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Handelskrieg schwebt wie ein Damoklesschwert über dem Aktienmarkt

Entgegen der Hoffnung vieler Investoren heizt US-Präsident Donald Trump den Handelskrieg nicht nur mit China weiter an. Damit trüben sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft ein. Können DAX® und S&P500® dem zunehmenden Gegenwind trotzen?

Investoren am US-Aktienmarkt sind erleichtert, dass sie der Börsenregel „Sell in May and go away“ diesmal nicht gefolgt sind. In dem Monat hat der S&P500® um 2,2 Prozent zugelegt, der hiesige DAX® war immerhin stabil. Dabei mussten die Märkte diesseits und jenseits des Atlantiks neben der zwischenzeitlichen Eskalation der Italien-Krise vor allem einen Risikofaktor wegstecken: den sich verschärfenden weltweiten Handelskrieg. Das Thema dürfte auch in den nächsten Monaten eines der beherrschenden für die Börse bleiben.


Neue Strafzölle gegen China

Nachdem US-Finanzminister Steven Mnuchin erklärt hatte, der Handelskrieg liege „auf Eis“, war Mnuchin von Trump und den Hardlinern aus seiner Regierung scharf kritisiert worden. Es gehe nicht nur um einen Handelskrieg, sondern darum, dass China mittel- und langfristig zur wirtschaftlich und militärisch stärksten Nation der Welt aufsteigen wolle. Das müsse unter allen Umständen verhindert werden. Das Weiße Haus hatte daher zuletzt erklärt, Mitte Juni werde eine Liste chinesischer Produkte mit einem Wert von 50 Mrd. Dollar veröffentlich, die mit Strafzöllen belegt werden sollen. Trump will zudem den Technologietransfer ebenso beschränken wie bestimmte Investitionen. Eine entsprechende Liste solle am 30. Juni vorgelegt und „bald darauf“ umgesetzt werden. In dem Umfeld wächst die Gefahr, dass sich der Handelskrieg zwischen den USA und China nach den Strafzöllen auf Stahl- (25 Prozent) und Aluminiumprodukte (10 Prozent) weiter verschärft, womit sich die Konjunkturperspektiven für beide Länder eintrüben. Das sind schlechte Nachrichten gerade für die exportabhängige chinesische Wirtschaft, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Diesen Handelskonflikt spiegelt der Shanghai Shenzhen CSI 300 Index wider, der die Kursentwicklung der an den Börsen der zwei Metropolen führenden Aktien abbildet. Er ist gegenüber dem 52-Wochen-Hoch vom Januar 2018 um 13,3 Prozent gesunken und notiert in der Nähe des tiefsten Niveaus seit August 2017.


EU und Kanada klagen gegen US-Strafzölle


Neben dem Handelskrieg mit China heizt Trump auch jenen mit Europa und Kanada an. Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium aus der EU sind am 1. Juni in Kraft getreten. Auch Kanada und Mexiko sind von den Maßnahmen betroffen. Die EU reagiert und führt ab 18. Juni Strafzölle auf US-Produkte, wie Whiskey, Erdnussbutter, Motorräder, Jeans und Tabakprodukte ein. Kanada und Mexiko haben ihrerseits zusätzliche Zölle auf US-Produkte angekündigt. Zudem hat Kanada nach der EU Klage bei der Welthandelsorganisation WTO eingereicht. Daher wächst bei Experten zunehmend die Sorge, dass sich der Handelskonflikt weiter verschärfen könnte, zumal Trump mit zusätzlichen Strafzöllen von bis zu 25 Prozent auf importierte Autos droht. Das würde gerade die hiesige Autoindustrie, eine für Deutschland sehr bedeutende Branche, deutlich treffen.

„Die Ankündigung der US-Regierung, Zölle auf Automobile stark erhöhen zu wollen, ist ein weiterer Schlag ins Kontor unserer Wirtschaftsbeziehungen. Aspekte der nationalen Sicherheit als Begründung anzuführen, ist konstruiert und an den Haaren herbeigezogen“, sagte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). „Wir müssen das schon fast als Provokation werten. Investitionen und Jobs, die deutsche Hersteller in den USA schaffen, werden in Washington vollkommen außer Acht gelassen. Sollten die Zölle am Ende wirklich kommen, wird dies Mehrbelastungen von mehr als 6 Milliarden Euro pro Jahr bedeuten“, so Schweitzer. Bislang fallen lediglich Steuern von 2,5 Prozent für Autos an, die von europäischen Herstellern produziert und in die USA eingeführt werden.


Viele Konjunkturdaten schwächeln

In dem Umfeld sind viele Konjunkturdaten für die Euro-Zone und für Deutschland deutlich gefallen. So ist der Einkaufsmanagerindex für die Industrie der Euro-Zone im Mai auf ein 15-Monats-Tief gesunken. Seit dem Rekordhoch vom Dezember 2017 hat die Branche damit erheblich an Schwung verloren. Sorgen bereitet Experten zudem, dass die Indexkomponente für die Auftragseingänge auf das niedrigste Niveau seit September 2016 zurückgegangen ist, was für eine weitere Abkühlung des Wachstums in dem Sektor spricht.

Sollte sich die wirtschaftliche Situation weiter verschärfen, könnte das für erneuten Druck auf den DAX® sorgen, machen doch Zykliker, also Unternehmen aus konjunkturabhängigen Sektoren, wie Autos, Chemie, Banken, oder Halbleiter, 55 Prozent des Indexgewichts aus und damit mehr als in fast jedem anderen Index der Welt.

Hingegen könnten Investoren weiter Geld in den S&P500® umschichten, weil der Anteil der Zykliker deutlich geringer ist als im DAX®. Gleichzeitig wird der S&P500® von dem IT-Sektor gestützt, der mit einem Indexgewicht von 25,8 Prozent die mit weitem Abstand schwerste Branche in dem Index ist, vor dem Finanzsektor mit 14,5 Prozent. Anleger setzen darauf, dass sich das Geschäft von Unternehmen, wie Apple, Microsoft, Facebook und Alphabet weiter gut entwickeln könnte. Im Gegensatz zu vielen DAX®-Aktien trauen Investoren diesen US-Unternehmen zu, sich besser zu entwickeln als der DAX®, selbst wenn sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft eintrüben.
 

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