Märkte

E-Autos: Der Wettbewerb nimmt zu

Nie zuvor wurden so viele E-Fahrzeuge verkauft wie im vergangenen Jahr. Gleichwohl: Aus der Nische ist der Markt noch lange nicht. In Zukunft könnte der Kampf um den Kunden über den Preis entschieden werden, heißt es in einer neuen Studie von Citi GPS (Global Perspectives & Solutions).

Das Jahr 2020 hatte für die Autobranche zwei Gesichter. Auf der einen Seite brachen die weltweiten Verkäufe infolge der Corona-Krise massiv ein. So wurden in der EU im vergangenen Jahr rund 24 Prozent weniger Neufahrzeuge zugelassen als im Vorjahr. In den USA belief sich der Rückgang auf 15 Prozent, in Japan auf elf Prozent. Auf der anderen Seite erreichte der Absatz von Elektroautos nie gekannte Dimensionen. In Deutschland zum Beispiel haben sich die Neuzulassungen von batteriegetrieben Fahrzeugen (BEV) auf fast 200.000 Stück verdoppelt. Auch weltweit boomen Stromer. Der Höhenflug hat mehrere Gründe. Ein Faktor sind sicherlich die Subventionen, die zahlreiche Staaten für den Kauf von E-Mobilen zahlen. In Deutschland gibt es beispielsweise bis zu 6.000 Euro für die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs. Aber auch die steigende Zahl neuer, preisgünstiger und reichweitenstarker Modelle ließen viele Autofahrer umsteigen.  Das zunehmend attraktiver werdende Angebot verbunden mit den staatlichen Rabatten hat dazu geführt, dass sich E-Autos hinsichtlich der Kosten hinter vergleichbaren Neuwagen mit Verbrennungsmotor allmählich nicht mehr verstecken müssen.


Quelle: Refinitiv, Kurs in USD



Noch eine Nische


Doch hat das E-Auto den Durchbruch tatsächlich schon geschafft? Dieser spannenden Frage ist eine neue Studie von Citi Global Perspectives & Solutions (GPS) nachgegangen. Die Analysten verweisen darauf, dass der Übergang zu Elektrofahrzeugen im Grunde länger gedauert hat als erwartet. Es gebe weiterhin nur eine Nischengruppe von Verbrauchern, die fest davon überzeugt ist, auf Elektrofahrzeuge umsteigen zu müssen, und die in der Regel den größten Teil des Umsatzes mit Elektromobilen ausmachen. In der Tat: Nicht einmal sieben Prozent der Neuzulassungen entfielen in Deutschland im vergangenen Jahr auf batteriegetriebene Fahrzeuge. Offensichtlich, so die Citi-Analysten, habe die breite Bevölkerung weiterhin Bedenken, ob sich Reichweite, Ladezeit und Preis von Elektrofahrzeugen ausreichend verbessert haben, um einen zweiten Blick darauf zu werfen. Die Regierungen hätten zwar versucht, das Angebot durch Preissubventionen zu versüßen, um die Kosten für Elektrofahrzeuge zu senken, aber selbst diese reichen für einen durchschnittlichen Fahrer in Ländern wie den USA oder in Europa nicht aus, um Elektrofahrzeuge als Ersatz für ihre Wagen mit Benzinmotor anzusehen.


Quelle: Refinitiv, Kursveränderung in Prozent, 1.1.2016=100%



Preiskampf bei E-Autos


Gleichwohl sehen die Citi-Experten einen Wandel herannahen. In Europa hätte das Wettrüsten mit Elektrofahrzeugen bereits begonnen, heißt es in der Studie. Hintergrund ist, dass die klassischen Autokonzerne ihre Verkäufe mit Plug-in-Hybrid- und Batterie-Elektrofahrzeugen verdoppeln müssen, um die CO2-Ziele der Europäischen Union zu erreichen. Doch das wird nicht so einfach sein. Denn wie die Citi-Analysten anmerken, will der E-Auto-Pionier Tesla seine europäischen Kapazitäten in diesem Jahr um etwa 150.000 und im Folgejahr (2022) um 500.000 Einheiten erhöhen. Das würde einem Marktanteil von etwa 30 Prozent im europäischen Markt für Batteriefahrzeuge entsprechen. Für die etablierten Hersteller bedeutet das: Um die Ziele zu erreichen, bedarf es einer aggressiven Preispolitik.



Herausfordernde Zeiten für die klassische Autoindustrie


Disruptive Unternehmen wie Tesla könnten den alteingesessenen Autokonzernen aufgrund des technologischen Vorsprungs, zum Beispiel in der Batterietechnologie, das Leben in den kommenden ein, zwei Jahren schwer machen, heißt es im Fazit der Citi-Studie. Sie verweisen darauf, dass neue disruptive Akteure aufgrund der günstigen Finanzierungskonditionen einen Wettbewerbsvorteil erzielen können, zum Beispiel durch den Aufbau ihrer eigenen Batterieversorgungen.



Die vollständige Citi-GPS-Studie „ELECTRIC VEHICLE TRANSITION – EVs Shifting from Regulatory- to Supply Chain-Driven Disruption” finden Sie (in englischer Sprache) hier.

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