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Japans Dilemma mit dem Yen

Obwohl die japanische Währung in diesem Jahr deutlich aufgewertet hat, zog Nippons Export zuletzt wieder an. Doch der Schein trügt. Das zeigt ein Blick in die Bilanzen der japanischen Autokonzerne. Vor allem bei Toyota hat die Yen-Stärke hässliche Kratzer hinterlassen.

Japan ist manchmal ein rätselhaftes Land. Das dürften sich auch viele Marktteilnehmer gedacht haben, als die Regierung in Tokio vor Kurzem die Zahlen für die Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal 2016 präsentierte. Demnach legte Nippons Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 Prozent zu. Damit hat sich das Wachstum im Vergleich zum Vorquartal nicht nur beschleunigt, sondern auch die Erwartungen der Volkswirte deutlich übertroffen, die im Schnitt laut Reuters lediglich mit einer annualisierten Zuwachsrate von 0,9 Prozent gerechnet hatten. Positiv wurde insbesondere die Entwicklung bei den Exporten bewertet. Um zwei Prozent erhöhten sich Japans Ausfuhren gegenüber dem Vorquartal. Das war mit Blick auf die Wechselkursentwicklung nicht zu erwarten. Denn gegenüber dem US-Dollar und dem Euro hat der japanische Yen seit dem Frühjahr prozentual zweistellig an Wert gewonnen. So stark wie derzeit präsentierte sich Japans Währung seit Ende 2012 nicht mehr. Das ist nicht gut für eine Exportnation wie Japan. Denn eine starke Heimatwährung verteuert die Waren im Ausland, worunter der Export und damit auch die Wirtschaft leidet. Im vergangenen Jahr lag der Anteil der japanischen Ausfuhren am gesamten Bruttoinlandsprodukt bei rund 17 Prozent. Der Export stellt damit eine wichtige Säule für Wohlstand und Wachstum im Land der aufgehenden Sonne dar. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass Japans Regierung unter Premierminister Shinzo Abe außerordentlich darum bemüht ist, die eigene Währung schwach zu halten.



Der schöne Schein täuscht


In Vergangenheit war Abes Wirtschafts- und Währungspolitik, auch als Abenomics bezeichnet, durchaus von Erfolg gekrönt. Von Mitte 2012 bis Mitte 2015 verbilligte sich der Yen gegenüber dem US-Dollar in der Spitze um bis zu 40 Prozent. Der Export blühte auf, was unter anderem dafür sorgte, dass die Wirtschaft auf dem Inselreich zumindest zwischenzeitlich wieder auf die Füße kam. Doch seit geraumer Zeit droht das Land in die Deflation zurückzufallen. Als eine besondere Gefahr wird in diesem Zusammenhang auch die Aufwertung des Yen erachtet. Die Regierung in Tokio dürfte daher mit dem augenblicklichen Wechselkursniveau alles andere als glücklich sein. Daran ändern auch die scheinbar guten Exportdaten im dritten Quartal nichts. Zwar erholten sich die Ausfuhren (wie bereits erwähnt) gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent, gegenüber der Vorjahresperiode fielen sie aber immer noch um 0,4 Prozent geringer aus. Und es wäre vermutlich noch schlimmer gekommen, hätte nicht ein Sondereffekt in Form von stark gestiegenen Auslieferungen von elektronischen Bauteilen für Smartphones der Exportbilanz auf die Beine geholfen.



Starker Yen verhagelt die Bilanz von Toyota


Für Anleger lohnt sich neben einem Blick auf die jüngsten gesamtwirtschaftlichen Daten auch  ein direkter Blick in die Bilanzen von Japans Konzernen, insbesondere in die der Autobauer, da diese in besonderem Maß auf den Export angewiesen sind. Und hier sieht es weniger erfreulich aus. Beispiel Toyota: Im abgelaufenen Quartal (Juli bis September) schrumpfte der operative Gewinn des größten Autoherstellers der Welt um 43 Prozent auf 475 Milliarden Yen (etwa 4,1 Mrd. Euro). Der Umsatz ging um neun Prozent auf 6,48 Billionen Yen (55 Mrd. Euro.) zurück. Maßgeblich für die Ergebnisverschlechterung, die sich seit dem Frühjahr noch beschleunigt hat, war die Aufwertung der japanischen Währung. Diese verteuert nicht nur den Export japanischer Autos, sondern verringert in den Bilanzen auch den in Yen umgerechneten Ergebnisbeitrag des Auslandgeschäfts. Nach Angaben von Toyota drückten die negativen Währungseffekte den operativen Quartalsgewinn um 330 Milliarden Yen (2,8 Mrd. Euro), wobei der Großteil davon (195 Milliarden Yen) auf die unvorteilhafte Wechselkursentwicklung gegenüber dem US-Dollar zurückzuführen ist. Da fällt es kaum auf, dass Toyota in der Berichtsperiode die operativen Kosten um 130 Milliarden Yen (1,1 Mrd. Euro) senken konnte.


Quelle: Reuters, Wertentwicklung in Prozent



Auch Nissan und Honda leiden


Der starke Yen macht sich nicht nur bei Toyota bemerkbar. Auch bei Nissan Motor sank der operative Gewinn im abgelaufenen Quartal um 19 Prozent. Der Umsatz rutschte im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent ab. Etwas anders verhält es sich bei Honda. Zwar meldete der zweitgrößte Autobauer Japans für die besagte Periode ebenfalls einen wechselkursbedingten Umsatzrückgang von knapp zehn Prozent. Doch weil das Unternehmen die Kosten drastischer gesenkt hat als seine Wettbewerber und im Vergleich zum Vorjahr weniger Geld für den Austausch defekter Airbags ausgeben musste, legte der operative Gewinn um 38 Prozent auf 228 Milliarden Yen zu (1,9 Mrd. Euro). Gleichwohl hätte es noch deutlich mehr sein können, hätten nicht auch bei Honda negative Währungseffekte den operativen Gewinn mit 102 Milliarden Yen belastet (0,9 Mrd. Euro).



Ist beim Yen eine Trendwende in Sicht?


Die Daten zeigen, wie anfällig japanische Exporteure von Wechselkursbewegungen sind. Wie es mit japanischen Aktien weitergeht, wird daher im besonderen Maße auch von der Entwicklung des Yens abhängen. Immerhin: Seit Kurzem können Japans Autobauer wieder etwas aufatmen. Denn mittlerweile hat der Yen gegenüber dem US-Dollar wieder etwas an Wert eingebüßt, was den Aktienkursen von Toyota, Honda und Nissan prompt Auftrieb gab. Ob der Trendwechsel beim Yen von Dauer ist, muss sich aber erst zeigen. Vieles wird davon abhängen, ob die US-Notenbank Fed im kommenden Jahr – wie von den meisten Analysten erwartet – mit ihrer Zinssteigerungspolitik fortfährt. Wenn ja, dürfte dies den Dollar stärken und damit den Yen schwächen. Auf der anderen Seite geht für Japan ein gewisses Risiko von der Politik des kommenden US-Präsidenten Donald Trump aus. Er hat Tokio im Wahlkampf nicht nur wegen der Yen-Abwertung und der extrem lockeren Geldpolitik kritisiert, sondern spielt anscheinend auch mit dem Gedanken, die US-Industrie durch Importzolle zu schützen. Ein Handels- und Währungskrieg wäre aber das Letzte, was das fernöstliche Land und seine kriselnde Wirtschaft jetzt gebrauchen kann.


Quelle: Reuters, Wert in JPY

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