201609_Tellerrand_Header

Highlight

Die Defensive im Depot stärken

In Zeiten einer rückläufigen Konjunkturdynamik und historisch niedriger Zinsen raten Experten zu Aktien, die aus sogenannten defensiven Sektoren kommen. Dabei stehen die folgenden Branchen im Mittelpunkt und was diese im aktuellen Umfeld auszeichnet.

Immer wenn sich das Jahr zu Ende neigt, beginnt die Zeit der Auguren. Wer die Prognosen und Ausblicke der Analysten und Volkswirte studiert, sieht, dass bei der Mehrheit der Experten in einigen Punkten weitgehend Übereinstimmung herrscht*:

1) Sowohl die weltwirtschaftliche Entwicklung als auch die Entwicklung an den Kapitalmärkten dürfte auch im kommenden Jahr von zahlreichen Unsicherheitsfaktoren begleitet sein. Dazu gehören altbekannte Themen wie der Brexit oder der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Es kommen aber auch neue Unbekannte hinzu – wie etwa die US-Präsidentschaftswahl im November des nächsten Jahres.

2) Auch wird erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern weiter abschwächen könnte. Dabei wird das relativ hohe Alter des Aufschwungs als Index für dessen baldiges Ende gewertet.

3) Die EZB und die Fed dürften ihren in diesem Jahr eingeschlagenen Lockerungskurs bei der Geldpolitik fortführen. Die Zinsen dürften daher weiterhin nicht steigen.

4) Wer reale Vermögensverluste vermeiden will, so die Meinung vieler Experten, kommt im Bereich liquider Anlagen 2020 an Aktien kaum vorbei, wenngleich größere Schwankungen nicht auszuschließen sein werden. Der Schwerpunkt sollte daher auf Qualitäts- und Dividendenaktien primär aus defensiven Branchen liegen.

(*basiert in einzelnen Aspekten und im Gesamtkonsens (bis auf Aktienprognosen, die nur von Banken veröffentlicht werden) auf den Prognosen und Studien von UBS, Morgan Stanley, Commerzbank, Reuters, ifo Institut, ZEW, OECD und dem IMF.)

Defensive Branche gesucht


Soweit die allgemeine Vorausschau. Bleibt die Frage, was sind das konkret für Aktien und Sektoren, mit denen Anleger die Defensive ihres Portfolios stärken können? Qualitätsaktien beziehungsweise Value-Aktien zeichnen sich durch solide Bilanzen, robuste Geschäftsmodelle, hohe und stetige Cashflows sowie eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik aus. Sie kommen vermehrt aus Wirtschaftssektoren, die vergleichsweise wenig abhängig sind vom Konjunkturzyklus und die im Idealfall eine geringere Volatilität aufweisen als der Gesamtmarkt. Als solch defensive Branchen gelten gemeinhin insbesondere:
- Nahrungsmittel & Getränke (Food & Beverage)
- Gesundheit (Healthcare)
- Telekommunikation (Telecommunication)
- Versorger (Utilities)
- Öl & Gas (Oil & Gas)

Sektoren im Check


In diesem Zusammenhang ist für Anleger die Frage interessant, wie sich die genannten Sektoren in der Vergangenheit geschlagen haben und welche Bewertung sie aufweisen? Die Basis für die Analyse bilden dabei die jeweiligen Sektorenindizes aus dem Universum des STOXX Europe 600 Index. Als relevante Kriterien wurden herangezogen:
- die annualisierte Performance (5 Jahre) als Indikator für die historische Wertentwicklung
- die annualisierte Volatilität (5 Jahre) als Gradmesser für das historische Schwankungsrisiko
- das Sektoren-KGV (auf Basis der Gewinnschätzungen) als Bewertungsmaßstab
- die Dividendenrendite als wichtige Komponente für die Gesamtperformance von Aktien

Die Daten im Überblick:




Stärken und Schwächen


Es fällt auf, dass europäische Aktien aus dem Nahrungsmittelsektor in der Vergangenheit eine überdurchschnittliche Performance abwarfen und dabei auch noch weniger stark schwankten als der Gesamtmarkt. Allerdings sind sie mit einem Sektor-KGV von 21,7 auch höher bewertet als andere defensiven Branchen. Das gleiche gilt mit Einschränkungen für den Gesundheitssektor. Der Bewertungsaufschlag relativiert sich jedoch, wenn man die vergleichsweise geringe Konjunkturanfälligkeit der beiden Sektoren berücksichtig. Anleger, die nach besonders hohen Dividendenrenditen Ausschau halten, könnten momentan vor allem bei Telekommunikations- und Versorger-Aktien fündig werden. Auch ist in diesen beiden Sektoren die Bewertung noch weniger stark fortgeschritten als anderswo. Allerdings ist zu beachten, dass es sich bei der Dividendenrendite um eine statische Kennzahl handelt, das heißt, sie stellt nur eine Momentaufnahme da. Neben der Höhe der Ausschüttung kommt es daher auf die Dividendenkontinuität an. Gerade Telekom-Werte erwiesen sich in der Vergangenheit als verlässliche Dividendenzahler. Europäische Öl- und Gas-Aktien sind ein Sonderfall. Zwar weisen sie unter allen der insgesamt zwölf Stoxx-Europe-600-Sektorenindizes das mitunter niedrigste KGV aus, doch ihre Performance korreliert sehr stark mit dem Ölpreis. Und dieser hängt bekanntlich sehr stark am Tropf der Konjunktur (und den Wünschen der OPECT) ab. Anleger sollten auch berücksichtigen, dass historische Daten keinen zuverlässigen Indikator für zukünftige Entwicklungen darstellen.

Kommentare (0)

Kommentar verfassen*

* Ihr Kommentar wird erst nach einer redaktionellen Prüfung veröffentlicht.