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Immobilienaktien: In der Defensive

Noch läuft das Geschäft von Immobiliengesellschaften wie Vonovia oder Deutsche Wohnen. Doch die Forderung nach restriktiveren Mietgesetzen hat die Unternehmen aufgeschreckt und die Aktien auf Talfahrt geschickt.

Im Immobiliensektor herrscht seit geraumer Zeit eine Stimmung zwischen „himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“.  Auf der einen Seite läuft das Geschäft. Einer der Hauptgründe dafür ist die hohen Nachfrage nach Wohnraum sowie der daraus resultierende Anstieg der Mieten. Beispiel Vonovia: Bei der größten deutschen privaten Wohnungsgesellschaft erhöhte sich die durchschnittliche monatliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter im Zeitraum von 2014 bis 2018 von 5,58 auf 6,52 Euro. Das ist ein Anstieg um 17 Prozent in fünf Jahren. Der Trend ist ungebrochen. Im ersten Halbjahr 2019 kletterte die durchschnittliche monatliche Nettokaltmiete weiter auf 6,68 Euro pro Quadratmeter.



Berlin beschließt Mietendeckel


Auf der anderen Seite erweisen sich die gestiegenen Mieten mehr und mehr als ein Problem. Hintergrund ist die Diskussion um bezahlbaren Wohnraum. Schon gibt es Forderungen, Wohnungsgesellschaften zu enteignen. Weniger extrem, aber für das Geschäft der Immobiliengesellschaften ebenfalls nicht förderlich, sind die Rufe nach restriktiveren Gesetzen bei Mieten. In Berlin hat die Politik bereits darauf reagiert. Im Juni beschloss der Senat der Stadt ein Mietmoratorium. Demnach dürfen Mieten für fünf Jahre nicht erhöht werden. Ausgenommen davon sind Neubauten bei der Erstvermietung. Zusätzlich soll eine Mietobergrenze eingeführt werden, deren Höhe jedoch noch unklar ist. Mieten, die darüber liegen, so sieht es der Senatsbeschluss vor, müssen auf Antrag gesenkt werden.



Immobilienaktien unter Druck


Mit Blick auf den Berliner Vorstoß überrascht es nicht, dass sich die Aktien vieler Immobiliengesellschaften zuletzt ausgesprochen volatil zeigten. Abzulesen am DIMAX, der die Wertentwicklung von mehr als 50 deutschen Immobiliengesellschaften abbildet. Notierte der Index Anfang Juni noch bei 147 Punkten rutschte er zwischenzeitlich bis auf 134 Zähler nach unten. Zuletzt zeigte er sich wieder etwas erholt. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass sich das Geschäft der meisten deutschen Immobiliengeschäften weiterhin relativ gut entwickelt. Darauf lassen zumindest die jüngsten Quartalsberichte schließen. Gleichwohl ist nicht zu übersehen, dass die Mietendiskussion den Gesellschaften ernste  Sorgen bereitet.



Vonovia sieht sich nicht als Preistreiber


Vonovia ist Deutschlands führendes privates Wohnungsunternehmen. Die DAX®-Gesellschaft besitzt rund 397.000 Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden im Verkehrswert von 47,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund 79.000 verwaltete Wohnungen. Im ersten Halbjahr legten die Mieteinnahmen um knapp 14 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 22 Prozent auf 873 Millionen Euro. Das sind gute Zahlen, die am oberen Rand der Analystenschätzungen lagen. Trotzdem konnte die Aktie davon nicht profitieren. An den Märkten wird befürchtet, dass andere Bundesländer dem Beispiel von Berlin folgen könnten und ähnlich restriktive Mietengesetze erlassen. Vonovia stuft dieses Risiko zwar als „äußerst gering“ ein, sah sich aber dennoch dazu veranlasst, im jüngsten Halbjahresbericht ausführlich zu dem Thema Stellung zu nehmen. Die Berliner Mietengesetze, heißt es darin, würden in eine völlig falsche Richtung laufen. Sie würden das eigentliche Problem der Wohnungsknappheit nicht lösen. Abgesehen davon würde sich Vonovia mit einer durchschnittliche Kaltmiete von 6,68 Euro pro Quadratmeter im bezahlbaren Segment bewegen und sei keinesfalls der Preistreiber.


