20150116_Corner_Grexit_Header

Highlight

Griechenland: Showdown im August

Die kriselnde griechische Wirtschaft befindet sich endlich wieder auf Wachstumskurs. Doch die Erwartungen könnten sich als zu optimistisch erweisen. In diesem Fall hätte das Mittelmeerland ein ernstes Problem. Denn im August endet das dritte Rettungspaket. Droht den Anlegern eine neue Griechenlandkrise?

Es ist schon einige Jahre her, da hielt die Griechenlandkrise  die Anleger monatelang in Atem. Ein Grexit, also ein Ausscheiden der Griechen aus der Währungsunion, schien damals fast unvermeidbar. Selbst über das Ende des Euros wurde damals spekuliert. Dank diverser milliardenschwerer Rettungspakete kam es anders. Seither ist es um Griechenland relativ still geworden. Stattdessen sorgen andere Themen wie der Brexit, der drohende Handelskrieg mit den USA oder die geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und Nordkorea für Gesprächsstoff unter den Investoren. Über das kleine südöstliche Mittelmeerland redete dagegen lange Zeit kaum jemand mehr. Warum auch? Immerhin scheint Griechenland auf dem Weg der Besserung. So wuchs die griechische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent und damit so stark wie seit 2007 nicht mehr. Und nach Ansicht diverser Wirtschaftsinstitute könnte das Wachstum noch an Fahrt gewinnen. So geht die Frühjahrsprognose der EU-Kommission von einem Anstieg des griechischen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 1,9 Prozent aus. Für 2019 wird sogar ein Plus von 2,3 Prozent erwartet.


Ernüchternde Zahlen


Dennoch gibt es nicht nur positives über Griechenlands Wirtschaft zu berichten. Denn die Reformen, die Griechenland unter Druck der internationalen Geldgeber eingeleitet hat, sind weitaus weniger erfolgreich, als es auf den ersten Blick den Anschein macht. Die Arbeitslosenrate, wenngleich zuletzt leicht rückläufig, ist mit aktuell 20,1 Prozent nach wie vor die höchste in der Eurozone. Jeder fünfte erwerbsfähige Grieche ist demnach arbeitslos. Einen weiteren Negativrekord hält Griechenland bei der Staatsverschuldung. Der Schuldenberg erhöhte sich im ersten Quartal 2018 von 328,7 auf 343,7 Milliarden Euro. Die Schuldenquote ist mit 184 Prozent des Bruttoinlandsprodukts so hoch wie nie, obwohl dem Land vor sechs Jahren von seinen privaten Gläubigern mehr als 50 Prozent der Verbindlichkeiten erlassen wurden. Einige Analysten führen an, dass Griechenland bei der Sanierung seines Haushalts zuletzt die Zielvorgaben der internationalen Geldgeber deutlich übertroffen hat. Im zurückliegenden Jahr erzielte das Land einen Haushaltsüberschuss von sieben Milliarden Euro. Das entspricht rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Allerdings handelt es sich dabei um einen sogenannten Primärüberschuss, bei dem die Kosten für den Schuldendienst nicht berücksichtig werden. Solche Berechnungen sind nicht unproblematisch. „Irgendwelche Haushaltssalden sind immer positiv, wenn man nur hinreichend viele Ausgabenposten weglässt“, kritisierte zum Beispiel der ehemalige ifo-Chef Hans-Werner Sinn diese Art der „griechischen Buchführung“.


Kommt Griechenland alleine klar?


Auf Griechenland und die Eurozone kommen spannende Zeiten zu. Denn am 20. August 2018 endet das dritte Hilfspaket des Eurorettungsschirms ESM. Ab dann muss sich das Mittelmeerland wieder selbst an den Kapitalmärkten finanzieren. Bis vor kurzem zeigten sich die meisten Ökonomen zuversichtlich, dass dies auch gelingen wird. Sie verwiesen dabei insbesondere auf die guten Wachstumsaussichten. Doch die könnten sich schon bald als Makulatur erweisen. Denn mittlerweile hat sich das weltwirtschaftliche Klima aufgrund der schwelenden Handelskonflikte spürbar eingetrübt. Eine Rezession scheint in der Eurozone momentan zwar weiterhin unwahrscheinlich, eine Wachstumsdelle ist aber mit Blick auf die seit Monaten fallenden Frühindikatoren vermutlich unausweichlich. Viele Wirtschaftsinstitute sind daher schon dazu übergegangen, ihre Wachstumsprognosen nach unten zu korrigieren – auch für Griechenland.


Griechenlandkrise reloaded?


Sollten sich die Griechen am Kapitalmarkt nicht selbst bedienen können, müssten erneut Hilfspakete geschnürt oder ein Schuldenschnitt beschlossen werden. Fast 300 Milliarden Euro hat Athen seit 2010 bereits erhalten. Ein viertes Rettungspaket wäre notwendig, um das Land vor dem Bankrott zu bewahren. Doch gegen weitere Milliardenzahlungen dürfte sich verstärkter Widerstand regen. Gerade auch in Deutschland. Die Griechenlandkrise wäre mit einem Mal zurück. Auch die Diskussion um den Euro dürfte wieder aufflammen, zumal mit Italien ein weiterer potentieller „Euro-Totengräber“ die Bühne betreten hat. Den Anlegern könnte also ein heißer Spätsommer mit der Gefahr von heftigen Börsengewittern bevorstehen.

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.