADRs größer als die der Aktie im jeweiligen Heimatland, weil an den amerikanischen oder an den großen internationalen Börsen internationale Anleger zahlreich vertreten sind. Anleger können in dieser Hinsicht also ganz beruhigt Papiere erwerben, denen ein ADR oder GDR zugrunde liegt. Die große Akzeptanz und die hohe Liquidität sorgen für einen reibungslosen Handel.

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