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Trading

Kapitalmärkte gönnen sich Ablenkung von der Weltpolitik

Politische Unsicherheiten und die zurückkehrende Inflation haben dafür gesorgt, dass die so genannte Trump-Rally an den Börsen an Schwung verloren hat und sich Anleger verstärkt Sicherheitsinvestments wie Gold zugewendet haben. Mit dem Start der Berichtssaison zum ersten Quartal 2017 könnten jedoch Unternehmensnachrichten stärker in den Fokus geraten.

Zuletzt sorgten Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks für gute Nachrichten. Sollten erneut überraschend stark steigende Gewinne und gute Wachstumskennzahlen zu Buche stehen, könnte dies die Kurse an der Börse erneut beflügeln. In dieser Woche berichten unter anderem Goldman Sachs, Yahoo (Dienstag); Zalando, eBay (Mittwoch); Nestlé, Unilever und Visa (Donnerstag).



Goldman Sachs: Erneuter Stimmungsumschwung


Nachdem der US-Aluminiumkonzern Alcoa zuletzt immer mehr an Bedeutung verloren hat, wird der Start der US-Berichtssaison nun noch stärker von Finanzwerten dominiert. Am Dienstag ist Goldman Sachs an der Reihe. Genauso wie die anderen Branchenvertreter profitierten die Goldmänner auch von der Aussicht auf steigende Zinsen und der Kursrallye an den Aktienmärkten. Allerdings nahm die Euphorie zuletzt merklich ab. Nach der gescheiterten Gesundheitsreform fragen sich Anleger, ob der neue US-Präsident Donald Trump in der Lage sein wird, seine ambitionierten Vorhaben (Steuersenkungen, Infrastrukturausgaben, weniger Regulierungsvorschriften) so umzusetzen, wie er es versprochen hat. Möglicherweise kann Goldman Sachs mit den neuesten Geschäftsergebnissen selbst für gute Stimmung an der Wall Street sorgen.

Update Goldman Sachs: Gewinnverdopplung reicht nicht aus
Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten und die Rally an den Aktienmärkten hatten US-Banken wie Goldman Sachs 2016 einen starken Schlussspurt beschert. Im Gegensatz dazu fiel der Jahresauftakt 2017 für die US-Bank enttäuschend aus. Für das erste Quartal 2017 wies Goldman Sachs einen bereinigten Gewinn je Aktie in Höhe von 5,15 US-Dollar aus, während Analysten laut Reuters-Konsens im Schnitt mit einem Wert von 5,31 US-Dollar gerechnet hatten. Die Umsätze lagen ebenfalls unter den Markterwartungen. Dabei konnte Goldman Sachs den Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,26 Mrd. US-Dollar in etwa verdoppeln. Ein enttäuschend ausgefallener Anleihenhandel verhinderte noch bessere Ergebnisse.


Quelle: Reuters, Kurs in USD



Yahoo: Ende einer Ära


Am Dienstagabend, nach US-Börsenschluss, wird der einstige Internetpionier Yahoo seine neuesten Quartalsergebnisse präsentieren. Interessanter als die jüngsten Zahlen scheint derzeit jedoch die Zukunft des Unternehmens zu sein. Nach der Übernahme durch den US-Telekommunikationsriesen Verizon werden bereits Namen für die zukünftige Unternehmenssparte durchgespielt. Diese soll aus Yahoo sowie der Verizon-Tochter AOL bestehen und eventuell „Oath“ heißen. Aufgrund einiger Hackerangriffe hatte sich der Kaufpreis, den Verizon für Yahoo bezahlen muss, reduziert. Im Sommer soll das Geschäft dann abgeschlossen sein. Mit Interesse schauen Anleger zudem auf die Höhe der Abfindung für die langjährige Yahoo-Chefin Marissa Mayer.

Update Yahoo: „Bestmögliche Verschmelzung“
Während Anleger vor allem auf die anstehende Übernahme des Yahoo-Kerngeschäfts durch das US-Telekommunikationsunternehmen Verizon schauen, präsentierte der Internet-Pionier noch einmal Quartalsergebnisse. Während die Umsätze im März-Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahr um 22,1 Prozent auf 1,3 Mrd. US-Dollar gesteigert wurden, lag der Nettogewinn bei 99 Mio. US-Dollar. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Verlust in Höhe von 99 Mio. US-Dollar ausgewiesen. Auch in dem gerade begonnen zweiten Quartal, dem letzten als eigenständiges Unternehmen, will Yahoo laut Unternehmensprognose ähnlich auftrumpfen wie zu Jahresbeginn. Danach wird die bestmögliche Verschmelzung mit Verizon angestrebt.


