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Maschinenbau: Viel Schatten, wenig Licht

Wegbrechende Aufträge, rückläufige Produktion, abnehmende Auslastung – der deutsche Maschinen- und Anlagenbau befindet sich in einer Rezession. Die meisten Aktien aus dem Sektor haben dies zu spüren bekommen. Es gibt aber auch Unternehmen, die der Krise (bislang) trotzen.

Mit einem Jahresumsatz von rund 233 Milliarden Euro, mehr als 6.500 Unternehmen und 1,35 Millionen Beschäftigten gilt der Maschinen- und Anlagebau als Rückgrat der deutschen Industrie. In der Branche ist man stolz auf die hohe Innovationskraft der Betriebe, die breite Produktpalette sowie den exzellenten Ruf, den der deutsche Maschinen- und Anlagenbau bei Kunden im In- und Ausland genießt. Doch seit rund einem Jahr muss die erfolgsverwöhnte Branche herbe Rückschläge einstecken. So sank in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres die Produktion real um 1,8 Prozent. Die Kapazitätsauslastung fiel im Oktober auf 84 Prozent und damit unter die sogenannte „Wohlfühlzone“. Die größten Sorgen bereitet jedoch momentan der Auftragseingang. Er brach in den ersten zehn Monaten des zurückliegenden Jahres um neun Prozent ein, zuletzt (Oktober) sogar um elf Prozent. Mittlerweile klagt schon jeder dritte Betrieb über mangelnde Ordereingänge (Quelle: VDMA, Jahrespressekonferenz, 10. Dezember 2019).

 

Das Umfeld bleibt herausfordernd




Die Gründe für die Misere sind schnell gefunden. Da ist zum einen die nachlassende Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft. Zum anderen lasten zahlreiche Unsicherheitsfaktoren wie der Brexit, die weltweiten Handelsstreitigkeiten sowie der Strukturwandel in der Automobilindustrie auf der Branche. Das alles hat dazu geführt, dass viele Kunden ihre Investitionen zurückgestellt oder ganz gestoppt haben. Dass sich die Situation über Nacht zum Besseren wandelt, glaubt indes kaum jemand. So geht man beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, kurz VDMA, davon aus, dass auch im kommenden Jahr die Produktion um zwei Prozent rückläufig sein wird. Dann aber, so die Hoffnung bei der Branchenvereinigung, könnte der Boden gefunden sein. In einer zyklischen Branche seien Abschwünge normal, man kenne das und könne es bewältigen, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker vor Kurzem auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt.

Schwere Kursverluste




An der Börse hat die Krise bei zahlreichen Unternehmen aus dem Sektor zum Teil tiefe Kratzer hinterlassen. So schickte zum Beispiel eine (neuerliche) Gewinnwarnung den Kurs der Bauer AG im September sturzflugartig in den Keller. Der Schrobenhausener Hersteller von Spezialtiefbaugeräten leidet unter einer schlechten Auslastung, die aus der Verschiebung internationaler Projekte herrührt. Unter starken Kursdruck geraten sind auch viele Maschinenbauer, die hauptsächlich die Autoindustrie beliefern. So büßte etwa die Aktie des Spezialisten für Montagesysteme Aumann im vergangenen Jahr zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent ein. Aufgrund der ausgeprägten Investitionszurückhaltung im Autosektor sei der Auftragseingang in den ersten drei Quartalen 2019 um fast 30 Prozent auf 145,6 Millionen Euro zurückgegangen, heißt es im jüngsten Zwischenbericht (Q3 2019). Gegensteuern will Aumann der Krise durch eine Optimierung der Kostenstruktur sowie einer noch stärkeren Ausrichtung auf den Geschäftsbereich E-Mobility. Zuletzt erholte sich die Aktie von ihren Tiefstständen.

Die Trendwende geschafft?




Auch die Aktie von Dürr kam im letzten Jahr zwischenzeitlich stark unter die Räder. Immerhin: Der Produzent von Lackier- und Endmontageanlagen für den Autosektor zeigt sich zuversichtlich, die operativen Jahresziele trotz der erheblichen politischen und konjunkturellen Unsicherheiten zu erreichen. Mittlerweile hat sich auch dieser Titel von seinen Jahrestiefständen wieder deutlich erholt, wozu auch ein Auftrag von BMW für die Errichtung von drei neuen Lackieranlagen sowie einige positive Analystenkommentare beigetragen haben. Überaus volatil entwickelte sich in diesem Jahr die Aktie von Pfeiffer Vacuum. Noch im September schockte der Hersteller von Vakuumpumpen die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die Zahlen zum dritten Quartal fielen dann aber besser aus als erwartet. Außerdem kam zuletzt wieder etwas frischer Wind in die Auftragseingänge. Das hat dazu beigetragen, dass die Pfeiffer-Aktie auf Basis der vergangenen sechs Monate per Saldo zu den größten Gewinnern im Maschinenbau-Sektor gehört.



Der Krise getrotzt




Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine überaus heterogene Branche, die zahlreiche verschiedene Märkte bedient. Und nicht bei allen Unternehmen läuft es schlecht. Ein Beispiel hierfür ist die KION Group. So übertraf der Gabelstapler-Hersteller im dritten Quartal mit einem Umsatzplus von fast 14 Prozent und einem operativen Gewinnwachstum von rund 13 Prozent die Erwartungen des Marktes. Bei dem Unternehmen gebe es "noch keine Anzeichen von Schwäche", zitiert die Nachrichtenagentur dpa -AFX einen Analysten. Der jüngste Zwischenbericht sei eines der besten Zahlenwerke der Branche für das dritte Quartal (Quelle: dpa-AFX vom 24. Oktober 2019). Das Beispiel KION zeigt, dass selbst in einer kriselnden Branche wie dem Maschinenbau Kursgewinne möglich sind, wenn man nur auf das richtige Pferd setzt. Als Ganzes ist die Branche aber momentan noch sehr riskant. Interessant dürfte der Sektor erst  dann wieder werden, wenn die Auftragseingänge nachhaltig nach oben drehen. Die monatlichen Daten hierzu gibt es vom Branchenverband VDMA (www.vdma.de).




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