Quelle: Reuters



Deutsche Wohnen mit freiwilliger Selbstverpflichtung


Starke Kursverluste verzeichnete zuletzt auch die Aktie der Deutsche Wohnen. Die Gesellschaft ist mit einem Bestand von 164.400 Wohneinheiten und 2.700 Gewerbeimmobilien nach Vonovia die Nummer zwei in Deutschland. Auf den Berliner Mietendeckel hat das Management von Deutsche Wohnen mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung reagiert. Das Unternehmen verpflichtet sich demnach für alle seine Wohnungen in Deutschland, die Bruttowarmmiete nach Modernisierungen nur so zu erhöhen, dass sie maximal 30 Prozent des Nettoeinkommens eines Haushaltes beträgt. Damit, so Vorstandschef Michael Zahn, solle ein Signal gesetzt werden, Ziel sei es, die Situation auf dem deutschen Mietmarkt zu verbessern, indem die Einkommens- und Lebensverhältnisse der Mieter künftig stärker berücksichtigt werden. Die Aktie könnte unabhängig davon bald wieder Rückenwind bekommen. Denn der Titel gilt als möglicher Aufstiegskandidat für den DAX. Die Entscheidung darüber fällt die Deutsche Börse im September anlässlich der ordentlichen Indexanpassung.


Quelle: Reuters



TAG Immobilien sieht für sich nur geringe Risiken


Eine Immobilienaktie, die sich in den vergangenen Monaten vergleichsweise gut entwickelt hat, ist TAG Immobilien. Das Unternehmen sieht sich im Fall einer stärkeren Regulierung der Mieten nur im geringen Umfang betroffen. Das geht aus dem im Rahmen der Halbjahreszahlen veröffentlichten Risikobericht hervor. Dort heißt es: „Die Investitionen von TAG Immobilien würden nicht in den großen Metropolen, sondern bewusst in sogenannten B- und C-Standorten erfolgen, also in den weiteren Einzugsgebieten der Metropolen und in mittelgroßen Städten.“. Vor diesem Hintergrund gehe man nicht davon aus, dass die Diskussion um eine stärkere Regulierung, insbesondere um einen vollständigen Mietenstopp, auch die eigenen Standorte wesentlich betreffen werde.


Quelle: Reuters



Deutsche Euroshop erhöht Dividende


Eine Immobilienaktie, die von restriktiveren Mietgesetzen für Wohnungen ebenfalls nichts befürchten muss, ist die Deutsche Euroshop. Das Unternehmen ist Deutschlands einzige Aktiengesellschaft, die ausschließlich in Shoppingcenter investiert. Das MDAX®-Unternehmen ist seit dem Januar 2001 börsennotiert und zurzeit an 21 europäischen Shoppingcentern beteiligt. Der Start in das Geschäftsjahr verlief laut Vorstandschef Wilhelm Wellner mit leichten Zuwächsen bei Umsatz und Ergebnis planmäßig. Außerdem bestätigte die Gesellschaft die Prognose, wonach der Umsatz bei stabilen Mieteinnahmen in den Jahren 2019 und 2020 jeweils in einer Bandbreite von 222 bis 226 Millionen Euro liegen soll. Gute Nachrichten gab hinsichtlich der Dividende. Sowohl für dieses als auch das kommende Geschäftsjahr beabsichtigt die Gesellschaft, die Ausschüttung um jeweils 0,05 Euro auf 1,55 beziehungsweise 1,60 Euro je Aktie zu erhöhen.


Quelle: Reuters

 

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