Quelle: Reuters, Kurs in USD



Zalando: Warten auf den Ausbruch


Der Online-Versandhändler Zalando konnte im vierten Quartal 2016 erstmals die Umsatzmarke von einer Milliarde Euro für einen Dreimonatszeitraum knacken. Trotz dieses Meilensteins und eines rasanten Wachstumskurses kam die im MDAX® gelistete Zalando-Aktie in den vergangenen Wochen und Monaten nicht richtig vom Fleck. Einigen Investoren sind die hohen Investitionen ein Dorn im Auge. Sie hätten sich möglicherweise eine höhere Konzentration auf die Unternehmensgewinne gewünscht. Am Mittwoch wird Zalando seine Zahlen für das Auftaktquartal 2017 vorlegen. Es bleibt abzuwarten, ob das Unternehmen damit für den erhofften Ausbruch sorgen kann.

Update Zalando: Wachstumskurs wird fortgesetzt
Der Online-Modehändler Zalando konnte Anfang 2017 erneut stark wachsen. Das MDAX®-Unternehmen steigerte die Umsätze laut vorläufigen Zahlen zwischen Januar und März gegenüber dem Vorjahr um 22,0 bis 24,0 Prozent auf 971 bis 987 Mio. Euro. Für den gleichen Zeitraum erwartet Zalando ein bereinigtes EBIT in Höhe von 10 bis 30 Mio. Euro. Das entspricht einer bereinigten EBIT-Marge von 1,0 bis 3,0 Prozent. Im Vorjahr lagen die entsprechenden Werte bei 20,2 Mio. Euro bzw. 2,5 Prozent. Darüber hinaus bestätigte Zalando seine Jahresprognose, den Umsatz um 20 bis 25 Prozent zu steigern und eine bereinigte EBIT-Marge zwischen 5,0 bis 6,0 Prozent zu erzielen. Zalando gibt die endgültigen Geschäftszahlen für das erste Quartal 2017 planmäßig am 9. Mai 2017 bekannt. Allerdings kamen die vorläufigen Zahlen am Markt nicht besonders gut an. Unter anderem weil sich einige Investoren auf der Ergebnisseite mehr gewünscht hatten.


Quelle: Reuters



eBay kommt gut zurecht


Der Betreiber des gleichnamigen Online-Marktplatzes eBay hat zuletzt gezeigt, dass er auch ohne den Bezahldienstanbieter PayPal gut zurechtkommen kann. Für das gerade zu Ende gegangene erste Quartal 2017 gehen Analysten laut Capital-IQ-Konsens von einem leichten Gewinnanstieg von 47 auf 48 Cents (bereinigtes EPS) aus. Für die kommenden Quartale und das laufende Gesamtjahr werden von Analystenseite ebenfalls Gewinnsteigerungen in Aussicht gestellt. Helfen soll auch eine Umstrukturierung der Aktivitäten auf dem Wachstumsmarkt Indien. Während der dortige eBay-Marktplatz an den heimischen Anbieter Filpkart geht, beteiligt sich eBay mit anderen Unternehmen wie Tencent aus China oder Microsoft an dem Startup, um gegen Amazon und Alibaba vorzugehen.

Update eBay: Ausblick trübt die Anlegerstimmung
eBay konnte ein überzeugendes erstes Quartal des Geschäftsjahres 2017 verbuchen und die Markterwartungen schlagen. Allerdings enttäuschte der Ausblick auf das laufende zweite Quartal. Außerdem dürften einigen Investoren die wachsenden Marketingausgaben ein Dorn im Auge gewesen sein. Das Unternehmen stellt für das zweite Quartal einen bereinigten Gewinn je Aktie in Höhe von 43 bis 45 Cents in Aussicht. Analysten rechneten zuletzt laut Reuters-Konsens jedoch mit einem Wert von 47 Cents. Im Auftaktquartal lag das bereinigte EPS bei 49 Cents, während die Prognosen laut Capital-IQ-Konsens im Schnitt bei 48 Cents lagen.


Quelle: Reuters, Kurs in USD



Nestlé: Der Start ist wichtig


Nestlé enttäuschte Anleger zuletzt immer wieder mit einem relativ schwachen Wachstum. 2016 lagen die Umsatzerlöse bei 89,5 Mrd. CHF. Organisch konnte der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller lediglich um 3,2 Prozent wachsen. Dabei hatten sich die Schweizer lange Zeit ein durchschnittliches jährliches Wachstum in Höhe von 5 bis 6 Prozent vorgenommen. Für 2017 wird gerade einmal ein Plus von 2 bis 4 Prozent in Aussicht gestellt. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts soll die Wachstumsrate jedoch wieder im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Darüber hinaus soll kräftig gespart werden. Zur Steigerung der Profitabilität werden die Restrukturierungskosten im Jahr 2017 deutlich erhöht. Daher erwartet Nestlé im laufenden Geschäftsjahr lediglich eine stabile operative Ergebnismarge. Immerhin soll der nachhaltige Gewinn je Aktie ansteigen, so dass es im kommenden Jahr die 23. Dividendenerhöhung geben könnte. Umso gespannter werden Investoren darauf schauen, wie der Jahresauftakt verlaufen ist.

