Corner

Keine Entwarnung an der Zinsfront

Die jüngsten EZB-Beschlüsse sind eine Enttäuschung für alle, die auf ein baldiges Ende der Nullzinspolitik gehofft haben. Wann die Zinswende kommt, steht mehr denn je in den Sternen. Für Sparer wird das immer mehr zu einem Problem. Aktien könnten eine Alternative darstellen.

Die EZB hat es schon wieder getan! Nachdem der Notenbankrat erst im März beschlossen hat eine Zinswende bis Ende 2019 zu verschieben, legte die EZB auf ihrer Juni-Sitzung nach. Demnach werden die Leitzinsen jetzt mindestens bis Mitte des Jahres 2020 unverändert bei 0 Prozent belassen. Zwar wurde mit einer erneuten Verlängerung der sogenannten Forward Guide gerechnet, aber nicht schon zu so einem frühen Zeitpunkt.

Lockerung statt Normalisierung

Dies ist aber noch nicht alles, was es vom jüngsten geldpolitischen Meeting zu berichten gibt. Denn auf der anschließenden Pressekonferenz ließ EZB-Chef Mario Draghi durchblicken, dass einzelne Ratsmitglieder vorgeschlagen hätten, die Geldpolitik angesichts enttäuschender Inflations- und Konjunkturprognosen weiter zu lockern. Zur Diskussion steht zum Beispiel den Einlagenzins - den die EZB von Banken für geparkte Gelder verlangt - von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent zu senken. Und auch eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms steht offensichtlich zur Disposition.

Gerade letzterer Punkt wäre für viele Volkswirte jedoch der falsche Weg: „Eine Rückkehr zum Anleihekaufprogramm unter den alten Bedingungen wäre ein verheerendes Signal an Italien, das gerade durch das neue Defizitverfahren von der Europäischen Kommission zur Ordnung gerufen worden ist“, warnt zum Beispiel Friedrich Heinemann, Ökonom beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wenn die EZB dem Land signalisiere, so Heinemann, dass Defizite wieder finanziert würden, dann gäbe dies der fiskalischen Verantwortungslosigkeit weiter Auftrieb.

Realer Vermögensverlust für Sparer

Ungeachtet dessen, ob ein neues Kaufprogramm kommt oder nicht: Die jüngsten EZB-Beschlüsse haben es in sich. Denn eine Normalisierung der Geldpolitik oder gar eine Zinswende sind in sehr weite Ferne gerückt. Mittlerweile rechnet kaum ein Analyst mehr damit, dass die Nullzinspolitik vor 2021 ein Ende findet. Für Anleger bedeutet dies: Die Ära historisch niedriger Zinsen geht auf unbestimmte Zeit in die Verlängerung. Doch gerade das wird für viele Sparer immer mehr zu einer Belastung. Denn noch immer legen die Deutschen ihr Geld bevorzugt in Bank- oder Spareinlagen an. Mehr als zwei Billionen Euro – das sind über 40 Prozent ihres gesamten Geldvermögens – werden auf diese Weise gehortet. Das Problem: Die Realzinsen auf solche Anlagen (dies ist der um die Inflationsrate bereinigte Zins) sind schon seit Jahren im negativen Bereich. Negative Realzinsen wiederum bedeuten, dass die Kaufkraft des Geldvermögens schrumpft.



Bessere Rezepte sind gefragt

Was also tun? Keine wirklich gute Alternative stellen im Augenblick Bundesanleihen dar. Deren Rendite ist nach dem jüngsten EZB-Meeting noch tiefer in den negativen Bereich gerutscht. Will heißen: Auch mit solchen Papieren verzeichnen Anleger derzeit einen realen Vermögensverlust. Einen Ausweg aus dem Zinsdilemma könnten Aktien darstellen. Diese verfügen zwar über ein Schwankungsrisiko. Längerfristig – das belegen zahlreiche Studien – überwiegen jedoch die Renditevorteile. So kommt zum Beispiel eine Untersuchung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zu dem Ergebnis, dass eine DAX®-Anlage bei einem Anlagezeitraum von 15 Jahren immer eine positive Rendite erbracht hat, egal zu welchem Zeitpunkt das Geld investiert wurde (Betrachtungszeitraum: 1969 bis 2018).

Zwar lassen sich historische Betrachtungen wie die des Deutschen Aktieninstituts nicht (ohne Weiteres) in die Zukunft fortschreiben. Dennoch sollten Aktienanlagen trotz der damit verbundenen Risiken verstärkt in Erwägung gezogen werden. So liegt bei vielen Titeln allein die Dividendenrendite weit über dem Niveau von verzinslichen Anlagen. Beim DAX beläuft sie sich derzeit auf 3,1 Prozent, beim EURO STOXX 50 sogar auf 3,5 Prozent (Stand: 12. Juni 2019).

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.