201812_Luxusmode_header

Highlight

Luxusmode: Vom Laufsteg ins Depot

Der Markt für hochpreisige Fashionartikel dürfte auch in den kommenden Jahren überdurchschnittlich wachsen. Das liegt vor allem an den zunehmenden E-Commerce-Aktivitäten der Label als auch an der Lust junger Chinesen auf Luxus. Welche drei Modeaktien derzeit eine gute Figur machen.

Wer einen schicken Anzug von Hugo Boss, ein hochwertiges Seidentuch von Hermès oder einen eleganten Damenmantel von Prada kauft, macht dies in der Regel in den herausgeputzten Edel-Boutiquen der Innenstädte. Gerade im Luxusmodesegment ist die betuchte Kundschaft ausgesprochen anspruchsvoll. Sie verlangen nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch einen ausgezeichneten Service rund um ihren Einkauf. Zwar dürfte auch in Zukunft der meiste Umsatz mit Luxusartikeln im stationären Einzelhandel gemacht werden, doch wer nicht mit der digitalen Zeit geht, könnte den Anschluss schnell verlieren. Zu diesem Ergebnisse kommt eine Studie der Managementberatung Bain & Company.



Online-Geschäft gewinnt an Bedeutung

Demnach führt auch bei Luxusgütern der Weg künftig deutlich häufiger über das Internet.
Schon jetzt würden rund 70 Prozent aller Premiumkäufe weltweit in Interaktion mit dem Internet erfolgen, heißt es in der Untersuchung. Interaktion bedeutet, dass die Kunden vor ihrer Kaufentscheidung mindestens die Webseite der Marke besuchen. Zwar liegt der Anteil der E-Commerce-Sales bei hochpreisigen Fashionartikeln momentan noch bei lediglich acht Prozent. Bis 2025 wird die Quote nach Prognose von Bain & Company jedoch auf rund 25 Prozent steigen. „Shops und Onlineplattformen – in Zukunft brauchen die Luxusmodemarken beides“, lautet das Fazit der Studie.



Junge Chinesen im Luxusrausch

E-Commerce ist der eine Trend, von dem neue Wachstumsimpulse für den Markt für hochwertige Fashion ausgehen dürften. Der andere hat mit neuen Käuferschichten zu tun. „Luxus wird zunehmend zum Lebensgefühl der Millenials“, prognostizieren die Experten von Bain & Company. Weltweit würden sich immer mehr junge Menschen für hochpreisige Kleidung, Accessoires und Kosmetik begeistern. Vor allem in China habe die modebewusste und von sozialen Medien geprägte junge Generation ihre Lust auf Luxus entdeckt. Um sensationelle 22 Prozent dürfte der Absatz von Premiummarken im Reich der Mitte in diesem Jahr in die Höhe schnellen. In Europa und den USA haben sich die Märkte seit Jahresbeginn zwar weniger dynamisch entwickelt, zeigen aber nach wie vor ein robustes Wachstum. Alles in allem steht die Branche ganz gut da. Um sechs bis acht Prozent schätzt Bain & Company das Umsatzplus in diesem Jahr. Bis 2025 gehen die Luxusexperten von einem weiter steigenden Marktvolumen zwischen vier und fünf Prozent pro Jahr aus.



Aussichtsreiche Aktien im Sektor

Angesichts der reizvollen Wachstumschancen sind Edelmarken auch an der Börse wieder in en vogue. Vor allem drei Aktien werden von Analysten derzeit gute Kurschancen zugetraut: Kering, PHV und Hugo Boss.



Kering: Mit Gucci auf der Überholspur

Mit Marken wie Gucci, Saint Laurent oder Bottega Veneta gehört die in Paris ansässige Kering-Gruppe zu den fünf größten Luxusmodekonzernen der Welt. Mit den Zahlen zum dritten Quartal hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten klar übertroffen. Der Umsatz aus den fortgeführten Aktivitäten legte um knapp 28 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu (Konsensschätzung: 22 Prozent). Vor allem bei Gucci brummt das Geschäft. Die Erlöse legten in dieser Sparte um 35 Prozent zu. Auch der Ausblick der Franzosen kann überzeugen. Demnach erwartet Kering-Chef François-Henri Pinault  im Schlussquartal ein Umsatzwachstum von 25 Prozent sowie eine weitere Margenverbesserung bei Gucci um 300 Basispunkte. Für das Unternehmen spricht die weltweit gute Positionierung. Rund ein Drittel seiner Einnahmen erzielt Kering mittlerweile in den asiatischen Luxusmärkten. Auch das Potenzial, dass sich aus E-Commerce ergibt, hat das Management offensichtlich erkannt. Bisher hat die Firma ihre Markenkleidung im Internet über Drittplattformen wie Net-A-Porter verkauft. Dieses Joint-Venture wurde nun gekündigt. Stattdessen soll die Verantwortung für das Online-Geschäft durch die Entwicklung eigner Web-Stores wieder zurück in das Unternehmen verlagert werden.