Update Nestlé: Guter Auftakt
Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestlé hatte Anleger zuletzt mehrfach mit seinen Wachstumszahlen enttäuscht. Im Gegensatz dazu konnten die Schweizer mit den Ergebnissen für das Auftaktquartal 2017 mit einer positiven Überraschung aufwarten. Die Umsatzerlöse lagen bei 21,0 Mrd. CHF. Damit konnte Nestlé organisch um 2,3 Prozent wachsen. Die Wachstumsrate befindet sich in der vom Unternehmen für das Gesamtjahr 2017 ausgegebenen Zielspanne von 2 bis 4 Prozent. Konzernchef Mark Schneider bezeichnete das Wachstum in Asien und die Robustheit der Konsumausgaben in Europa als ermutigend. Zumal einige Sonderfaktoren berücksichtigt werden mussten. Die Konsumnachfrage in Nord- und Südamerika blieb dagegen schwach. Die 2017er-Jahresziele wurden jedoch bestätigt.


Quelle: Reuters, Kurs in CHF



Unilever lehnt dankend ab


Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern wäre um ein Haar Teil einer milliardenschweren Übernahmegeschichte geworden. Zu Jahresbeginn hatte der US-Konkurrent Kraft Heinz die schwindelerregende Summe von 143 Mrd. US-Dollar für Unilever geboten. Das Unilever-Management lehnte jedoch dankend ab. Die Anteilseigner, die möglicherweise eine Übernahme gerne gesehen hätten, sollen wiederum mit einem ambitionierten Sparprogramm, Aktienrückkäufen und einer höheren Ausschüttung besänftigt werden. Möglicherweise kann das Unternehmen bereits mit der Bekanntgabe der neuesten Quartalsergebnisse am Donnerstag für gute Stimmung sorgen.

Update Unilever: Schwellenländer als Wachstumstreiber
Der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern Unilever konnte einen soliden Start in das Geschäftsjahr 2017 verkünden. Zwischen Januar und März kletterten die Umsätze um 6,1 Prozent auf 13,3 Mrd. Euro. Unilever bleibt auch für das Gesamtjahr optimistisch, stärker als der Gesamtmarkt wachsen zu können. Das Marktwachstum wird vonseiten des Managements bei 3 bis 5 Prozent gesehen. Diesen Wert will Unilever übertreffen. Dabei profitierte das Unternehmen zu Jahresbeginn sowohl von positiven Wechselkurseffekten als auch von Preissteigerungen. Zu den Umsatzsteigerungen haben in erster Linie die Geschäfte in den Schwellenländern beigetragen. Darüber hinaus durften sich die Anteilseigner über einen Anstieg der Quartalsdividende um 12 Prozent auf 0,3585 Euro freuen.


Quelle: Reuters



Visa: Was macht die Konsumlaune?


In einer aktuellen Studie kommt das US-Kreditkartenunternehmen Visa zu dem Ergebnis, dass der Brexit und eine höhere Inflation dazu geführt haben, dass das Wachstum der Konsumausgaben in Großbritannien abgenommen hat. Wie gut für Visa, dass sich das Unternehmen weiterhin auf die Konsumlaune in anderen Märkten verlassen kann. Allen voran auf dem heimischen US-Markt. Am Donnerstag wird Visa seine neuesten Quartalsergebnisse vorlegen. Dann werden Anleger sehen können, wie die Konsumstimmung zu Jahresbeginn war und wie gut die Visa-Geschäfte gelaufen sind. Laut Capital-IQ-Konsens gehen Analysten im Schnitt von einem Anstieg des bereinigten Gewinns je Aktie gegenüber dem Vorjahr von 68 auf 79 Cents aus.

Update Visa: Anteilseigner dürfen sich freuen
Das US-Kreditkartenunternehmen Visa konnte starke Ergebnisse für das zweite Quartal des Fiskaljahres 2016/2017 (Ende März) verbuchen. Restrukturierungsaufwendungen in Bezug auf die Übernahme von Visa Europe drückten zwar den Nettogewinn auf 430 Mio. US-Dollar (Vorjahr 1,7 Mrd. US-Dollar). Dagegen lag der bereinigte Nettogewinn bei 2,1 Mrd. US-Dollar bzw. 86 Cents je Aktie. Laut Capital-IQ-Konsens gingen Analysten im Schnitt von einem Anstieg des bereinigten Gewinns je Aktie gegenüber dem Vorjahr von 68 auf lediglich 79 Cents aus. Visa konnte jedoch nicht nur die Markterwartungen schlagen. Die Anteilseigner dürfen sich über ein 5 Mrd. US-Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm freuen.


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Im Laufe der Woche finden Sie dann an dieser Stelle Updates dazu, wie die einzelnen Unternehmensergebnisse ausgefallen sind.

Weitere Quartalsberichte in dieser Woche:
DienstagBank of America, Casino Guichard Perrachon, Johnson & Johnson, IBM
MittwochAkzo Nobel, American Express, ASML, Heineken, Qualcomm, TomTom
DonnerstagMichelin, Verizon, Zodiac
FreitagBB Biotech, General Electric, Nextera, Schlumberger, Software AG

 

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