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FAANG-Stocks: Gefährliche Schwergewichte

Die IT-Riesen Facebook, Apple, Amazon.com, Netflix und Google (Alphabet ) sind an der Börse mittlerweile mehr als drei Billionen US-Dollar schwer. Nach dem jüngsten Kurssturz von Facebook geht die Angst um, dass ein Crash der sogenannten FAANG-Aktien den S&P 500® mit in die Tiefe reißen könnte. Wie realistisch ist ein solches Szenario?

Es war einer der spektakulärsten Kurstürze in der jüngeren Börsengeschichte. Am 26. Juli 2018 brach die Facebook-Aktie in der Spitze um mehr als 23 Prozent ein, nachdem der Internetkonzern im zweiten Quartal 2018 mit seiner Gewinnmarge knapp unter den hohen Erwartungen des Marktes geblieben ist. Am Endes des Handelstages hatten sich fast 120 Milliarden US-Dollar Börsenwert in Luft aufgelöst. Im Sog des Facebook-Crashs kamen auch andere IT- und Internet-Titel unter Druck. Einige von ihnen sind an der Börse mittlerweile so gewichtig, dass sie von Händlern bereits eine eigene Abkürzung erhalten haben: FAANG-Stocks – nach den Anfangsbuchstaben der Unternehmensnamen Facebook, Apple, Amazon.com, Netflix und Google (Alphabet ). Ihr gemeinsames Markenzeichen ist ihre atemberaubend steile Kursentwicklung, die sie zu milliardenschweren Börsengiganten gemacht hat (siehe auch nachfolgende Grafik).

FAANG als Risikofaktor für den Gesamtmarkt?


Doch spätestens seit dem Kurssturz von Facebook geht unter Anlegern die Angst vor einer vermeintlichen FAANG-Bubble um. Daraus abgeleitet wird eine Sorge um den US-Leitindex S&P 500® (schwer) in dem die FAANG-Aktien zu den gewichtigsten Titeln zählen. In diesem Fall müsste man gar nicht direkt in den Aktien der IT-Riesen investiert sein, um negativ betroffen zu sein. Auch Anleger, die indexierte S&P500®-Produkte (zum Beispiel ETFs) oder S&P500®-Benchmark-Fonds im Depot liegen haben, würden die Auswirkungen spüren. Nach Angaben des Indexbetreibers S&P Dow Jones Indizes ist weltweit immerhin ein Vermögen in Höhe von rund 9,9 Billionen US-Dollar auf diese Weise an den S&P 500® gebunden.


Quelle: Reuters, Angaben in USD

Zusammengenommen beträgt die Marktkapitalisierung der FAANG-Stocks rund 3,3 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: der Börsenwert aller 30 DAX®-Unternehmen beläuft sich lediglich auf ein Drittel dieser Summe. Auf der anderen Seite relativiert sich das Bild, wenn man in Betracht zieht, dass die gesamte Marktkapitalisierung des S&P 500® momentan bei über 24,5 Billionen US-Dollar liegt. Selbst der gewichtigste Titel im Index, Apple, kommt daher momentan lediglich auf einen Indexanteil von knapp vier Prozent. Bei Amazon.com und Alphabet liegt die Quote bei rund drei Prozent, bei Facebook (1,75 Prozent) und Netflix (0,65 Prozent) fällt sie noch geringer aus. Aus dieser Sicht hat der historische Facebook-Sturz dem Index ceteris paribus lediglich einen Wertverlust von 0,5 Prozent gekostet.

Quelle Reuters, Angaben in USD


Larry Fink: „Besorgniserregende Entwicklung“


Problematisch wird es allerdings, wenn nicht einzelne IT-Aktien, sondern der Technologiesektor als Ganzes aus der Spur geraten sollte. Immerhin ist der Bereich „Information Technologies“ im S&P 500® mit einem Sektorengewicht von rund 26 Prozent der mit Abstand größte. In guten Zeiten ist das kein Problem. Wie Untersuchungen gezeigt haben, gingen allein im Zeitraum von Anfang Januar 2018 bis Mitte Juli 2018 stolze 83 Prozent des S&P 500®-Plus auf lediglich vier Unternehmen zurück: Amazon.com, Netflix, Microsoft und Apple. In schlechten Zeiten jedoch, kann sich die gebündelte Dominanz der IT-Riesen als fatal erweisen. Möglicherweise handelt es sich beim Facebook-Absturz nur um einen Ausrutscher. Schon in Vergangenheit kam es bei Wachstumstiteln immer wieder zu stärkeren Verlusten, ohne dass der Trend grundsätzlich kippte. Doch mittlerweile sind einige Titel so heiß gelaufen, dass selbst ein hartgesottener Börsenprofi wie der Blackrock-Chef Larry Fink von einer besorgniserregenden Entwicklung spricht. Sollten die Konzerne mit ihren Quartalszahlen, wie bei Facebook geschehen, die extrem hohen Erwartungen der Märkte auch nur hauchdünn verfehlen, reagieren die Anleger inzwischen unmittelbar.


Der Dow Jones als Alternative?


Vor diesem Hintergrund sind Investitionen in den S&P 500® derzeit tatsächlich mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Eine Alternative könnte in diesem Zusammenhang der Dow Jones darstellen. Im Urvater aller Aktienindizes sind IT-Riesen wie Alphabet, Amazon.com und Facebook gar nicht vertreten. Das liegt daran, dass beim Dow nicht die Höhe der Marktkapitalisierung über eine Aufnahme entscheidet, sondern die Auswahl von einem Gremium unter Leitung des Wall Street Journals auf Basis subjektiver Einschätzungen getroffen wird. Außerdem erfolgt die Gewichtung der Indexmitglieder nach Höhe des absoluten Aktienkurses und nicht nach Market Cap. Dieses Verfahren der Preisgewichtung mag zwar unlogisch und möglicherweise auch antiquiert erscheinen, sorgt aber dafür, dass zum Beispiel der Flugzeugbauer Boeing mit 9,5 Prozent im Dow vertreten ist, Apple aber nur mit fünf Prozent. Insgesamt gibt der Dow Jones damit hinsichtlich wichtiger Kennziffern – wie etwa dem geringeren Index-KGV oder der höheren Dividendenrendite – derzeit aus fundamentaler Perspektive ein attraktiveres Bild ab als der S&P 500®.


Quelle: Reuters, Angaben in USD

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