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Jahresendrallye: Die Party ist noch nicht abgesagt

Gelingt dem DAX® zum Jahresende noch ein Befreiungsschlag? Die trübe Stimmung an den Märkten sowie die rückläufigen Konjunkturerwartungen lassen dies momentan nicht vermuten. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders?

Droht dem DAX® das schlechteste Jahr seit der Finanzmarktkrise von 2008? Die Fakten sprechen dafür. Mehr als zwölf Prozent hat der deutsche Leitindex in diesem Jahr zwischenzeitlich schon verloren. Da ist es verständlich, dass viele Anleger zumindest noch auf einen starken Schlussspurt hoffen. Doch wie realistisch sind solche Erwartungen? Rein statistisch gesehen gehören der November und Dezember zu den stärksten Aktienmonaten des Jahres. Allerdings sind solche historischen Durchschnittsrechnungen mit Vorsicht zu genießen. Zum einen, weil sie durch „Ausreißer“ nach oben oder unten verzerrt sind. Zum anderen, weil sich die Vergangenheit nicht so einfach in die Zukunft fortschreiben lässt.


Quelle: Reuters


Wenig Zuversicht bei Investoren

Ob sich der DAX® zum Jahresende noch einmal aufschwingen kann, dürfte insbesondere von der Stimmung der Marktteilnehmer abhängen. Und um die ist es derzeit leider nicht zum Besten bestellt. Wie aus dem aktuellen Finanzmarktreport des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervorgeht, erwartet die Mehrheit der befragten Analysten und Finanzexperten, dass der DAX® kurz- bis mittelfristig bestenfalls auf aktuellem Niveau stagnieren wird. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Citi Investmentbarometer. Demnach rechnet nur ein Viertel der befragten institutionellen Investoren damit, dass die Kurse europäischer Aktien auf Sicht von drei Monaten zulegen. Der große Rest geht von seitwärts gerichteten oder gar fallenden Notierungen aus.


Eingetrübte Konjunkturerwartungen belasten

Als Stimmungsbremse erweisen sich insbesondere die eingetrübten Konjunkturperspektiven. So fielen die ZEW-Konjunkturerwartungen (ZEW-Indikator) im Oktober auf minus 24,7 Punkte. Ein noch schlechterer Wert wurde zuletzt im August 2012 gemessen. Auch seitens der Unternehmensgewinne geht derzeit – wie die aktuelle Berichtssaison zeigt – keine wirklich stimulierende Wirkung für die Aktienkurse aus. Zwar übertrafen nach Angaben von Thomson Reuters fast 48 Prozent der im STOXX Europe 600 Index vertretenen Unternehmen, die bis zum 30. Oktober ihre Zahlen veröffentlicht hatten, mit ihrem Quartalsergebnis die Erwartungen der Analysten. Fast genauso viele jedoch, 40 Prozent, verfehlten die Konsensschätzung. Damit hat sich die Quote der negativen Überraschungen im Vergleich zu den vorangegangenen Perioden deutlich erhöht.


Quelle: Reuters


Ungewisse Zukunft, nervöse Märkte

Fakt ist, dass an den Märkten ein hohes Maß an Unsicherheit herrscht. Zum Ausdruck kommt das an den deutlich gestiegenen Volatilitäten. So sprang der VDAX®-New, der über die erwartete Schwankungsintensität des DAX® Auskunft gibt, gegen Ende Oktober zwischenzeitlich auf knapp 25 Prozent. So schwankungsanfällig zeigte sich der Deutsche Aktienindex zuletzt im Frühjahr. Damals lösten Sorgen über stark steigende US-Zinsen ein kleines Börsenbeben aus. Die momentane Verunsicherung dürfte nicht von heute auf morgen verschwinden. Zu zahlreich sind die Risikofaktoren. Dazu zählt unter anderem der Schuldenstreit zwischen Italien und der EU-Kommission, der im Worst Case in einer neuen Euro-Krise eskalieren könnte. Auch der von der US-Regierung losgetretene Handelskonflikt birgt weiterhin enorme Sprengkraft für die Weltwirtschaft.


Jahresendrallye: Allen Widerständen zum Trotz? Können Anleger das laufende Jahr also abschreiben?

Möglicherweise wäre das verfrüht. Denn es gibt einige Aspekte, die durchaus Anlass zur Hoffnung geben. Da sind zum Beispiel die zurückgekommenen Aktienbewertungen, aus denen sich eine reizvolle Einstiegschance ergeben könnte. Auf Basis der Konsensschätzung der für die kommenden zwölf Monate erwarteten Unternehmensgewinne notiert der DAX® aktuell lediglich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,4 und damit deutlich unter dem historischen Mittelwert. Sollten die erwarteten Unternehmensgewinne in den kommenden Wochen nicht zu stark nach unten korrigiert werden, könnte sich daraus Potenzial für eine formidable Rallye ergeben. Das gleiche gilt für den Brexit. Zwar ist in den vergangenen Wochen die Wahrscheinlichkeit für einen harten Ausstieg gestiegen, was wiederum die Aktienmärkte belastet hat. Sollte es vor Jahresende aber doch noch zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Austrittsabkommen führen –  woran sowohl Brüssel als auch London sehr gelegen sein muss – wäre dies eine enorme Erleichterung. Möglicherweise findet das Börsenjahr 2018 also doch noch ein versöhnliches Ende.

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