Quelle: Reuters

Nach Vorlage der Quartalszahlen bleibt die Aktie von Kering für das Research-Haus Kepler Cheuvreux weiterhin ein „Kauf“. Trotz der exzellenten Wachstumsraten zähle die Aktie weiterhin zu den günstigen Werten im Luxus-Sektor, heißt es in der Studie vom 24. Oktober 2018. Gleichwohl weisen die Experten auch auf gewisse Risiken hin. Vor allem von der mittlerweile sehr hohen Abhängigkeit von Gucci könnten Gefahren ausgehen, sofern sich das Comeback des Labels als nicht nachhaltig erweisen sollte.



PVH: Calvin Klein macht Sorgen

Nicht ganz so rund läuft es derzeit bei PVH. Die beiden größten Marken des US-Konzerns sind Calvin Klein unter Tommy Hilfiger. Dass sich die Aktie in den vergangenen Monaten relativ schwach entwickelt hat, liegt an den enttäuschenden Verkäufen bei Calvin Klein. Enttäuschend deshalb, weil PVH-Chef Emanuel Chirico dem Label für viel Geld einen neuen Anstrich verpasst hat, um bei jüngeren Käuferschichten besser zu punkten. Der Relaunch umfasst luxuriöse Konfektionsbekleidung wie übergroße Pullover, gefärbte Kleider und karierte Hosen. Genützt hat es anscheinend nichts. Im dritten Quartal legten die Erlöse bei Calvin Klein lediglich um zwei magere Prozent zu. Beim operativen Gewinn verzeichnete der Geschäftsbereich sogar einen Rückgang von 142 auf 121 Millionen US-Dollar.

Anders bei Tommy Hilfiger. Hier scheint PVH mit neuen Retro- und Streetwear-Kollektionen den Geschmack der Konsumenten voll getroffen zu haben. Der Umsatz erhöhte sich um elf Prozent, der operative Gewinn ist von 147 auf 177 Millionen US-Dollar gestiegen. Analysten haben die Hoffnung, dass PVH auch bei Calvin Klein wieder in die Erfolgsspur zurückfindet. „Die Produktlinien waren möglicherweise zu modern. Ich kann mir vorstellen, dass dies korrigiert wird", sagte Jessica Ramirez, Einzelhandelsanalysten bei Jane Hali & Associates gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Sie rechnet damit, dass es sich bei der Absatzschwäche nur um einen vorübergehenden „Schluckauf“ handelt.



Hugo Boss: Auf zu neuen Ufern!

Auf eine bewegte Vergangenheit blickt Hugo Boss zurück. Der deutsche Modekonzern hatte in den zurückliegenden Jahren mit zum Teil erheblichen Problemen zu kämpfen. Dass die Aktie dennoch wieder auf den Empfehlungslisten zahlreicher Analysten zu finden ist, ist vor allem auf den neuen, im November vorgestellten Strategieplan zurückzuführen. Ziel ist es, den Konzernumsatz bis 2022 um durchschnittlich fünf bis sieben Prozent pro Jahr zu steigern. Die operative Gewinnmarge soll bis dahin auf 15 Prozent zulegen.


Quelle: Reuters

Um die Vorgaben zu erreichen, wollen sich die Schwaben neu aufstellen. Unter anderem sieht Firmenchef Mark Langer enormes Potenzial im Ausbau des eigenen Onlinegeschäfts.  Der Internet-Umsatz soll sich bis 2022 vervierfachen. Auch ist der Vorstand überzeugt, dass in Asien noch erhebliches Wachstumspotenzial gehoben werden kann. Dort soll sich Umsatzanteil von aktuell rund 15 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2022 erhöhen. Die Umsatz- und Margenziele seien ehrgeizig, aber erreichbar, heißt es in der Studie des Analysehauses RBC. Dies und die niedrige Bewertung würden für einen steigenden Kurs sprechen.

 

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.