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Die Welt im Streaming-Fieber

Das Streamen von Musik, Filmen oder Serien hat sich zu einer etablierten Form der Mediennutzung entwickelt und auf diesem Weg Startups wie Spotify oder Netflix zu multimilliardenschweren Börsenkonzernen gemacht. Der Trend scheint ungebrochen. Warum Investments in den Sektor dennoch schief gehen können.

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, da wurde ein Trend geboren, der unsere Hör- und Fernsehgewohnheiten radikal verändern sollte. Die Rede ist vom Streaming. Zu den Pionieren dieser Technologie gehört Spotify. Der Musik-Streaming-Dienst mit Sitz in Stockholm ging am 4. Oktober 2008 online. Statt CDs zu kaufen oder Songs als kostenpflichtige Downloads zu erwerben, konnten Menschen ihre Lieblingsstücke nun immer und überall hören. Einzige Voraussetzung: internetfähige Endgeräte wie Smartphones, Notebooks, Tablets oder Desktop-PCs. Gegenüber dem klassischen Download werden Inhalte beim Streaming nicht auf die Endgeräte heruntergeladen, sondern nur zwischengespeichert und ohne Wartezeit wiedergegeben.


Zuerst hat Streaming die Musikindustrie verändert

Mit mehr als 180 Millionen aktiven Usern pro Monat, 83 Millionen Bezahlabonnementen, einem Song-Archiv von mehr als 35 Millionen Titeln und einem Börsenwert von rund 34 Milliarden US-Dollar zählt Spotify mittlerweile zu den Schwergewichten in der Musikindustrie. Apropos Musikindustrie. Die ist heute eine völlig andere als noch vor zehn Jahren. Auf der einen Seite brachen die weltweiten Umsätze aus dem Verkauf von physischen Tonträgern wie CDs massiv ein, von 14,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 auf 5,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017. Auf der anderen Seite schossen die weltweiten Einnahmen aus dem Musik-Streaming im gleichen Zeitraum von 200 Millionen US-Dollar auf 6,6 Milliarden US-Dollar nach oben.


Quelle: Reuters


Netflix mischt Fernsehbranche auf

So wie Spotify den Musikmarkt revolutionierte, so krempelte Netflix unsere Fernsehgewohnheiten um. Gestartet 1997 als Online-Videothek, die gegen Bestellung DVDs per Post versandte, erweiterten die Kalifornier im Jahr 2007 ihre Vertriebsstruktur. Ab diesem Zeitpunkt wurden Filme und Serien den Kunden auch per Online-Streaming zugänglich gemacht. Zunächst nur in den USA, dann weltweit. Wie bei Spotify war der Erfolg durchschlagend. Ende Juni 2018 hatte das Unternehmen 130 Millionen Flatrate-Abonnenten. Seit einigen Jahren füllt Netflix sein Programm auch mit eigenen Inhalten – ganz zum Ärger der etablierten Hollywood-Studios und TV-Networks. Zu den erfolgreichsten Eigenproduktionen zählen unter anderem die Politthriller-Reihe „House of Cards“ oder die Mystery-Serie „Stranger Things“. Heute ist Netflix mit einer Marktkapitalisierung von 160 Milliarden US-Dollar nach dem Entertainment-Riesen Disney der wertvollste Medienkonzern der Welt.


Quelle: Reuters


Im Mainstream angekommen

Der Erfolg von Spotify und Netflix ist auch den etablierten Internetgiganten nicht entgangen. Längst sind auch Alphabet (Google Play), Amazon und Apple auf den Streaming-Zug aufgesprungen. Auch Deutschland hat das Streaming-Fieber erfasst. Wie eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unlängst ergab, streamen hierzulande bereits rund sieben von zehn Internetnutzern (69 Prozent) zumindest hin und wieder Musik. Jeder Zweite nutzt hierzu Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Apple Musik oder Deezer. Ein Drittel der Nutzer bezahlt inzwischen für kostenpflichtige Musik-Streaming-Abonnements. Auch das Video-Streaming erfreut sich unter den Bundesbürgern einer steigenden Beliebtheit. Nach Angaben von Bitkom streamen bereits zwei von fünf Internetnutzern (37 Prozent) Filme und Serien über kostenpflichtige On-Demand-Portale wie Netflix, Amazon Prime Video, Sky Ticket oder Maxdome. Lag der Abo-Umsatz in Deutschland im Jahr 2010 lediglich bei sechs Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr bereits 275 Millionen Euro. Rechnet man die Einnahmen aus dem werbefinanzierten Video-Streaming (zum Beispiel YouTube) sowie kostenpflichtige Video-Einzelabrufe (Abrechnung pro Inhalt) hinzu, belief sich das Marktvolumen im vergangenen Jahr sogar auf knapp eine Milliarde Euro.


Börse im Streaming-Rausch

Dass es sich beim Streaming um keine schnelllebige Modeerscheinung handelt, zeigt eine Studie der US-Beratungs- und Marktforschungsgesellschaft Future Market Insights (FMI). Demnach wird allein der weltweite Markt für Video-Streaming in den kommenden zehn Jahren um durchschnittlich 15,6 Prozent pro Jahr zulegen und dann 591 Milliarden US-Dollar schwer sein. Angesichts des enormen Wachstumspotenzials ist Streaming auch an der Börse ein heißes Thema. So feierte die Aktie von Spotify im April 2018 an der New Yorker Börse (NYSE) ein fulminantes Börsendebüt. Die Papiere schlossen bereits am ersten Handelstag um 13 Prozent über ihren Referenzpreis und haben seither noch einmal 30 Prozent hinzugewonnen (Stand: 30. August 2018). Die Aktien von Netflix sind bereits seit Mai 2002 an der NASDAQ gelistet. Wer damals 1.000 US-Dollar in den Titel investiert hätte, könnte seine Papiere heute für rund 300.000 US-Dollar verkaufen (Stand: 30. August 2018).


Hohe Erwartungen

Der Haken bei beiden Titeln ist die hohe Bewertung. Spotify hat noch keinen Dollar Gewinn gemacht, dennoch ist das Unternehmen an der Börse bereits mehr wert als die drei DAX-Konzerne Lufthansa, Merck und thyssenkrupp zusammen. Netflix arbeitet zwar profitabel, mit einem KGV von 94 (auf Basis des für dieses Jahr erwarteten Gewinns) ist der Titel aber selbst für Fans von Wachstumsaktien ein kostspieliges Vergnügen. Sollten die hohen Erwartungen, die in beiden Papieren eingepreist sind, einmal nicht erfüllt werden, wären wohl schwere Kursverluste vorprogrammiert. Es bedarf also eines gewissen Optimismus, um sich für die beiden Aktien auf den aktuellen Kursniveaus noch erwärmen zu können. Alternativ können Anleger in Konzerne investieren, bei denen das Streaming quasi zum Nebengeschäft gehört, als da wären Apple, Alphabet oder Amazon. Zum Schnäppchenpreis sind die bekanntlich aber auch nicht mehr zu haben.


Quelle: Reuters

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