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Trading

Die größten Trading-Fehler

Dieser Artikel fasst fünf klassische Trading-Fehler zusammen, die sich häufig beobachten lassen und oft unangenehme Folgen haben. Anleger, die sich dieser Dinge nicht nur bewusst sind, sondern die es auch schaffen, solche Fehler im Handelsalltag zu vermeiden, haben deutlich bessere Erfolgsaussichten.

Zu große Positionen


Zu große Positionen sind die Hauptursache für verheerende Verluste. Das liegt daran, dass bei jeder Handelsstrategie früher oder später längere Verlustserien und damit Drawdowns in der Kapitalkurve auftreten. Und je größer die Positionen sind, desto schmerzhafter werden diese Drawdowns. Selbst bei einer grundsätzlich funktionierenden Strategie, die auf lange Sicht eine steigende Kapitalkurve produzieren sollte, kann eine Verlustserie mit zu großen Positionen dazu führen, dass sich das Konto nicht mehr erholt. Oder anders ausgedrückt: Je größer die Positionen, desto wahrscheinlicher wird es, (fast) alles zu verlieren, bevor die Verlustserie endet und die Strategie wieder Gewinne abwirft. Erfolgreiche Trader handeln deshalb eher kleine Positionen relativ zu ihrer Kontogröße und ihrem Zeithorizont. Sie wissen, dass der nächste Drawdown jeden Moment beginnen kann und traden deshalb konsistent und nachhaltig. Einsteiger bringen dafür jedoch nicht immer die nötige Geduld auf, da sie möglichst schnell große Gewinne erzielen möchten. Das wiederum veranlasst sie, entsprechend große Positionen zu eröffnen – nicht selten zu große.

Fazit: Trading mit relativ kleinen Positionen ermöglicht es, Drawdowns zu überstehen und auf Dauer vom positiven Erwartungswert einer Handelsstrategie zu profitieren.

Keine Stopps


Stopps sind im Day- und Swing Trading eine Art Lebensversicherung. Zu unterscheiden sind dabei zwei Varianten. Bei den festen Stopps liegt die Order im Markt und wird bei Erreichen des Stopp-Kurses automatisch in eine Market-Order umgewandelt, um zum nächsten Kurs sofort ausgeführt zu werden. Bei den mentalen Stopps liegt die Order nicht im Markt, sondern der Trader setzt sich gedanklich einen festen Ausstiegskurs, bei dessen Erreichen er manuell aus dem Trade aussteigt. Grundsätzlich sollten Trader feste Stopps setzen, was garantiert, im Verlustfall tatsächlich so schnell wie möglich aus dem Trade zu kommen. Erfahrene Trader nutzen manchmal auch mentale Stopps, um die Position im hin und her des Kurses zu einem besseren Preis glattstellen zu können. Mitunter beobachten sie zudem, ob der Markt das Stopp-Niveau möglicherweise nur „testet“, um dann wieder zu drehen. Dies stellt aber ein hohes Risiko dar, am Ende in einem sich immer weiter verschlechternden Trade festzustecken.

Fazit: Feste Stopps sind eine Lebensversicherung im kurzfristigen Trading. Sie definieren das Risiko und beugen einem „Feststecken“ in Verlust-Trades vor.

Overtrading


Overtrading bedeutet das Handeln zu vieler Setups, die den Einstiegskriterien einer Handelsstrategie nicht oder nur zum Teil entsprechen. Oft lässt sich dies auf Emotionen wie etwa die Gier, schnell viel Gewinn machen zu wollen oder auf die Ungeduld des Traders zurückführen. Auch die Angst, eine Bewegung zu verpassen, kann zum vorzeitigen Einstieg führen und auf diese Weise nicht vorgesehene Trades auslösen. Im Ergebnis häufen sich unnötige Transaktionskosten an, denen aufgrund der schlechten Setup-Qualität keine systematischen Handelsgewinne gegenüberstehen, was zu schleichenden Verlusten auf dem Handelskonto führt. Es ist ohnehin schwierig, durch Trading positive Renditen zu erzielen, aber mit dem unkontrollierten Handel halbfertiger Setups ist es praktisch unmöglich. Studien zufolge sind vor allem Männer von der Tendenz zum Overtrading betroffen. Das erklärt auch, warum sie im Durchschnitt schlechter abschneiden als Frauen.

Fazit: Overtrading verursacht unnötige Verluste und Transaktionskosten. Vor allem Männer sind davon betroffen.

Trading vor Nachrichten


Der Handelskalender ist voller Termine. Einige davon beeinflussen die Kurse mehr, andere weniger. Viele dieser Termine stehen schon lange im Voraus fest, aber einige News kommen auch überraschend, wie etwa vorzeitige Quartalszahlen von Unternehmen. Im Vorfeld kann grundsätzlich niemand wissen, wie der Markt letztlich auf ein bestimmtes Ereignis reagieren wird. Trader sollten deshalb vor wichtigen Nachrichten keine neuen Positionen eingehen, denn das damit verbundene Risiko ist nicht abschätzbar, sodass ein Trade zu diesem Zeitpunkt zur reinen Zockerei wird. Erst, wenn der Markt eine erste Reaktion zeigt, lassen sich daraus Trading-Gelegenheiten ableiten. Viele Einsteiger glauben dagegen, dass gute Trader den Markt unter Kontrolle haben. Doch das stimmt nicht – niemand kann den Markt unter Kontrolle haben. Alles, was man als Trader kontrollieren kann, ist sich selbst, welche Positionen man eingeht, wie groß diese sind und wie das Risikomanagement aussieht.

Fazit: Vor wichtigen Terminen sollten keine Trades eingegangen werden, da das Risiko nicht abschätzbar ist und das Handeln damit zur reinen Zockerei wird.

Kein Wiedereinstieg


Hin und wieder werden Positionen ungünstig ausgestoppt. Das kann bei jeder Variante von Stoppsetzung passieren und ist ärgerlich, wenn der Markt anschließend wieder in die zuvor gehandelte Richtung läuft. Statt deshalb aber auf Stopps zu verzichten, sollten Trader über einen strategischen Wiedereinstieg nachdenken. Die Kriterien dafür müssen klar definiert sein, um nicht bei jedem Ausstopper einen neuen Versuch zu unternehmen – denn in den meisten Fällen sollte der Stopp tatsächlich das Scheitern der ursprünglichen Trade-Idee anzeigen. Eine Komponente kann hier der Faktor Zeit sein. Verletzt der Markt nur kurz das Level, an dem der Stopp lag und dreht dann dynamisch um, stehen die Chancen für einen erneuten Versuch gut. Letztlich steigt durch Einführung eines Wiedereinstiegs-Setups auch das Vertrauen in die eigene Stoppsetzung. Denn die Tatsache, einen Plan B für den Fall unnötiger Ausstopper zu haben, ermöglicht es, Stopps entspannter setzen und besser durchhalten zu können.

Fazit: Statt den perfekten Stopp zu suchen, den es nicht gibt, sollten Trader besser daran arbeiten, mögliche Wiedereinstiege zu erkennen.

In unserer Tradingreihe ist zuletzt erschienen: Die grundlegenden Handelsstile
Weiter geht es mit dem Thema: Die größten Analysefehler


 

Kommentare (1)

Fritz Eifert

10 Aug 2019 - 10:02

Beitrag ist sehr sinnvoll und trifft genau die immer wieder vorkommenden Fehler. Leider macht man
Fehler im Leben nicht nur einmal. Hauptgrund ist einfach die Gier, leider zu ausgeprägt auch bei
Profis !!

Gruß

Fritz Eifert

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