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Medizintechnik: Ein Sektor mit gewissen Vorzügen

Die Medizintechnologie-Branche gilt als krisenfest und wachstumsstark zugleich. Der Platzhirsch in diesem Bereich ist Medtronic, aber auch deutsche Unternehmen wie Siemens Healthineers oder Fresenius Medical Care gehören zu den führenden Anbietern.

Die Medizintechnologie ist eine sehr interessante Branche auch aus Kapitalanlegersicht. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen gilt die Medizintechnik als überdurchschnittlich krisenfester Wirtschaftssektor, da die Nachfrage nach medizintechnischen Produkten und Dienstleistungen vergleichsweise wenig anfällig für konjunkturelle Schwankungen ist. Zum anderen gibt es in der Branche strukturell ein höheres Marktwachstum als es in defensiven Sektoren wie zum Beispiel der Nahrungsmittelindustrie. Die Wachstumsdynamik resultiert aus demografischen Trends wie der alternden Bevölkerung in Kombination mit der wachsenden Verbreitung von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Hinzu kommt, dass medizintechnische Verfahren auch bei der Pflege an Bedeutung gewinnen. Last, but not least sind Firmen aus der Medizintechnik nicht in dem Maße begrenztem Patentschutz und kostenintensiven klinischen Studien unterworfen wie die Pharmaindustrie.

Auf Fortschrift getrimmt

Die Medizintechnik ist ein breit gefächerter Sektor. Das Angebotsspektrum reicht vom einfachen Reagenzglas und Katheter über gehobene Anwendungen wie Gelenkimplantate und Schrittmachersysteme bis hin zu ausgefeilten Dialysetherapien und hochkomplexen Computertomographen. In den vergangenen Jahren wurden in vielen Bereichen enorme Fortschritte erzielt, die vor nicht allzu langer Zeit vermutlich noch als Utopie angesehen worden wären. Und die Entwicklung geht dynamisch weiter. Mikrosystemtechnik, Nanotechnologie, neue optische Technologien und auch die Digitalisierung werden nach Ansicht von Experten das Wachstum weiter vorantreiben (Quelle: Bundesverband Medizintechnik BVMed, Jahresbericht 2018/19).

Starkes Wachstum erwartet

Das britische Analysehaus EvaluateMedTech schätzt, dass der Markt für Medizintechnik bis 2024 durchschnittlich um 5,6 Prozent pro Jahr zulegen und dann ein Umsatzvolumen von 594,5 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Den größten Anwendungsbereich stellt dabei die In-Vitro-Diagnostik (IVD) dar. Unter diesem Begriff fallen Medizinprodukte, die zur medizinischen Laboruntersuchung von aus dem menschlichen Körper stammenden Proben verwendet werden – wie zum Beispiel Reagenzgläser oder Kalibriermaterial. Bis 2024 rechnet EvaluateMedTech hier mit einem Marktvolumen von 79,6 Milliarden US-Dollar. Die Neurologie wiederum wird nach Prognose der Marktforscher mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 9,1 Prozent pro Jahr voraussichtlich der am schnellsten wachsende Bereich sein (Quelle: EvaluateMedTech, „World Preview 2018, Outlook 2024“).



Medtronic will Umsatzwachstum beschleunigen

Das nach Umsatz weltweit größte Medizintechnikunternehmen ist Medtronic mit Hauptsitz im irischen Dublin. Bekannt ist das Unternehmen vor allem für seine Herzschrittmacher, implantierbare Kardioverter, Defibrillatoren, Herzklappen und Insulinpumpen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 (Mai 2018 bis April 2019) erzielte der Konzern einen Umsatz von 30,7 Milliarden US-Dollar. An der Börse entwickelte sich die Aktie nach einer eher durchwachsenen Phase zuletzt wieder dynamischer, was auch an den zuletzt positiven Geschäftszahlen liegen könnte. So steigerte das Unternehmen in dem am 25. Oktober 2019 zu Ende gegangenen zweiten Geschäftsquartal den Umsatz um drei Prozent auf 7,71 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich einen Umsatz von 7,64 Milliarden US-Dollar erwartet. Auch beim Ergebnis je Aktie (Non-GAAP) übertraf Medtronic mit einem Plus von 7,4 Prozent auf 1,31 US-Dollar knapp die Konsensschätzung (1,29 US-Dollar). Außerdem hob das Unternehmen seine Gesamtjahresprognose beim Ergebnis je Aktie von 5,54 bis 5,60 US-Dollar auf die neue Spanne von 5,57 bis 5,63 US-Dollar an. Für die Zukunft von Medtronic ist Firmenchef Omar Ishra optimistisch gestimmt. Er erwarte, dass sich die Investitionen in die Produktpipeline auszahlen und sich das Umsatzwachstum weiter beschleunige. Allerdings offenbarten die jüngsten Quartalszahlen auch eine Schwäche. In dem wichtigen Geschäftsbereich „Cardiac and Vascular Group“ (Herz und Gefäß Gruppe) war der Umsatz leicht rückläufig.

Siemens Healthineers will noch rentabler werden

Neben Branchengrößen wie Medtronic, Abbott Laboraties und Boston Scientific spielen auch einige deutsche Unternehmen im Bereich der Medizintechnik in der ersten Liga mit. Hier ist vor allem Siemens Healthineers zu nennen. Die Aktie bereitete den Anlegern mit starken Kursgewinnen zuletzt viel Freude. Mit dazu beigetragen haben einige gute Nachrichten. So hat das Unternehmen den Gewinn und die Umsatzrentabilität im vergangenen Geschäftsjahr (Stichtag: 30. September 2019) dank eines starken Schlussquartals deutlich gesteigert. Und auch in den kommenden Jahren soll der Wachstumskurs fortgesetzt werden. Angestrebt wird, dass das Ergebnis mittelfristig stärker zulegt als der Umsatz, was zu einer weiter steigenden Profitabilität führen würde. Die MDAX®-Firma ist bei bildgebenden Technologien (zum Beispiel Ultraschallsysteme, Computertomografie, Röntgengeräte) nach Umsatz weltweit die Nummer eins. Allerdings schwächelt seit geraumer Zeit das Geschäft mit der Labordiagnostik. Hier hinkt die Ergebnismarge (9,5 Prozent) den anderen beiden Geschäftsbereichen „Imaging“ (21,5 Prozent) und „Advanced Therapies“ (22,3 Prozent) weit hinterher.

Fresenius Medical Care profitiert von seiner Marktmacht

Ein weiteres deutsches Medizintechnik-Unternehmen von Weltrang ist Fresenius Medical Care, kurz FMC. Die Firma mit Hauptverwaltung in Bad Homburg ist mit einem Umsatz von 16,6 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 3,0 Milliarden Euro (jeweils 2018) der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen bei Dialysebehandlungen. Momentan betreut die DAX®-Gesellschaft in mehr als 4.000 Dialysekliniken über 342.000 Patienten. Zugleich ist Fresenius Medical Care mit 42 Produktionsstätten in mehr als 20 Ländern auch ein Schwergewicht bei Dialyseprodukten wie Dialysegeräten, Dialysatoren und damit verbundenem Einweg-Zubehör. Für die Aktie sprechen Kompetenz, Erfahrung und nicht zuletzt die Marktmacht als Weltmarktführer. Risiken könnten in der engen Regulierung des Geschäfts bestehen.

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