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Gaming-Branche: Angriff aus der Cloud

Dem Markt für Computerspiele steht ein massiver Umbruch bevor, so die Experten von Citi Global Perspectives & Solutions. In einer aktuellen Studie kommen sie zu dem Schluss, dass vor allem drei Konzerne davon profitieren könnten: Amazon, Microsoft und Google.


„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Für Friedrich Schiller gehört Spielen zum Menschsein. Was der berühmte Dichter und Denker nicht vorhersehen konnte: Mit der digitalen Revolution ist moderne Technologie auch ins Spiel eingezogen. Angefangen hat die Ära der Computerspiele in den frühen 1970er-Jahren mit „Pong“ von Atari – einem mittlerweile antik anmutenden Game mit zwei nach oben und unten verschiebbaren Balken und einem dazwischen hin- und herfliegenden Puck.

Gaming ist ein Megatrend

Was damals so bescheiden begann ist heute dank PC, Laptop, Konsole oder Smartphone sowie einer immer ausgereifteren Software zu einem Massenphänomen geworden. Wie eine Umfrage des deutschen Digitalverbandes Bitkom ergab, sind Video- und Computerspiele aus dem Alltag vieler Jugendlicher und Erwachsener nicht mehr wegzudenken. Demnach spielen 43 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren zumindest gelegentlich – das entspricht rund 30 Millionen Menschen. Weltweit wird die Zahl der Gamer auf mehr als zwei Milliarden Menschen geschätzt. Dass es sich beim Gaming längst um keine Randerscheinung mehr handelt, zeigen auch Events wie die in wenigen Wochen beginnende „Gamescom“ in Köln, zu der wieder mehr als 350.000 Besucher erwartet werden.


Quelle: Reuters, Kurs in USD.


Konkurrenz aus der Cloud

Die Spieleindustrie, die in den vergangenen Jahren von größeren Disruptionen verschont blieb, könnte nun vor einem massiven Umbruch stehen: dem Cloud-Gaming. Zu dieser Schlussfolgerung kommt eine neue Studie von Citi Global Perspectives & Solutions (Citi GPS). Zwar hätten Videospieleanbieter das Internet unter anderem genutzt, um ihre Software direkt – also ohne Zwischenschaltung des Einzelhandels – an die Verbraucher zu verkaufen. Viel mehr aber auch nicht. Nun könnte ihnen mächtige Konkurrenz in Gestalt der großen Cloud-Konzerne wie Amazon oder Google erwachsen. Dass der Eintritt in den Gaming-Markt für diese Internet-Giganten attraktiv ist, steht außer Frage. Immerhin werden mit Spielesoftware rund 100 Milliarden US-Dollar und mit Hardware weitere 35 Milliarden US-Dollar jährlich umgesetzt.


Gehören Konsolen bald der Vergangenheit an?

Doch was ist eigentlich Cloud-Gaming? Das Prinzip ist denkbar einfach: Anstatt Videospielinhalte auf einem PC oder einer Konsole zu verarbeiten, erfolgt die Verarbeitung im Netzwerk oder in der Cloud. Bisher sind Spieler von der Hardware abhängig. Rechen- und Grafikpower des Geräts bestimmen darüber, was über den Screen flimmert. Beim Cloud Gaming braucht es nur noch ein internetfähiges Gerät mit Bildschirm egal welcher Größe und eine ausreichend schnelle Verbindung. Das Videospiel läuft auf einem Cloud-Server, Bild und Ton empfängt der Spieler übers Internet.


Streaming für Gamer

Im Grunde bedeutet Cloud-Gaming, dass Videospiele in Zukunft gestreamt werden, wie es bei Filmen (zum Beispiel Netflix) oder Musik (zum Beispiel Spotify) bereits jetzt der Fall ist. Allerdings verweisen die Citi-Experten auf einen wichtigen Unterschied: Video- und Musikinhalte würden nahezu ohne Interaktion an den Verbraucher weitergegeben. Dies gebe dem Anbieter die Möglichkeit, Inhalte zu puffern. Beim Cloud-Gaming sei das Puffern nicht möglich, da die User mit dem Spiel interagieren, so die Analysten. Die Herausforderung liege daher darin, die Latenzzeit – dies ist die Zeit zwischen dem Befehl eines Spielers und der anschließenden Bildschirmaktion – möglichst zu minimieren. Um den Gamer das Gefühl zu geben, wie auf einem lokalen Gerät zu spielen, muss die Latenzzeit unter 40 Millisekunden liegen.


Amazon, Microsoft und Google rüsten auf

In ihrer Studie geht Citi GPS davon aus, dass diejenigen Cloud-Anbieter mit der größten Marktmacht auch bei Cloud-Gaming die Nase vorne haben werden. Dies seien Amazon, Microsoft und Google. Ihr Marktanteil an den gesamten Cloud-Diensten legte im vergangenen Jahr von 53 auf 58 Prozent zu. Tendenz steigend. Ein natürlicher Weg, die aufgebauten Cloud-Kapazitäten zu nutzen, so die Citi-Experten, bestünde darin, in das Gaming einzusteigen.


Quelle: Reuters, Kurs in USD

Viele weitere interessante Details und Zahlen über das Cloud Gaming finden Sie in der Citi GPS Studie „VIDEO GAMES: CLOUD INVADERS“. Zum kostenlosen Download geht es hier.

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