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"Die Notenbank tauscht Staatsschuldenschrott in Zentralbankgeld"

Ihr Buch "Die große Geldschmelze" wurde kürzlich mit dem Deutschen Finanzbuchpreis 2015 ausgezeichnet. Die Autoren Hanno Beck und Aloys Prinz im Interview mit CitiFirst.



CitiFirst: Herr Beck und Herr Prinz, Sie wurden gerade für Ihr neues Buch „Die große Geldschmelze“ mit dem Deutschen Finanzbuchpreis 2015 ausgezeichnet. Im Buch warnen Sie eindringlich vor der Angst als Ratgeber. Glauben Sie, dass die Verunsicherung der Anleger in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird und warum?


Hanno Beck: Zurzeit sehen wir keine Entwarnung für die Anleger. Im Gegenteil: wenn es Schule machen sollte, dass Personen für das Aufnehmen von Krediten von Banken Zinszahlungen erhalten – wie gerade in Dänemark geschehen -, dann zeigt das, wie sehr sich die jetzige Lage von normalen Zeiten unterscheidet. Normalität wird erst dann wieder einkehren, wenn die Zentralbanken die Flutung der Geld- und Finanzmärkte beenden. Man kann nur hoffen, dass die bis dahin anfallenden Kollateralschäden nicht zu groß werden. Bis zur Normalisierung der Geldpolitik der EZB wird es wohl noch etwas dauern.
 

CitiFirst: Sie sprechen von einem Drei-Fronten-Krieg. Hier geht es um das Zusammenspiel von Politik, Notenbanken und dem Mechanismus, den Sie Staatsschuldenschrottrecycling nennen. Dies hört sich sehr dramatisch an. Was müssen wir uns darunter vorstellen?


Aloys Prinz: Der groß angelegte Aufkauf von entsprechenden Schuldtiteln durch die Notenbanken erfolgt durch eine Herausgabe von Zentralbankgeld. Diese Geldvermehrung steht den aufgekauften Schuldtiteln gegenüber. Sind diese Schuldtitel aber minderwertig, stehen der erhöhten Geldmenge keine Werte gegenüber – dann kann das in Inflation enden. Allerdings hat die Inflation in neuester Zeit ihr Gesicht geändert; sie tritt verstärkt in Form von Vermögenspreissteigerungen und nicht mehr so stark in Form von Güterpreissteigerungen auf. Das bedeutet, dass z.B. Aktien und Wohnungen teurer werden, weil die steigende Geldmenge auf einen unveränderten Bestand an Vermögenstiteln trifft. Letzten Endes macht man auf diesem Weg aus problematischen Schuldtiteln überbewertete Vermögensanlagen. Der finanzielle Dreisprung sieht also so aus: Die Notenbank tauscht Staatsschuldenschrott in Zentralbankgeld, und dieses Geld führt dann zu Blasen auf den Aktien-, Immobilien- und anderen Vermögensmärkten, d.h., Schulden werden auf diesem Weg recycelt.
 


Prof. Dr. Aloys Prinz (links) und Prof. Dr. Hanno Beck (rechts)


CitiFirst: Wenn Angst ein schlechter Ratgeber ist, was ist Ihr ganz persönlicher Rat an deutsche Anleger, wie sie ihr Geld vor der großen Schmelze retten können?


Aloys Prinz: Zurzeit ist guter Rat teuer, wenn nicht sogar unmöglich. Geldpolitik schafft für Privatanleger ein so genanntes systemisches Risiko, d.h. ein Risiko, das jeden trifft, gegen das man sich individuell nicht absichern kann. Solange die EZB und andere Zentralbanken die Geld- und Finanzmärkte weiter fluten, nimmt dieses systemische Risiko zu. Ob man in Sachwerte flüchtet, sein Geld in anderen Ländern anlegt oder riskantere Anlagen wählt, das Ergebnis ist ähnlich: man nimmt höhere Risiken oder eine sehr niedrige Rendite in Kauf. Einem systemischen Risiko kann man kein Schnippchen schlagen. Das einzige, was man machen kann, ist darauf achten, welches Investment zu den persönlichen Umständen passt.


CitiFirst: Herr Beck, Sie sind nun bereits zum zweiten Mal mit dem Deutschen Finanzbuchpreis ausgezeichnet worden. Ihre Bücher sind bei Anlegern sehr gefragt. Dürfen die Leser in den kommenden Jahren mit einem weiteren Finanzbuch von Ihnen und Herrn Prinz rechnen?


Hanno Beck: Das Schöne an unserem Job ist, dass uns die spannenden Themen nicht ausgehen. Wenn wir die Notwendigkeit und das Bedürfnis der Leser für ein weiteres Buch sehen, können wir uns das gut vorstellen. Auch die Rückmeldungen vieler Leser und nicht zuletzt der Finanzbuchpreis sind ein großer Ansporn, für den wir beide sehr dankbar sind.

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