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Kalte Öldusche

Der Ölpreis kletterte zuletzt bis auf 70 US-Dollar, doch eine immer größer werdende US-Produktion dämpft die Hoffnungen auf weitere Preissteigerungen. Selbst von einem gestiegenen Ölpreis können die Aktien von Öl-Unternehmen nur bedingt profitieren – ein Vorbote für schlechtere Zeiten?

Nach dem Tief vom Juni 2017 hat der Ölpreis eine beachtliche Trendwende hingelegt. Die Notierung für die Sorte WTI war auf 43 USD pro Barrel gefallen und die für die für Brent-Öl auf 45 USD, bevor die beschlossenen Produktionskürzungen der OPEC sowie weiterer Nicht-Kartellländer wie Russland gegriffen haben. Bei gleichbleibender Nachfrage haben sich die Preise im 2. Halbjahr 2017 dann erholt. WTI ist um fast 50 Prozent auf 65 USD hochgeschnellt und Brent gar auf 70 USD in der Spitze. Weniger Angebot bis mindestens 2019 – wie es die OPEC versprochen hat – schnell schrumpfende Vorräte und eine stabile Nachfrage auf hohem Niveau - Was sollte dem Ölmarkt jetzt noch gefährlich werden? 


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Genau das sind aber die Situationen, die gefährlich werden können. Die Weltwirtschaft wächst in zahlreichen Regionen robust, aber die guten Wirtschaftsdaten sind bekannt und damit zum großen Teil eingepreist. Weniger stark sind die Risiken für den Ölpreis beachtet worden, die zum jüngsten Einbruch von rund fünf USD bei Brent und WTI geführt. Die Ölpreise könnten vor einer weiteren kalten Dusche stehen, weil die Amerikaner so viel Öl wie selten zuvor produzieren. Ölproduzenten in den USA bringen derzeit Rekordmengen zu hohen Preisen auf den Markt. Laut US-Energiebehörde (EIA) beläuft sich die tägliche Produktion im Land auf über zehn Millionen Barrel pro Tag. So große Tagesmengen wurden zuletzt im Jahr 1970 in die Raffinerien gepumpt. 

Die USA werden zum Energieexporteur

Dass der Ölpreis daher das Niveau bei 70 USD auf lange Sicht wird halten können, ist daher eher unwahrscheinlich. Die intensive Ölförderung in den USA dürfte anhalten. Die EIA hat ihre Prognose für dieses und die kommenden Jahre erhöht. Demzufolge wird die Ölproduktion noch in diesem Jahr auf durchschnittlich 10,6 Mio. Barrel pro Tag steigen, bisher lag die Schätzung bei 10,3 Mio. Barrel pro Tag. Das Produktionsniveau von 11 Mio. Barrel am Tag soll nun schon Ende 2018 erreicht werden und damit ein Jahr früher als bislang erwartet. Zudem geht die EIA davon aus, dass die USA bis zum Jahr 2022 und damit erstmals seit Jahrzehnten wieder zum Netto-Energieexporteur werden. Das liegt an der zu erwartenden deutlichen Produktionssteigerung bei Schieferöl, aber auch von Schiefergas.
 
Rekordpositionen am Terminmarkt sind ein Kontraindikator

Auch kurzfristig konnten positive Entwicklungen den Ölpreisverfall nicht aufhalten. So hat die robuste Konjunkturentwicklung in China zwar zu rekordhohen Öleinfuhren im Januar geführt, aber eine Ölpreiserholung konnte dadurch nicht ausgelöst werden. Hinzu kommt, dass Anleger an den US-Terminmärkten zuletzt sowohl bei Brent als auch bei WTI rekordhohe Netto-Long-Positionen eingenommen haben, also bereits kräftig auf steigende Ölpreise setzen. Dadurch hat die Anfälligkeit für sinkende Kurse zugenommen, da Anschlusskäufe durch die bereits bestehenden großen Kaufpositionen (Long) schwieriger werden. 


Quelle: Reuters, Kurs in USD

In diesem Umfeld schwächeln auch die Öl-Unternehmen, obwohl sie zuletzt ihre Unternehmensergebnisse steigern konnten. Im abgelaufenen Quartal haben Total, BP und Royal Dutch Shell dank eines gestiegenen Ölpreises ihre Gewinne steigern können, teilweise sehr deutlich. Das gelang auch der US-Konkurrenz von ExxonMobil und Chevron, allerdings lagen die Gewinne dort unterhalb der Analystenerwartungen. Die Konzerne haben Jahre des Umbaus, der Stellenreduktion sowie der Investitionskürzungen hinter sich. Das hat sich vor dem Hintergrund gestiegener Ölpreise etwas geändert. Insbesondere die beiden US-Unternehmen fangen wieder an, Investitionsprojekte anzuschieben. Allerdings könnte ein sinkender Ölpreis auch für sie und ihren Aktienkurs eine kalte Dusche bedeuten. 

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